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IPHOFEN

Eine lebendige Profession

Wer hätte das gedacht: Wir leben in einer der denkmalreichsten Regionen in ganz Bayern. Ungeteilte Freude kommt deshalb aber nicht auf.
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Archäologie heute
(lrd) Der Blick ins Erdreich: Für Dr. Michael Hoppe gehört er zum beinahe täglichen Berufsleben. Derzeit begleitet das Landesamt für Denkmalpflege unter anderem die Bauarbeiten zwischen Alter Mainbrücke und Fußgängerzone in Kitzingen. Am Wochenende findet eine große Tagung in Iphofen statt. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Alle zwei Jahre organisiert das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eine dreitägige Tagung. Am kommenden Wochenende treffen sich die Fachleute in Iphofen. Zu der Veranstaltung unter dem Titel „Archäologie in Ober- und Unterfranken“ sind auch interessierte Hobby-Archäologen eingeladen.

Dr. Michael Hoppe beschäftigt sich seit mehr als 30 Berufsjahren mit der Bodendenkmalpflege. Er war in Mittel- und Oberfranken tätig, in der Oberpfalz, hat die Ausgrabungsarbeiten während des Ausbaus des Main-Donau-Kanals begleitet. Heute ist er Referatsleiter für Ober- und Unterfranken am Landesamt und betreut vor allem Unterfranken, der Landkreis Kitzingen ist ihm gut bekannt – genauso wie der Grund für die vielfältigen Funde.

„Der Main war immer ein wichtiger Verkehrsweg“, erklärt er. „Auf den fruchtbaren Lößböden in seinem Umfeld sind bereits vor 8000 Jahren die ersten Siedlungen entstanden.“

Zeugen der Vergangenheit

Faustkeile, Tierknochen, Keramikscherben: Im Untergrund schlummern auch heute noch jede Menge Fundstücke und Zeugen der Vergangenheit. „Wir kennen gerade mal 20 bis 30 Prozent der Bodendenkmäler“, sagt Dr. Hoppe. Erstaunlich, denn professionelle Ausgrabungen finden seit gut 100 Jahren statt. „Daneben werden seit 30 Jahren viele Denkmäler aus dem Flugzeug erfasst“, erklärt der Referatsleiter. Von oben lassen sich die alten Überreste von Siedlungen im Erdreich gut erahnen. Wächst das Getreide auf dem Feld an einer Stelle 10 bis 20 Zentimeter weniger hoch, könnte ein Jahrhunderte alter Mauerrest im Boden dafür verantwortlich sein. Ist das Getreide auf einer Fläche grüner als nebendran, könnte ein Befestigungsgraben darunter liegen. „Der speichert mehr Wasser als Löß“, erklärt Dr. Hoppe.

Dokumentation und Analyse

Befliegungen gibt es nach wie vor, die Hauptarbeit findet jedoch am Boden statt. Bei jeder Bauplanung wird das Landesamt als Träger Öffentlicher Belange im Vorfeld beteiligt. „Wir prüfen dann, ob und in welchem Umfang Bodendenkmäler betroffen sind“, erklärt Dr. Hoppe. In Kitzingen gibt es derzeit zwei Baustellen, die für das Landesamt von Interesse sind. Am Übergang von Alter Mainbrücke in Richtung Innenstadt ist das Amt genauso eingeschaltet wie beim erfolgten Abriss des Hauses an der Ecke Ritterstraße/Schrannenstraße. Vor der eigentlichen Baumaßnahme werden archäologische Untersuchungen durchgeführt und dabei Befunde dokumentiert und analysiert.

Dr. Hoppe weiß um den Ruf, den archäologische Funde bei vielen Grundstückseigentümern besitzen. Sie verzögern nur die Arbeiten und machen sie unter Umständen auch noch teurer. „Die meisten Menschen kooperieren jedoch und zeigen Verständnis“, versichert er. Bei den Ausnahmen muss er halt doch auf die Gesetzeslage verweisen. „Der Denkmalschutz ist dort verankert. Privatleute und Kommunen müssen zu seinem Schutz beitragen.“

Oberstes Ziel des Denkmalschutzes ist der Erhalt der Bodendenkmäler. Und dafür sind oft Kompromisse nötig. „Wir suchen immer den Kontakt zum Bauherrn“, versichert der Referatsleiter. Kann auf eine Unterkellerung verzichtet werden? Können Parkplätze so angelegt werden, dass die Arbeiten nicht zu tief in den Untergrund gehen? Fragen, die über das weitere Prozedere entscheiden können.

Seit es eine öffentlich einsehbare Denkmalliste im Internet gibt, ist die Aufklärung fortgeschritten, die Streitfälle haben sich deutlich reduziert. „Die meisten Bauwilligen und Planer werfen schon im Vorfeld einen Blick hinein und informieren sich“, erklärt Dr. Hoppe. Ärger gibt es nur noch selten, zumal Ausgrabungen in der Regel die letzte Möglichkeit sind, die vom Amt ins Auge gefasst werden. Im Moment sind in Unter- und Oberfranken rund 20 solcher Ausgrabungen im Gange. Die römischen Grabungen am Untermain, die jungsteinzeitliche Siedlung in Buchbrunn, das Römerlager in Marktbreit oder die Goldfunde am Bullenheimer Berg: Höhepunkte im Berufsleben von Dr. Hoppe. Und besonders spektakuläre Fälle. Außergewöhnliche Funde sind auch heute und für die Zukunft nicht ausgeschlossen. „Hier hat sich in der Vergangenheit so viel ereignet“, sagt Dr. Hoppe. „Da lohnt es sich immer, die Augen offen zu halten.“

Tagungsprogramm und Liste

Tagung: Vom 24. bis 26. April in der Karl-Knauf-Halle. Programmauszug: Freitag: 24. April, 19 Uhr: Archäologie im Gipsatagebau. Samstag, 9.30 Uhr: Die vor- und frühgeschichtliche Befestigungsanlage au der Vogelsburg; 14 Uhr: Archäologische Ergebnisse bei der Fernwasserleitungsverlegung im Bereich Hüttenheim; 16 Uhr: Vom Langhaus zum Einfamilienhaus – Die linearbandkeramische Siedlung von Buchbrunn.

Sonntag, ab 14 Uhr: Exkursionen unter anderem zum Schwanberg, zur Viereckschanze bei Willanzheim und zu den Grabhügeln im Kitzinger Klosterforst.

Anmeldung: Beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Tel. 0951/4095-40 oder E-Mail: Manuela.Teubner@blfd.bayern.de oder Helen.Tramontana-Stephan@blfd.bayern.de

Denkmalliste: Die Denkmalliste mit allen bekannten Boden- und Baudenkmälern in Bayern ist im Internet unter www.denkmal.bayern.de einsehbar.

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