KITZINGEN

„Ihre Dankbarkeit kommt von Herzen“

Inge Schwarz kann sich noch gut an den ersten Kontakt erinnern. Auch wenn seither 25 Jahre ins Land gegangen sind. So recht wusste sie damals nicht, was sie sagen sollte. Ein Usambaraveilchen rettete die Situation.
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Ehrenamt: Lorraine Knebel und Inge Schwarz (hinten am Tisch) betreuen seit 15 beziehungsweise 25 Jahren Menschen mit psychischen Problemen. Jetzt sucht die Beratungsstelle des BRK dringend weitere ehrenamtliche Kräfte. Foto: Foto: Ralf Dieter

Die Beratungsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes sucht ehrenamtliche Helfer. Menschen wie Inge Schwarz aus Marktbreit oder Lorraine Knebel aus Dettelbach. Seit 25 beziehungsweise 15 Jahren sind sie Ansprechpartner für Menschen mit psychischen Problemen. „Zuhören, reden, Kaffee kochen.“ So beschreibt Inge Schwarz ihre ehrenamtliche Arbeit in der Kontaktgruppe der Beratungsstelle. Alle 14 Tage treffen sich die Teilnehmer. Etwa fünf Personen sitzen dann am Tisch, trinken Kaffee, essen ein Stück Kuchen und unterhalten sich. „Wir führen Alltagsgespräche“, sagt die 76-Jährige. „Keine Therapiegespräche.“

„Psychisch Kranke sind eigentlich ganz normal.“
Inge Schwarz Ehrenamtliche Helferin

In mehreren Einführungskursen ist Schwarz auf ihre ehrenamtliche Aufgabe vorbereitet worden. Dennoch wusste sie beim ersten Kontakt nicht so recht, was sie sagen oder machen sollte. Dann wollte ein Mann mit psychischen Problemen von ihr wissen, wie er sein Usambaraveilchen pflegen soll. Der Bann war gebrochen. Heute sagt die Marktbreiterin: „Eine Hemmschwelle muss gar nicht sein. Psychisch Kranke sind eigentlich ganz normal.“

Eine Erfahrung, die auch Lorraine Knebel gemacht hat. Vor 15 Jahren wollte sie sich ehrenamtlich engagieren, ein Zeitungsartikel hat ihre Neugierde geweckt. Anfangs besuchte sie Patienten im Wilhelm-Hoegner-Haus, jetzt ist sie in der Wohngruppe der Beratungsstelle aktiv. Einmal in der Woche geht sie mit einem Bewohner spazieren, ins Kino oder auf den Weihnachtsmarkt. Gemeinsam wird gekocht oder einfach nur gesprochen. „Der Redebedarf ist immer sehr groß“, sagt sie. Die Freude über ihr Erscheinen auch. Die positiven Rückmeldungen der Bewohner sind ein Grund, warum sie sich so lange engagiert. „Die Ehrenamtlichen helfen uns sehr“, sagt Bernhard Jung-Schier, der zusammen mit seinen fünf hauptamtlichen Kollegen in der Beratungsstelle arbeitet. Die meisten Menschen mit psychischen Problemen, die sich an die Beratungsstelle wenden und über einen längeren Zeitraum betreut werden, seien viel allein, oftmals regelrecht isoliert von der Gesellschaft. „Das Wichtigste ist, dass ihnen jemand zuhört“, erklärt er. Im Moment engagieren sich fünf Ehrenamtliche für die Beratungsstelle. „Zwei bis vier neue Helfer könnten wir sehr gut gebrauchen“, sagt Jung-Schier. Gerne dürfen es mehr sein. Jeder Helfer ist willkommen und wird gebraucht. Interessierten bietet die Beratungsstelle einen Einsteigerkurs in der Hauptstelle in Würzburg und jährlich Fortbildungen zu speziellen Themenbereichen an. Die hauptamtlichen Kräfte in der Beratungsstelle stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung. „Jeder kann sich melden und das einbringen, was er kann“, sagt Lorraine Knebel. Basteln kommt bei den Menschen mit psychischen Problemen genauso gut an wie gemeinsames Kuchenbacken oder Wandern. Angst vor einer starren und all zu bindenden Verpflichtung bräuchten Interessenten nicht haben. „Wenn man in Urlaub fährt, dann fährt man in Urlaub“, sagt Knebel. Ihre Motivation über all die Jahre: „Diese Menschen sind total ehrlich. Ihre Dankbarkeit kommt von Herzen.“

Kontakt: Beratungsstelle für seelische und soziale Gesundheit, Frankfurter Straße 10 in Würzburg, Tel. (09 31) 41 30 80.

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