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KITZINGEN

Zurück in die Gründerzeit: Die Villa Kleinschroth erwacht wieder zum Leben

Jutta Braune und ihr anspruchsvolles Projekt in der Mainstockheimer Straße.
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Schmiedeeiserne Ornamente schmücken die Überdachung des Eingangsbereichs. Foto: Foto: Steffen Braune
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Manche Rufe muss man nicht hören und sie erreichen einen trotzdem. So ging es Jutta Braune, als sie vor zehn Jahren vor dem Anwesen in der Mainstockheimer Straße 11 stand. Die alte Gründerzeitvilla war in einem erbärmlichen Zustand. Sie wollte gerettet werden.

Der kleine Gartenpavillon direkt an der Straße ist alleine schon ein Hingucker. Weiß mit grünen Balken, Ornamenten unter dem Dach, großen Fenstern, die den Blick hinaus auf den Main oder in den parkähnlichen Garten mit dem alten Baumbestand lenken. Hier sitzt Jutta Braune und erzählt von ihrer ersten Begegnung mit der „verwundeten alten Dame“. Durch Zufall hatte sie von dem Anwesen erfahren. Der Anblick hat sie und ihren Mann Steffen berührt. Obwohl sie nicht an Kauf gedacht hatten, beschlossen beide schnell: „Das machen wir jetzt.“

Wie viel hinter dem Wort „das“ stecken kann, merkten die Braunes schnell. Das Ausmaß der Arbeiten war riesig und ist es noch immer. Tausende von Stunden Arbeit haben sie schon investiert, ein Ende ist nicht abzusehen. Eine Pause legte das Ehepaar nur an der Villa ein, als es in Sulzfeld einen Turm sanierte.

Als Retter alter Anwesen treten die Braunes schon seit 30 Jahren auf. Angefangen hat alles mit einem maroden Bauernhaus, das sie gemietet hatten. Sie nahmen sich des Anwesens an, machten aus Geldmangel die meisten Arbeiten selbst. Sie merkten, dass sie das können – und so ist es dann immer weiter gegangen. Vier „richtige“ Projekte haben sie schon erledigt. Was richtig heißt? „Mit Dach, Mauern, Verputzen und allem eben“, sagt Jutta Braune.

Die Gründerzeit-Villa in der Mainstockheimer Straße ist noch heute ein Prachtbau. Sie gehörte zur Brauerei Kleinschroth, hat zweieinhalb Geschosse und ein vielgliedriges Walmdach, heißt es in der Denkmalliste. Im Garten gibt es neben zwei Pavillons einen Teich, der einst als Pool genutzt wurde. „Man hat mir erzählt, dass viele Kitzinger da schwimmen gelernt haben.“

Als die Braunes das Haus kauften, hatte das Dach schon arg gelitten. Und so verwundert die Antwort auf die Frage, womit die Sanierungsarbeiten begannen, nicht: „Mit 30 roten Eimern“, sagt Jutta Braune lachend. Obwohl ihr damals sicherlich nicht zum Lachen war. Die Gefäße sollten den Regen auffangen, der sich seinen Weg durch die Ziegel bahnte. „Ich stand im Dachboden und habe die Eimer platziert. Da hat der Wind gedreht.“ Die Folge: Ein großes Loch im Dach und ein Wasserschaden, der sich durch alle Decken bis ins Erdgeschoss zog. Schon vorher hatte es durch das eindringende Wasser Schäden und dadurch Pilzbefall gegeben. „Das Haus hatte das Wasser aufgesogen wie ein Schwamm.“ Noch heute sind die Braunes froh, dass sie schnell einen Dachdecker fanden, der sofort mit der Sanierung des Schieferdaches anfing. „Der hat das Haus gerettet.“

Der Dachdeckerbetrieb war die einzige Firma, die im Haus tätig wurde. „Ansonsten machen wir alles selbst.“ Das kostet natürlich Zeit. Momentan ist Jutta Braune damit beschäftigt, weiße Farbe von den Wänden zu entfernen. Stück für Stück zupft sie mit einer Pinzette die Partikel ab, deckt die darunterliegenden Malereien Millimeter für Millimeter auf. „Eine meditative Arbeit.“ Wieder lacht Jutta Braune.

Es hat sich schon viel getan: Die Plastiktüten, die statt Scheiben an einigen Fenstern hingen, sind durch Glas ersetzt. Einige Zimmer sind gestrichen und eingerichtet, die Stuckdecken glänzen in alter Pracht. Die steinernen Gesimse an den Fenstern hat Jutta Braune gereinigt, manche Steine in der Fassade ersetzt. Das Wissen dazu hat sie: Sie hat den Beruf des Steinmetzes gelernt und lange bei einem Restaurator gearbeitet.

Wobei es ihr bei der Villa Kleinschroth gar nicht so sehr um das Restaurieren geht: „Ich will eher konservieren. Das retten, was da ist.“ Sie fühlten sich nicht als Besitzer eines Prachtbaus, sagt Jutta Braune. „Ich sehe uns eher als Pflegestelle für das alte Haus.“ Die Braunes haben auch noch nie in einem modernen Haus gewohnt. „Da fehlt mir die Seele.“

In die Villa will die Familie nicht selbst einziehen, auch wenn die Entscheidung, was damit passieren soll, noch nicht endgültig gefällt ist. Sie könnten sich einen Verkauf vorstellen – „wenn das Konzept passt“. Jutta Braune fände es schön, wenn wieder Leben in das Anwesen einziehen, Kinder durch den Garten toben würden. Auch für mehrere Generationen wäre das Haus gut geeignet.

Was kommt als nächstes? Darüber hat Jutta Braune noch nicht nachgedacht, zumal es in der Villa noch viel zu tun gibt. „Wenn wir in Urlaub sind, schauen wir uns schon gar nicht mehr um“, sagt sie und lächelt. Gut möglich, dass ihr sonst wieder eine steinerne alte Dame ins Auge fällt, die lautlos um Hilfe ruft.

Die Kleinschroth-Villa

Die sogenannte Kleinschroth-Villa stammt aus dem Jahr 1898, Architekt war Christoph Mayer, der als insbesondere durch die Erschließung des Wohngebietes am Würzburger Dallenberg bekannt wurde und dort mehrere Villen und Sommerhäuser baute. Die Villa in Kitzingen stammt zwar aus der Gründerzeit, ist im Inneren und von der Anlage her aber im Jugendstil errichtet. Auf zwei Ebenen befinden sich jeweils fünf Zimmer, ganz oben unter dem Dach sind kleine, niedrige Räume, in denen einst das Personal wohnte. Das Anwesen ist von einer Mauer umgeben, im Garten gibt es zwei Pavillons.

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