KITZINGEN

Flaschenpost der fiesen Art

Es sind immer dieselben Flaschen. „Kronenhof Goldbrand“ mit goldgelbem Etikett und roter Banderole, 28 Prozent Volumenprozent Alkohol. Wer den Radweg von der Kitzinger Alemannenstraße Richtung Repperndorf entlanggeht, der sieht sie überall herumliegen: im Wasser, am Bachufer, teils auch im Gebüsch. Die Frage ist nur: Wer konsumiert hier so viel Hochprozentiges und schmeißt das Leergut dann in der Gegend herum?
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Flaschenpost der üblen Art - FOTO Diana Fuchs
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Norbert Düll, genannt „Cappo“, ist so gut wie jeden Tag auf dem Radweg unterwegs. Er wohnt am Kitzinger Ortsrand und die Strecke Richtung Repperndorf ist sozusagen der Trainingsweg des 52-Jährigen. Düll ist querschnittsgelähmt und bewegt sich seit Jahrzehnten im Rollstuhl. Früher hat er Leistungssport betrieben, jetzt fordert er seine Armmuskeln am bergigen Radweg heraus. Beim täglichen Training wurmt ihn etwas gewaltig: das Flaschenmeer am Bachlauf.

„Der Radweg ist ja im Prinzip der Kommunikationsweg aller Anwohner. “
Gudrun Kittel

„Vor ein paar Wochen hat der Bauhof erst 150 Flaschen entsorgt“, berichtet Düll. „Aber inzwischen liegt schon wieder jede Menge Nachschub herum. “ Tatsächlich: Wer aufmerksam am Bach entlangspaziert, dem fallen Dutzende von Flaschen auf, über 90 Prozent davon weist das Etikett als „Kronenhof Goldbrand“ aus. „Nur Alkoholiker können so viel von dem Zeug trinken“, meint Gudrun Kittel, als sie mit ihrem Hund „Lucky“ vorbeikommt. „Aber ob einer allein das überhaupt schafft?“

Gudrun Kittel berichtet, dass sie und eine andere Anwohnerin schon tütenweise Flaschen aufgesammelt, weggetragen und entsorgt haben. „Aber kurz danach liegen schon wieder welche da.“

Dabei passen alle Hundehalter längst besonders gut auf, betont die Kitzingerin. Nicht nur, damit ihre Vierbeiner nicht in Scherben treten, sondern auch, um die Schnapsdrossel endlich zu identifizieren. „Allerdings geht der letzte Hundebesitzer etwa um 20 Uhr Gassi, der erste erst wieder am nächsten Morgen. Was dazwischen passiert, das ist die Frage.“

Gudrun Kittel ist sich ziemlich sicher, dass der oder die Trinker abends oder nachts unterwegs sind. „Der Radweg ist ja im Prinzip der Kommunikationsweg aller Anwohner. Man kennt sich, die Hunde kennen sich.“ Wilde Flaschenentsorger würden auffallen. „Cappo“ Düll erzählt, dass eine Frau mit kleinen Kindern ihm einmal von einem Mann berichtet hat, den sie dabei beobachtete, wie er eine Flasche Richtung Bach warf. „Sie hat Angst bekommen und ist mit den Kindern schnell weitergelaufen.“

„Vielleicht findet man den Typen ja über Rewe heraus“, schlägt Düll vor. „Rewe ist meines Wissens nach das einzige Geschäft, das diese Spirituose führt.“

Eins ist für den gelernten Bauzeichner sicher: Trinkt der Unbekannte weiter derartige Mengen Hochprozentiges, dann wird er ein ernsthaftes Gesundheitsproblem bekommen. „Dann wird er bald keine Flaschen mehr schmeißen können.“ Selbst für mehrere Personen wäre die Menge gefährlich.

Georg Günther, der Leiter des Kitzinger Bauhofs, sieht das ähnlich. „Alle paar Wochen müssen wir das Gelände säubern. Da liegen so viele Flaschen rum – einer allein kann die gar nicht leer trinken.“

Zeugen gesucht: Bauhofleiter Georg Günther würde sich sehr freuen, wenn er dem Verursacher des wilden Glasmülls auf die Spur käme. Hinweise bitte an den Bauhof, Tel. (0 93 21) 9 26 80.

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