KITZINGEN

Er setzt ganz auf Qualität

Personenkult ist nicht sein Ding. Richard Arndt-Landbeck arbeitet lieber im Hintergrund. Dort trifft er immer wieder Künstler mit Kultstatus. Zumindest in der Kabarettszene. Zum 18. Mal starten an diesem Samstag die Kitzinger Comedy- und Kabarettwochen (KICK). Die damalige Vhs-Leiterin Andrea Moser-Czech hatte das Format 1998 ins Leben gerufen. Arndt-Landbeck war damals Mitarbeiter in der Vhs. Er hat die Veranstaltungsreihe über die Jahre verfolgt und entscheidend geprägt. Seit 2006 ist er für die Auswahl der Künstler und für den reibungslosen Ablauf in der Alten Synagoge verantwortlich.
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Richard Arndt-Landbeck plant unter anderem die Veranstaltungsreihe Kitzinger Comedy- und Kabarettwochen. Er kann eine Menge über die Begegnungen mit den Kabarettisten berichten. Foto: Foto: Ralf Dieter

Ein Jahr Vorlauf plant Arndt-Landbeck in der Regel ein. Manchmal auch mehr. „Mein Wunschprogramm für 2018 habe ich jetzt schon auf dem Papier“, sagt der Vhs-Leiter. Manchmal ist er vier bis fünf Jahre an einem Künstler dran, bis es endlich mit einem Auftritt in Kitzingen klappt. Manchmal ist es selbst dann vertane Liebesmühe. Gründe gibt es einige: Mit 300 Plätzen ist die Alte Synagoge für manche Kabarettisten zu klein, für viele Nachwuchskräfte ist sie zu groß. „Zehn Minuten Spaß im Fernsehen schaffen viele“, sagt der 59-Jährige. „Ein Zwei-Stunden-Programm ist schon was anderes.“

Und dann gibt es noch die Unwägbarkeiten mit dem Fernsehen. In beinahe jedem Vertrag, den der Vhs-Leiter rund ein Jahr vor dem Auftritt mit einer Agentur abschließt, ist die Klausel eingebaut, dass der Künstler bei einem gleichzeitigen TV-Engagement kurzfristig absagen kann. Da sind Nerven und Alternativen gefragt.

Nach mehr als 20 Jahren im Geschäft hat Arndt-Landbeck ein großes Netzwerk aufgebaut. Er erhält wertvolle Tipps von anderen Kulturschaffenden im süddeutschen Raum. Und natürlich gibt er seine Erfahrungen weiter. Deren Quintessenz: Kabarettisten sind auch Menschen. Es gibt solche und solche.

Arndt-Landbeck berichtet von Matthias Richling – „dem eitelsten Kabarettisten, den ich je kennengelernt habe“. Er erzählt von Günter Grünwald – „ein exzellenter Musiker, der auch privat so locker ist wie im Fernsehen.“ Er erinnert sich an Richard Rogler, der ungemein redselig ist und alles über Kitzingen wissen wollte, während sich Florian Schröder mehr mit seinem Tablet als mit den Menschen um ihn herum beschäftigte. Für Arndt-Landbeck schwer nachvollziehbar. Über all die Jahre hat er eines gelernt: „Wenn sich Künstler nicht mehr für Menschen interessieren und das Publikum nicht anschauen, dann stimmt etwas nicht. “ Ein Kabarettist ist für ihn ein Unterhalter im besten Sinn. „Und der lebt von der Interaktion mit dem Publikum.“

Bernd Regenauer ist für ihn ein Paradebeispiel im positiven Sinn, der trotz Erfolg ein freundlicher Mensch ohne jedes Künstlergehabe geblieben ist. „Anders als Django Asül.“

Menschen wie Arndt-Landbeck lernen die Stimmungen der Künstler abseits der Bühne und des Scheinwerferlichtes kennen. Überraschungen vor Ort will er vermeiden, die Nähe zum Künstler ist ihm schon vorab wichtig. „Ich versuche, jeden Künstler mindestens einmal live gesehen zu haben, bevor er hier auftritt“, erzählt der Vhs-Leiter. Klappt das nicht, greift er zum Telefonhörer. „Der persönliche Kontakt ist enorm wichtig“, weiß er aus langer Erfahrung. Zumal die Alte Synagoge anders funktioniert als die meisten anderen Kabarettbühnen. „Das hier ist ein Kirchengebäude“, erinnert Arndt-Landbeck. Künstler, die auf obszöne Wortspiele setzen, sind für ihn dort deshalb genauso tabu wie Künstler, die sich auf Faschingscomedy spezialisiert haben. „Waltraud und Mariechen“ scheiden deshalb genauso aus wie Michl Müller.

Die Künstler, die kommen, müssen sich auf eine große und helle Bühne mit einem überdimensionalen Rosettenfenster im Hintergrund einstellen. „Das ist eigentlich eine typische Orchesterbühne“, erklärt er. Nicht nur deshalb hat er in den letzten Jahren vermehrt auf Musikkabarett gesetzt. „Lalelu“ oder Nessi Tausendschön sind für ihn herausragende Vertreter dieser Zunft.

„Die Kabarettszene hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, hat Arndt-Landbeck beobachtet. Politisches Kabarett gibt es eher selten. Den größten Bereich decken Künstler wie Lizzy Aumeier, Bernd Hoëcker oder Michael Altinger ab, die Kabarett und Comedy mischen. Eine Riesenzukunft prophezeit Arndt-Landbeck neben dem Musikkabarett auch aufstrebenden Formaten wie „Literatur und Comedy“ sowie „Migrantencomedy“, wie sie von Bülent Ceylan oder Abdelkarim Kaba repräsentiert wird. „Früher oder später werden wir so etwas auch hier in Kitzingen anbieten.“

Wie lange die Veranstaltungsreihe „KICK“ noch laufen wird? Arndt-Landbeck will sich nicht festlegen. „Die 20 machen wir sicher noch voll“, sagt er. Ob es eine 21. Auflage geben wird, ist für ihn zum jetzigen Zeitpunkt fraglich. „Man kann so ein Format auch totspielen“, warnt er. Kultur müsse nicht nur unterhalten und bilden, sondern sich dann und wann auch mit Ungewohntem auseinandersetzen. Eines müsse sie aber immer: Gute Qualität liefern. Und daran ist Arndt-Landbeck seit seiner Anfangszeit am meisten gelegen.

Vier Termine gibt es auch in diesem Frühjahr: Samstag, 30. Januar, Hubert Burghardt, Samstag, 6. Februar: Suchtpotenzial mit 100 Prozent Alko-Pop, Samstag, 20. Februar: Nessi Tausendschön, Samstag, 19. März, Bernd Regenauer. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Eintrittspreis: 16, ermäßigt: 11 Euro.

Vorverkauf: Im Buchladen am Markt (Tel.: 09321-8994), in der Schöningh Buchhandlung (Tel.: 09321-26729-0), in der Vhs im Luitpoldbau (Tel.: 09321-929945-45) sowie an der Abendkasse ab 19 Uhr. Online unter ticket.shop-kitzingen.de

KICK 2016

Vier Termine gibt es auch in diesem Frühjahr: Samstag, 30. Januar, Hubert Burghardt, Samstag, 6. Februar: Suchtpotenzial mit 100 Prozent Alko-Pop, Samstag, 20. Februar: Nessi Tausendschön, Samstag, 19. März, Bernd Regenauer. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Eintrittspreis: 16, ermäßigt: 11 Euro.

Vorverkauf: Im Buchladen am Markt (Tel.: 09321-8994), in der Schöningh Buchhandlung (Tel.: 09321-26729-0), in der Vhs im Luitpoldbau (Tel.: 09321-929945-45) sowie an der Abendkasse ab 19 Uhr. Online unter ticket.shop-kitzingen.de

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