KITZINGEN

Kommt ein sozialer Zaun nach Kitzingen?

Der Vorschlag von Uwe Hartmann von der Bayernpartei wird an diesem Donnerstag beraten.Der Bayernpartei-Funktionär will einen "sozialen Zaun"; am Landwehrplatz anbringen lassen.
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Ideengeber: Uwe Hartmann von der Bayernpartei kann sich hier, am Landwehrplatz, einen „sozialen Zaun“ vorstellen. Vorteil: Dank der Nähe zur Polizeiinspektion sei Vandalismus so gut wie ausgeschlossen. Foto: Ralf Dieter
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Eine Schnapsidee? Oder eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Hilfsangebot? In Kürze wird sich zeigen, wie der Vorstoß von Uwe G. Hartmann im Kitzinger Stadtrat ankommt. Der Bayernpartei-Funktionär will einen „sozialen Zaun“ am Landwehrplatz anbringen lassen.

Das Vorbild für Hartmanns Vorstoß liefert Darmstadt. Dort haben zwei Aktivisten die Idee bereits umgesetzt. An einem Maschendrahtzaun hängen seit fast vier Wochen etliche durchsichtige Tüten, deren Inhalt für bedürftige Menschen gedacht ist. Mit einem Edding-Stift haben die vormaligen Besitzer die Tüten beschriftet: Pulli, Größe 36 ist da zu lesen. Oder: Jeans 29/34. Auch Zahnbürsten, Besteck oder Hundefutter sind in den Tüten am Zaun zu finden. „Das ist doch eine charmante Idee“, meint der 52-Jährige aus Etwashausen, der seit 2014 als Ein-Mann-Gruppierung im Kitzinger Stadtrat vertreten ist. Gerade jetzt, im Winter, würden sozial Schwache so ein Angebot sicher zu schätzen wissen.

Hilfsgüter griffbereit

Grundsätzlich kann jeder die Hilfsgüter am „sozialen Zaun“ abnehmen und mit nach Hause nehmen. Hartmann schweben als Zielgruppe aber vor allem diejenigen Senioren vor, die mit einer mageren Rente auskommen müssen – oder Alleinerziehende, die ihre Kinder mit einem einzigen Gehalt durchbringen müssen. „Diese Menschen haben oft ein falsches Schamgefühl“, sagt er. Der Vorteil des sozialen Zauns: Es gibt keine Öffnungs- und Schließzeiten. Bedürftige könnten sich in der Dunkelheit bedienen, ohne Gefahr zu laufen, erkannt zu werden. „Man braucht auch keinen Berechtigungsschein wie bei anderen sozialen Einrichtungen“, argumentiert er. Viele Senioren seien zu stolz, um sich so einen Schein zu besorgen.

Seine Idee hat er schon im Bekannten- und Freundeskreis besprochen und an den Landesverband der Bayernpartei weitergegeben. „Die Resonanz war durchweg positiv.“ Mit einer gewissen Skepsis rechnet Hartmann trotzdem. Vor allem, was den Standort angeht. Sicher sollte der sein und nicht zu weit entfernt vom Zentrum, damit sich die Interessenten auch fußläufig bedienen können. Hartmann hat sich den Landwehrplatz ausgeguckt, direkt gegenüber der Alten Synagoge und in Sichtweite des Polizeigebäudes. Vandalismus schließt er aufgrund der Nähe zur Polizei aus. Um ganz auf der sicheren Seite zu sein, könnte er sich auch eine Webcam vorstellen. Außerdem würden zwei seiner Parteimitglieder bei Bedarf immer wieder nach dem Rechten sehen. „Da bin ich mir sicher.“

Als störend dürfte ein sozialer Zaun an dieser Stelle nicht empfunden werden, meint Hartmann. Und die Kosten für so ein Projekt hielten sich eh in Grenzen: Den Bauzaun könnten die Mitarbeiter des Bauhofes aufstellen. Mehr brauche es nicht.

Geht es nach Hartmann, trifft der Stadtrat an diesem Donnerstag eine schnelle Entscheidung. „Dann könnten wir die Idee schon Anfang Februar in die Tat umsetzen.“ Eine zeitliche Begrenzung der Aktion, beispielsweise bis Anfang Mai, sei für ihn kein Problem. „Dann könnte eine erste Bilanz gezogen und über eine Verlängerung beratschlagt werden.“ Wie die Chancen für eine Mehrheit im Stadtrat stehen? Uwe Hartman zuckt mit den Schultern. „Eigentlich müsste der Vorschlag angenommen werden“, sagt er. „Wir haben ja einige Parteien mit einem 'S' im Gremium“.

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