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REICHENBERG

Kleine Nische der Weltmusik mit großer Fangemeinde

In Reichenberg kommen einmal im Jahr internationale Stars der Gitarrenmusik zusammen.
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Reinhold Deinhardt schaut sich noch einmal den Auftritt von Larry Coryell auf Video an. Der Reichenberger organisiert seit neun Jahren ein Gitarrenfestival mit international bekannten Stars der Szene. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Die Katastrophe ist eingetreten. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Der Star des Abends ist völlig überraschend gestorben. Reinhold Deinhardt muss sich erst mal schütteln. Aufgeben ist aber nicht sein Ding. Auch das 9. Reichenberger Guitar Masters wird stattfinden. Die Besucher dürfen sich am 11. März auf Gitarrenmusik vom Feinsten freuen. „Auch wenn uns Larry Coryell natürlich fehlen wird.“

Das internationale Gitarrenfestival in dem kleinen Ort südlich von Würzburg ist untrennbar mit dem Namen Larry Coryell verbunden – mit dem Namen Reinhold Deinhardt sowieso. 2008 hat er einen Stein ins Rollen gebracht, der sich über die Jahre zu einer kleinen Lawine entwickelte. Schon im zweiten Jahr war die Wolffskeelhalle mit ihren 400 Plätzen ausverkauft. Seither könnte Deinhardt Jahr für Jahr deutlich mehr Karten an das jazz- und bluesbegeisterte Publikum verkaufen. „Wir haben eine große Fangemeinde für eine kleine Nische der Weltmusik gefunden“, freut sich der 56-Jährige. Die Besucher danken es ihm mit Treue und teilweise langer Anfahrt. Sie kommen aus ganz Bayern, selbst aus Österreich und der Schweiz, um international renommierte Gitarrenvirtuosen zu sehen und zu hören.

Mit Irio de Paula fing alles an. Den Römer mit brasilianischen Wurzeln wollte Deinhardt, der rund 2000 Platten in seiner Sammlung hat, unbedingt einmal live hören. Weil er gerade Italienisch lernte, klemmte er sich kurz entschlossen ans Telefon und rief de Paula's Managerin – und wie sich herausstellen sollte – Frau an. Ein Konzert in Reichenberg? Signora de Paula war mäßig begeistert. Deinhardt ließ nicht locker. Ihm kam ein gleichermaßen verwegener wie brillanter Gedanke: Wenn ein absolutes Zugpferd zusagt, dann zieht es nicht nur Zuschauer, sondern womöglich auch andere Künstler an. Deinhardt kontaktierte das Management von Larry Coryell, der mit Musikgrößen wie Miles Davis, John McLaughlin, Eric Clapton und Jimi Hendrix auf der Bühne stand. „Am Freitag vor Weihnachten 2008 war er in Brüssel gebucht“, erinnert sich Deinhardt noch heute. Sein Vorschlag lautete: Einen Tag länger in Europa bleiben, von Brüssel nach Reichenberg fahren. Coryell sagte tatsächlich zu – und wurde zum Stammgast eines Festivals, das seither Gitarristen aus Dänemark, Schweden, Italien, England, den USA, Brasilien und Japan anzieht.

Qualität war von Anfang an Deinhardts wichtigstes Kriterium. Und Abwechslung: Pop und Blues, Jazz und Weltmusik – Samba, Flamenco oder Bossa. „Das ist schon eine mutige Mischung“, gesteht er und bringt Jahr für Jahr die weltbesten Spezialisten auf der Bühne zusammen.

Warum es wieder und wieder funktioniert? Deinhardt schaut sich die Künstler im Vorfeld ganz genau an, überlegt nicht nur, ob sie qualitativ zum Festival passen, sondern auch, ob sie miteinander können. Wie wichtig das ist, zeigt sich spätestens bei den Höhepunkten jedes Konzertabends. Gegen Mitternacht starten in der Regel die Sessions, die Künstler von Weltrang auf der Bühne vereinen, Menschen, die sich vorher teils nur vom Hörensagen kannten. Wie faszinierend diese Auftritte sind, wird exemplarisch am Dank einer 76-Jährigen deutlich, die nachts um 1.30 Uhr die Wolffskeelhalle verließ und Reinhold Deinhardt einen Tag später anrief: „Ich hatte solche Rückenschmerzen“, sagt sie. „Aber es war wunderschön.“

Schön und bunt verspricht auch das Konzert am 11. März zu werden. Deinhardt hat mit dem brasilianischen Gitarristen Daniel Marques und dem tschechischen Blues- und Ragtime-Spezialisten Sammy Vomacka zwei international renommierte Künstler engagiert. Dazu kommt mit Marco Lobo ein Star der brasilianischen Percussions-Szene. Für den Abschluss der rund sechsstündigen Veranstaltung ist Deinhardt nach intensiver Suche doch noch fündig geworden. Nach dem überraschenden Tod von Larry Coryell haben auch der Drummer Jon Hiseman und Rock-Bassist Dave King abgesagt. Deinhardt hat daraufhin in Italien, New York und Japan angerufen, ist schlussendlich in Dänemark fündig geworden. „Mikkel Nordsö und seine Ban sind ein würdiger Ersatz für Larry Coryell“, meint der Festivalmacher.

Nach dem ersten Schock ist Reinhold Deinhardt wieder guter Dinge, dass das Reichenberger Gitarrenfestival auch 2017 das wird, was es immer war: Ein Treffpunkt für internationale Musikvirtuosen und begeisterte Zuhörer.

Mehr Informationen unter www.guitarmasters.de. Dort gibt es auch Bilder und Videos der letzten Jahre.

Eintrittskarten: Bereits ausverkauft, eventuell noch über Warteliste. Wer seine Karten wegen des Todes von Larry Coryell zurückgeben möchte, kann dies bis zum 1. März tun und bekommt sein Geld zurück.

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