SICKERSHAUSEN

Gans aus Spaß

Ein bisschen verrückt muss man im Leben sein. Da sind die Kumpels Martin Köhler (28) und Christian Kehrer (27) seit jeher einer Meinung. Die zwei Sickershäuser sind ortsbekannt – als aktive Fußballer, als Vorstandsmitglieder in etlichen Vereinen und nicht zuletzt aus diversen Auftritten in der Kirchweihpredigt. Nicht selten hatten die mit Tieren zu tun.
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Einzug: Mit vier Wochen kamen die Gänse auf die Wiese. Foto: Foto: Kehrer
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Ein bisschen verrückt muss man im Leben sein. Da sind die Kumpels Martin Köhler (28) und Christian Kehrer (27) seit jeher einer Meinung. Die zwei Sickershäuser sind ortsbekannt – als aktive Fußballer, als Vorstandsmitglieder in etlichen Vereinen und nicht zuletzt aus diversen Auftritten in der Kirchweihpredigt. Nicht selten hatten die mit Tieren zu tun.

Kurz vorm Weihnachtsfest laufen die beiden den Weg zur Streuobstwiese unterhalb der Sickershäuser Weinberge. Sie werden schon erwartet. Christian und Martin haben dort in den vergangenen Monaten 24 Gänse groß gezogen. Mit lautstarkem Geschnatter setzt sich das Federvieh in Bewegung, kaum dass seine Besitzer zu sehen sind. Auch wenn sie sich gerade im hintersten Eck der über 2000 Quadratmeter großen Wiese befinden, dauert es nicht lange, bis alle ans Gatter gewatschelt sind. „Das freut auch die Besucher immer. Dass die Gänse gleich zu einem laufen“, erzählt Christian.

„Aus Jux und Tollerei“ sind die besten Freunde zu Gänsehaltern geworden – genau so, wie sie vor zwei Jahren schon einmal zu Schweinehirten wurden. Martin war damals „Urlaubsvertretung“ auf dem Hof seiner Eltern. Kühe melken war angesagt und beim Besuch des Stalls mit Kumpel Christian an seiner Seite verführte die beiden eine leere Box zu einer spontanen Schnapsidee. Als Vater Karl Köhler aus seinem Urlaub zurückkam, begrüßten ihn zwei Ferkel als neue Stallbewohner. Sauer war der Landwirt nicht, allemal überrascht, aber schließlich kennt er seinen Sohn schon lange genug – und so wunderte es ihn auch nicht, als der und Christian eines Tages auch noch mit zwei Truthähnen auftauchten. „Auf 25 Kilo hat's der eine am Ende gebracht“, staunt Martin heute noch.

Zeit für neue Ideen

Diesmal war es eine leere Streuobstwiese, die den Freunden ins Auge stach. Sie gehört guten Bekannten der Familie Köhler. Die Knorrs hatten ihre Kuhhaltung aufgegeben, gepflegt wollte die einstige Weide aber weiterhin werden. „Warum das nicht ein paar Gänse übernehmen lassen?“, dachten sich die jungen Männer – und hatten schnell den Segen der Besitzer.

Gesagt, getan. Bereits zum zweiten Mal war die idyllische Wiese direkt am Sickerbach in diesem Jahr mit Gänsen bestückt. Dazu eine ganze Schar von Enten, wobei die mittlerweile schon im Kochtopf von Familie und Nachbarn gelandet sind. Die Gänse mit ihren rund fünf Kilos müssen jetzt zum Weihnachtsfest dran glauben. Reumütig blicken ihre Besitzer deshalb nicht auf ihre Tiere. „Wir sind in der Landwirtschaft groß geworden, da kennt man das nicht anders“, sagt Christian. Nur das Schlachten selbst überlassen sie lieber einem Profi.

Gänsewiese – ganz wie früher

Das ganze Jahr über hatten die zwei Sickershäuser ihre Freude an den Tierchen. Auf dem Geflügelmarkt in Weikersheim am 1. Juni gekauft, bezogen sie mit vier Wochen ihr Domizil – „ein wahres Paradies“, wie Martin schwärmt. „Den jungen Dingern hätte man stundenlang zuschauen können.“ Auch die Spaziergänger, die ober- und unterhalb der Wiese entlang liefen, waren erfreut. Viele blieben am Zaun stehen oder hatten Brot dabei. „Früher haben Gänse zum Dorfleben dazugehört. Heute sind sie fast überall verschwunden“, erzählt Martin. Dass es in Sickershausen jetzt wieder eine Gänsewiese gibt, hat vielen gefallen. Auch wenn das Geschnatter ab und an mal etwas lauter werden konnte.

Warum züchtet ihr denn nicht? Das werden die jungen Männer oft gefragt. Zu viel Arbeit wollen sich die beiden jedoch nicht aufhalsen. Es soll ein Hobby bleiben. Schließlich arbeiten die beiden hauptberuflich nicht in der elterlichen Landwirtschaft, sondern als Maler und Verputzer bzw. CAD-Konstrukteur. Dazu die vielen anderen Hobbys und bei Christian neuerdings auch Töchterchen Mia, die zusätzlich zu den Gänsen ebenfalls ins Bett gebracht werden will. Die Tiere müssen jeden Abend in den Stall getrieben werden. „Zum Schutz vor Mardern und Füchsen“, sagt Christian. „Oder vor Dieben.“ Sie müssen ausgemistet, mit Wasser versorgt und gefüttert werden. Zusätzlich zum Gras der Wiese versorgte sie Martins Vater täglich mit Getreideschrot, meist Weizen. Karl Köhler war es auch, der öfters mal zu Rettungsaktionen starten musste, wenn beispielsweise mal wieder eine Gans durch den Zaun entkommen war. „Der Vater hat sie alle wieder eingefangen“, erzählt Martin und lacht.

Jetzt soll erst einmal Ruhe sein. Vorerst. „Nächstes Jahr ziehen vermutlich neue Gänse ein“, sagt Martin – grinst dann und schaut seinen besten Kumpel an: „Ob mein Vater wohl auch Strauße einfangen würde?“

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