MAINBERNHEIM

Im Paradies sind alle gleich

Der Empfang? Paradiesisch! Selbst gebackener Zwiebelkuchen und Apfelkuchen, Glühwein, Bier und Säfte. Im Feuerkorb glühen die Holzscheite. Die zwölf Frauen und Männer haben es sich gemütlich gemacht. So wie an jedem Spätnachmittag im Stettiner Weg in Mainbernheim. Mittendrin im Rentnerparadies.
Artikel drucken Artikel einbetten
Paradiesische Zustände: Im Hof von Familie Pohley treffen sich die Rentner aus dem Stettiner Weg in Mainbernheim. Beinahe täglich. Und sie sind immer guter Dinge.
+1 Bild

Der Empfang? Paradiesisch! Selbst gebackener Zwiebelkuchen und Apfelkuchen, Glühwein, Bier und Säfte. Im Feuerkorb glühen die Holzscheite. Die zwölf Frauen und Männer haben es sich gemütlich gemacht. So wie an jedem Spätnachmittag im Stettiner Weg in Mainbernheim. Mittendrin im Rentnerparadies.

1971 sind Günter und Inge Pohley von Kitzingen nach Mainbernheim gezogen. Den Schritt haben die beiden nie bereut. Ihr Haus war das erste im Stettiner Weg. Heute leben dort 22 Menschen. Man kennt sich und man schätzt sich. Und man hat sich viel zu erzählen.

Zwölf Anlieger sind der harte Kern im selbst ernannten Rentnerparadies. Den „ganz harten Kern“ bilden Günter Pohley und Günter Kulpa. Sie waren die ersten, die in Rente gegangen sind. Fast 15 Jahre ist das jetzt her. „Der Günter war damals unser Hahn im Korb“, erinnert sich Ursula Kulpa. Mittlerweile hat der Hahn jede Menge Begleiter bekommen. Es gibt mehr Rentner als Erwerbstätige im Stettiner Weg. Der Lebensfreude tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Jeden Tag um 17 Uhr treffen sich die Rentner – außer an den Wochenenden. Je nach Sonnenstand und Temperatur stehen die Bänke und Tische bei Familie Ott oder gegenüber im Hof der Pohleys. Und wenn es ganz kalt wird, dann wird das große Garagentor geöffnet. „Wir sitzen auch im Winter zusammen“, bestätigt Gisela Ott und muss bei der Erinnerung an einen Silvesterabend vor ein paar Jahren schmunzeln. Damals gab es massig viel Schnee und so bauten sich die lustigen Rentner eine paradiesische Schneebar an den Wendehammer. „Die Getränke waren immer frisch“, erinnert sich Richard Gaubitz. „Und das Gute: Wir haben alle den Weg nach Hause gefunden.“

Miteinander reden, füreinander da sein, viel lachen: Das sind die Gründe, warum der Zusammenhalt im Stettiner Weg so besonders ist. „Wir haben ein extra Schlüsselbrett angebracht“, erzählt Günter Pohley. „Damit wir bei den Nachbarn immer die Blumen gießen können, wenn sie fort sind.“

Auch Geburtstage werden zusammen gefeiert. Eine Einladung gibt es schon lange nicht mehr. „Die kommen sowieso“, meint Günter Pohley mit einem Augenzwinkern. „Ich schließe schon immer die Haustüre ab. Aber die wissen, wo der Hintereingang ist.“

Steht gerade kein Geburtstag an, werden besondere Anlässe gefunden. Vor drei Wochen war beispielsweise Bremserfest. „Da konnten wir gar nicht alles wegessen, was auf den Tischen stand“, erinnert sich Erika Gaubitz.

„Langweilig wird es uns nie“, versichert Hans Ott. Im Gegenteil: Jeder bringt seine Geschichten mit, jeder hat was zu berichten. Und zu lachen gibt es mehr als genug. Wie kommt der gute Zusammenhalt zustande? „Wir sind von Anfang an aufeinander zugegangen“, erinnert sich Günter Kulpa. „Keiner war neidisch auf den anderen.“

Die Kinder haben in den 70er und 80er Jahren miteinander gespielt. Auch für sie waren es paradiesische Zustände. Der Stettiner Weg endet an einem Wendehammer – kein Durchgangsverkehr. „Früh sind sie raus und abends wieder rein. Die Türen waren immer auf“, erinnert sich Inge Pohley.

Eine Ende des Rentnerparadieses ist nicht in Sicht. Ursula Kulpa malt sich schon einmal aus, wie die Zukunft aussieht. „In zehn Jahren werden wir alle mit dem Rollator über die Straße laufen“, prophezeit sie. Der braucht allerdings eine zusätzliche Vorrichtung. „Ein Navi wäre schon gut, damit wir auch wieder heimfinden. Wir werden ja alle vergesslich.“ Wie gut, dass Günter Pohley ein Straßenschild an seinen Gartenzaun montiert hat. „Rentnerparadies“ steht darauf.

Dass es den Menschen im Stettiner Weg in Mainbernheim gut geht, ist auch ohne das Schild nicht zu übersehen. Ein Leben im Paradies kann so einfach sein.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren