GNÖTZHEIM/KREIS KITZINGEN

Einfach mal genießen

Mit der rechten Hand streicht sie ihrem Mann über den Rücken. Mit links schnappt sich Eva Gebhardt einen Hausfreund. Sie schließt die Augen, führt den knackigen Keks an die Lippen: „Hmmm, is' der guad!“ Obwohl sie schon Jahrzehnte in Gnötzheim lebt und mit ihrem Mann Wilhelm den Thomasbauernhof bewirtschaftet, schwingt in ihrer Stimme noch immer ein niederbayerischer Akzent mit. Für fränkische Ohren klingt das irgendwie nach Urlaub. Und in der Tat: Ein Besuch bei den Gebhardts ist eine willkommene Auszeit. Nicht nur wegen der Idylle auf dem gepflegten, historischen Hof, sondern auch wegen der Gaumenfreuden, die Eva und Wilhelm nach Bioland-Richtlinien erzeugen.
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Alles Essig, oder was? Nicht ganz. Neben rund 20 hausgemachten Essigsorten kann man bei Eva Gebhardt auch kalt gepresste Öle probieren.
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Mit der rechten Hand streicht sie ihrem Mann über den Rücken. Mit links schnappt sich Eva Gebhardt einen Hausfreund. Sie schließt die Augen, führt den knackigen Keks an die Lippen: „Hmmm, is' der guad!“ Obwohl sie schon Jahrzehnte in Gnötzheim lebt und mit ihrem Mann Wilhelm den Thomasbauernhof bewirtschaftet, schwingt in ihrer Stimme noch immer ein niederbayerischer Akzent mit. Für fränkische Ohren klingt das irgendwie nach Urlaub. Und in der Tat: Ein Besuch bei den Gebhardts ist eine willkommene Auszeit. Nicht nur wegen der Idylle auf dem gepflegten, historischen Hof, sondern auch wegen der Gaumenfreuden, die Eva und Wilhelm nach Bioland-Richtlinien erzeugen.

Die Gebhardts sitzen in ihrem lichtdurchfluteten Esszimmer und trinken Tee aus selbstgezogener Mojito-Minze. Nach Arbeit sieht das gar nicht aus. Und doch: Die beiden haben sich's zwar gemütlich gemacht, aber mit einem klaren Ziel vor Augen: Sie wollen die beste Smoothie-Mischung finden – und dafür brauchen sie Zeit und Muße zum Testen. Auch alle Mitarbeiter und Kaffeegäste werden zum Probieren aufgefordert. Smoothies sind vitaminreiche Drinks aus Obst, Gemüse, Wasser oder Milch und – bei Gebhardts – einem Hauch hausgemachtem Essig. Die Eigenkreationen sollen die Besucher der Feinschmeckermesse in Iphofen auf den Geschmack bringen; auf den Geschmack besonders hochwertiger und gesunder Produkte.

Essig als Lebenselixier

Die Spezialität des Thomasbauernhofs sind kalt gepresste Speiseöle mit vielen Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren sowie hausgemachte Essige. Essige? Der Laie staunt. Wie kommt man dazu, über 20 Essigsorten zu kreieren? Die gebürtige Straubingerin Eva lacht und zuckt mit den Schultern: „Da ist eins zum anderen gekommen.“

Zuallererst hat die studierte Landespflegerin den Wilhelm aus Gnötzheim kennen und lieben gelernt – und mit ihm seinen traditionsreichen Hof. Diesen stellten Eva und Wilhelm in den 80er Jahren auf ökologische Bewirtschaftung um. „Öko-Landbau ist für uns die Möglichkeit, unser Land zu bewirtschaften und dennoch die endlichen Ressourcen zu schonen.“ Auf 64 Hektar Ackerland wachsen Zwiebeln und Kartoffeln, Weizen, Zuckerrüben und Ölfrüchte wie Sonnenblumen und Leinsaat.

Natürlich gibt es auch jede Menge Obstbäume, -sträucher und Kräuter. In Evas Kopf setzte sich der Gedanke fest, daraus etwas Besonderes zu machen. Eva und Wilhelm sind Naturfreunde und gleichzeitig Genießer. Sie wussten: Der richtige Essig ist wichtig für den Stoffwechsel, hilft Fett zu verdauen und kann deshalb ein Lebenselixier sein. Und ein solches wollten sie herstellen.

„1996 war es so weit: Wir haben unseren ersten hausgemachten Apfelessig verkauft“, erinnert sich Eva. Das schmackhafte Produkt spornte an, die Nachfrage stieg. Heute gehört das Essigmachen auf dem Thomasbauernhof unbedingt dazu. Das Ansetzen der Sorten – von Hagebutten- über Quitten-Holunderblütenessig bis zu Zitronen-Apfel-Balsamessig – bereitet Eva und Wilhelm sehr viel Freude. In ihrer umgebauten Scheune haben sie genügend Platz dafür.

In Holzfässern gelagert

Den Wein, den sie für ihre Essige brauchen, ernten sie aus einem Wengert an der Obernbreiter Kanzel. „Denn nur aus gutem Wein wird auch guter Essig.“ Eine geringe Menge Rebensaft füllt Wilhelm jeweils in 500-Liter-Behälter mit großer Oberfläche und gibt Essigsäurebakterien hinzu. Diese reagieren im warmen Essigkeller mit Hilfe von Sauerstoff und bauen Alkohol zu Essigsäure um. Je nachdem, welche frischen Kräuter, Blüten oder Früchte Eva zugibt, entstehen im Lauf von bis zu zwölf Monaten Essige mit unterschiedlichen Geschmacksnoten. Der durchgegorene Essig wird grob gefiltert, so dass Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine erhalten bleiben, und in Holzfässern oder Glasballons kühl gelagert.

Er ruht und reift erneut bis zu einem Jahr, bis sein intensives Aroma und die milde Säure die Gebhardts überzeugen. Eva verwendet ihre Essige längst nicht nur für Salate, sondern auch für Vor- und Nachspeisen. Schlehen- und Cranberryessig geben zum Beispiel Früchte-Tiramisu und Schokoccinocreme ein ganz besonderes Aroma.

Wilhelm und Eva Gebhardt freuen sich, wenn sie den Menschen zeigen können, welche geschmackliche Vielfalt es jenseits von Industrieprodukten gibt. Deshalb nehmen die beiden immer gern an der Iphöfer Feinschmeckermesse teil. „Die Leute dürfen nicht nur bei uns fleißig probieren.“ Die Gebhardts sind überzeugt, dass auch die anderen Anbieter „hinter ihren Produkten stehen“.

Ein Rundgang entlang der Messestände ist deshalb auch für Eva stets ein richtig schönes Erlebnis. „Zur Slow-Food-Bewegung, die heuer besonders im Fokus steht, haben wir schon lange Kontakt“, erzählt sie, steckt sich genießerisch noch einen kleinen Hausfreund in den Mund und prostet ihrem Mann mit ihrem Smoothie-Favoriten zu. „Echt guad!“

ONLINE-TIPP

Weitere Fotos von den Gebhardts und ihrem Hof unter www.infranken.de

Messe für Feinschmecker

Fränkische Feinschmeckermesse: Am Samstag und Sonntag, 8. und 9. März, präsentieren die besten Feinkostlieferanten der Region von 10 bis 18 Uhr in der Karl-Knauf-Halle ihre hochwertigen, frischen Lebensmittel unter dem Motto „Das Land – Der Wein – Die Küche“. Auch die Vinothek und die Wirte Iphofens sind einbezogen.

Eintritt in die Karl-Knauf-Halle:

6 Euro inkl. 2 Euro Verzehrbon, einzulösen bei allen Ausstellern.

Slow Food: Die bundesweite Bewegung engagiert sich für den Schutz traditioneller und nachhaltiger Qualitätslebensmittel, für den Erhalt von Anbau- und Verarbeitungsmethoden und für die biologische Vielfalt von Kultur- und Wildpflanzen. Bei der Feinschmeckermesse werden zum Beispiel zwei fränkische Traditionsweinsorten verglichen: Tauberschwarz und Frühburgunder.

Für Kinder: Am Sonntag, 9. März, heißt es von 12.30 bis 13.30 Uhr: „Wir kochen Kartoffelpuffer mit Apfelmus und Kräuterquark"; Anmeldung ist nicht erforderlich.

Info: Tourist-Info, Tel. (0 93 23) 87 03 06, tourist@iphofen.de ldk

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