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KLEINLANGHEIM

Frische Milch aus dem Automaten

Ein dreiviertel Jahr lang hat er überlegt. Die Vor- und Nachteile genau abgewägt. Die Entscheidung ist längst gefallen. Bernd Hörner verkauft seine Milch ab sofort selbst. Zumindest Teile davon. Direkt ab Hof. Frisch aus dem Milchautomaten.
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Frische Milch ab Hof: Bernd Hörner setzt auf den Milchautomaten. Da es sich um Rohmilch handelt, rät er allerdings dazu, diese vor dem Verzehr abzukochen. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Bernd Hörner und sein Vater Heinrich schrauben die letzten Holzbalken an die Decke. Das kleine neu gebaute Häuschen an der Hofeinfahrt zum landwirtschaftlichen Anwesen schaut schon ganz gut aus. Innen ist alles fertig. Eine Schiebetüre öffnet sich automatisch und führt hinein in den Raum, der von einem Automaten beherrscht wird. Knapp 600 solcher Milchautomaten gibt es mittlerweile in Deutschland, schätzt Dirk Hensing, der das Angebot seit sechs Jahren im Portfolio hat. Tendenz steigend. Die Gründe liegen für ihn auf der Hand: sinkender Milchpreis bei gleichzeitig steigendem Interesse an regionalen Produkten. „Die Geiz ist geil Mentalität ist Vergangenheit“, meint Hensing.

Protest alleine hilft nicht weiter

Einer seiner Mitarbeiter war auch auf dem Hof etwas außerhalb von Kleinlangheim, um die Familie Hörner zu beraten. „Die Idee habe ich von einer Demonstration mitgebracht“, berichtet Bernd Hörner. Immer wieder war er im letzten Jahr unterwegs, um auf die fallenden Milchpreise aufmerksam zu machen und zu protestieren. Immer wieder hat er gemerkt: Protest alleine bringt ihn nicht weiter.

Kollegen aus anderen Regierungsbezirken haben ihm von der Idee eines Milchautomaten auf dem eigenen Hof erzählt. Hörner hat sich mit seiner Frau Sabine hingesetzt, sie haben recherchiert, sich informiert und kalkuliert. Ergebnis: Das Risiko wird eingegangen. Der Kleinlangheimer Milchautomat ist der erste im Landkreis Kitzingen. Vor einem Jahr lag der Milchpreis für die bayerischen Landwirte noch bei rund 35 Cent pro Liter. Heute sind es etwa 27,5 Cent. „Es ist absehbar, dass sich daran nicht viel ändern wird“, sagt Bernd Hörner. Zu viel Milch wird produziert. Der Kleinlangheimer hat seinen Viehbestand im letzten Sommer schon um fünf Kühe reduziert. „Und wir füttern nicht mehr auf totale Leistung.“ Mit den rund 50 Kühen liegt der Betrieb immer noch knapp über dem bayerischen Durchschnitt. Eine Verdoppelung des Bestandes, eine Ausweitung des Betriebes, wie ihm geraten wurde, kommt für ihn nicht in Frage. „Lieber versuche ich es mit dem Milchautomaten. “ Der wird ab diesem Samstag jeden Tag frisch befüllt. Nach dem Melken kommt die Milch in den gekühlten Tank auf dem Hof. Von dort werden 100 Liter abgezapft und in eine Wanne gefüllt, die im Bauch des Automaten landen. Die Kunden können sich so viel Milch abzapfen, wie sie wollen. Und das geht ganz einfach: Geld einwerfen und so lange wie gewünscht auf den entsprechenden Knopf drücken. „Der Automat gibt dann das Rückgeld aus“, sagt Bernd Hörner. Weil es sich um Rohmilch handelt, sollten die Kunden das frische Produkt allerdings vor dem Trinken abkochen. „Jeder sollte ein eigenes Gefäß mitbringen“, rät Sabine Hörner. Zur Not gibt es auch ein paar Glasflaschen in dem kleinen Häuschen zu erwerben. Zurücknehmen werden die Hörners keine Behälter. „Der Aufwand wäre viel zu groß.“ Der Hof der Hörners liegt fast direkt an der Straße von Kleinlangheim nach Wiesentheid, etliche Spaziergänger laufen daran vorbei. Die Hörners hoffen, dass sich ihr neues Angebot schnell herumspricht. Ein Schild soll zusätzlich auf den Milchautomaten aufmerksam machen.

Fünfstellige Investitionen

Mit Investitionen von knapp über 20 000 Euro rechnet Bernd Hörner für das neue Angebot. Der Liter Milch kostet bei ihm einen Euro. Rund 50 Cent bleiben nach seinen Kalkulationen hängen. Immer noch deutlich mehr, als die Molkereien zahlen.

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