MARKTBREIT

Eine echte Marke

Einen Briefmarkensammler stellt man sich gemeinhin ganz anders vor: älter, gesetzter, irgendwie konservativer. Stefan Mloschin ist relativ jung, ein sehr lebendiger Gesprächspartner und aufgeschlossen. Der Unterickelsheimer sammelt tatsächlich leidenschaftlich gerne Briefmarken. Seit seinem 12. Lebensjahr.
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Ein Stück Heimatgeschichte und mehr als 100 Jahre alt: Postkarten von Herrnberchtheim. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Einen Briefmarkensammler stellt man sich gemeinhin ganz anders vor: älter, gesetzter, irgendwie konservativer. Stefan Mloschin ist relativ jung, ein sehr lebendiger Gesprächspartner und aufgeschlossen. Der Unterickelsheimer sammelt tatsächlich leidenschaftlich gerne Briefmarken. Seit seinem 12. Lebensjahr.

Damals gab es eine Jugendgruppe in Marktbreit. Und es gab noch genug „Material“ im Briefkasten. „In den 80er-Jahren haben viele gesammelt“, erinnert sich der 44-Jährige. Die meisten haben irgendwann wieder aufgehört. Stefan Mloschin nicht.

Bei einem Blick auf seine Alben und in sein Gesicht wird schnell klar, warum das so ist. Mloschin hat hunderte Briefmarken und vor allem die alten Postkarten und Briefe dazu. Wenn er von diesen Schätzen spricht, leuchten seine Augen und die Geschichten über seine Schätze sprudeln förmlich aus ihm heraus. Mloschin taucht dann selbst in die heimische Postgeschichte ein. Und die kennt er, wie kaum ein anderer.

Das Besondere sind die Briefe

1849 ist mit dem „Schwarzen Einser“ die erste Briefmarke in Bayern auf den Markt gekommen. Was die wenigsten wissen: Der „Schwarze Einser“ wurde nur für Briefe verwendet, deren Absender und Adressaten im gleichen Ort lebten. Ein Standardbrief von einem Ort zum nächsten war mit der roten „Drei Kreuzer Marke“ frankiert. Mloschin besitzt einige dieser Marken. Das Besondere für ihn sind aber weniger die Marken, als vielmehr die Briefe oder Postkarten mitsamt Inhalt. „Das ganze Geschehen rund um die Beförderung ist richtig spannend“, versichert der 44-Jährige. So gewinnen manche Marken erst durch den Stempel an Wert. Je nach Beförderungsart und Größe des Postamtes kann der Wert der Marke um ein Hundertfaches steigen.

1864 wurde in Herrnberchtheim die erste Post eröffnet. Von 1866 datiert ein Faltbrief in seinem Besitz, der vom Postamt 815 (Herrnberchtheim) abgestempelt wurde. Absender ist ein Weinhändler in Kitzingen, der die damaligen Besitzer von Schloss Ippesheim informiert, dass ihre Bestellung eingetroffen ist. „Die eigentliche Briefmarkensammlung ist nur die eine Seite der Medaille“, erklärt Mloschin seine Faszination. „Es geht uns auch immer um die Heimatgeschichte.“

Uns, das sind in diesem Fall die Mitglieder der Briefmarken-Sammlergemeinschaft Marktbreit. 29 sind es derzeit. „Die Zahl ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben“, freut sich Mloschin, der seit 1999 Vorsitzender der Clubs ist. Der Altersdurchschnitt liegt weit über 50. Der Vorsitzende ist das zweitjüngste Mitglied.

Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat treffen sich die Mitglieder in der Gaststätte „Zur Traube“ in Marktbreit, tauschen sich über Neuigkeiten und neue Errungenschaften aus. Über ebay kommen die Briefmarkenfreunde am häufigsten an neue Exponate. Manchmal finden sich auch in einem Nachlass spannende Stücke, mitunter ist auch der Besuch einer Börse lohnenswert.

Einmal im Jahr organisiert die Marktbreiter Sammlergemeinschaft im Lagerhaus eine solche Börse. Am Sonntag, 10. April, ist es wieder so weit. Händler und Sammler aus dem gesamten fränkischen Raum werden zwischen 9 und 14 Uhr erwartet. Sie bekommen einiges geboten: Fünf Großhändler haben sich angekündigt, von den 40 Tischen sind schon mehr als 30 reserviert.

Sehenswerte Objekte

Auch für Laien ist ein Besuch lohnenswert, versichert Mloschin – zumal in diesem Jahr Sammler aus Österreich, der Schweiz und Deutschland eine Sonderschau zum Thema „Lateinamerika“ präsentieren. „Das sind sehenswerte Objekte und Beschreibungen, die schon auf Wettbewerben ausgestellt wurden“, freut sich Mloschin.

Wie bei den Fußballern oder Turnern gibt es auch bei den Briefmarkensammlern Wettbewerbe. Stefan Mloschin hat ganz klein angefangen, ist mittlerweile aber bis in die „Bundesliga“ aufgestiegen. Sein Themenbereich: Die Gebrüder Grimm. In diesem Jahr wird er seine Exponate, die auf 72 DIN-A-4-Seiten ausgestellt sind, das erste Mal international präsentieren. In Ungarn hofft er auf eine gute Platzierung. „Sie sehen“, sagt Stefan Mloschin mit einem Grinsen im Gesicht, „das Briefmarkensammeln ist gar nicht so eintönig, wie viele denken. “ Wer sich davon selbst überzeugen will, der ist am Sonntag in der Marktbreiter Lagerhalle genau richtig.

Kontakt: Stefan Mloschin ist über Tel. 09339/989396 sowie Email stefan.mloschin@t-online.de zu erreichen.

Termin: Die Marktbreiter Tauschbörse findet am Sonntag, 10. April, von 9 bis 14 Uhr in der Marktbreiter Lagerhalle statt.

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