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LANDKREIS KITZINGEN

Die (kleinen) Sünden der Politiker

Erst Guttenberg, dann Annette Schavan und nun Petra Hinz – immer öfter kommt ans Licht, wie manche Politiker bei Doktorarbeiten schummeln oder eben ihren Lebenslauf schönen. Wie kommt das bei unseren lokalen Abgeordneten an? Und wobei haben sie selbst schon mal geflunkert? Wir haben uns umgehört.
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Melanie Huml schummelt nur beim Spielen mit ihren Kindern – um ihnen das Gewinnen zu erleichtern. Foto: Foto: Vogel
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Erst Guttenberg, dann Annette Schavan und nun Petra Hinz – immer öfter kommt ans Licht, wie manche Politiker bei Doktorarbeiten schummeln oder eben ihren Lebenslauf schönen. Wie kommt das bei unseren lokalen Abgeordneten an? Und wobei haben sie selbst schon mal geflunkert? Wir haben uns umgehört.

„Man sollte aus dem Fehlverhalten einzelner Politiker nicht auf alle schließen“, wünscht sich Dr. Otto Hünnerkopf, Landtagsabgeordneter der CSU im Kreis Kitzingen. Er bekommt von seiner Parteikollegin Monika Hohlmeier Rückendeckung: „Unter Politikern gibt es, wie in anderen Berufsgruppen auch, Menschen, die Fehler machen oder sogar vorsätzlich betrügen.“ Dies sei jedoch kein Grund, jeweils alle unter Generalverdacht zu stellen.

Die Mehrheit der Politiker sei aufrichtig, versichert Staatsministerin Melanie Huml (CSU) und fordert, immer den Einzelfall zu betrachten. Als zutiefst menschlich bezeichnet CSU Staatssekretärin Dorothee Bär die Schwäche, sich besser darzustellen, als man ist. „Das können wir immer wieder in allen Berufen und Lebenssituationen erleben, nicht nur in der Politik.“

Dass Politiker unter einer besonderen Beobachtung stehen, ist allen Befragten klar. „Jede Negativ-Schlagzeile über Politiker führt bei den Bürgerinnen und Bürgern zu einem Bauchgrummeln“, ist sich Landtagsabgeordneter Günther Felbinger (Freie Wähler) bewusst.

Der Rücktritt von Petra Hinz sei die einzige richtige Konsequenz gewesen, meint Dr. Hünnerkopf. „Wenn jemand vorsätzlich seine Vita manipuliert, um eventuell mehr Wählerstimmen zu bekommen, dann täuscht er den Wähler.“ Das Vertrauen in Frau Hinz sei schwer und nachhaltig erschüttert worden, bestätigt Melanie Huml. Daher sei in ihrem Fall ein Rücktritt die logische Konsequenz. „Petra Hinz hat die Konsequenzen gezogen und ihr Bundestagsmandat zurückgegeben. Das respektiere ich“, kommentiert Monika Hohlmeier.

Und warum kommt es immer wieder mal vor, dass Politiker Dinge schönen, manipulieren oder sogar fälschen? „Dies ist nicht nur bei Politikern so, sondern auch bei Berufsgruppen anzutreffen, deren Erfolg von der öffentlichen Meinung abhängt“, betont Monika Hohlmeier. Gerade als Tochter von Franz Josef Strauß und langjährige Politikerin habe sie bitter lernen müssen, die Standfestigkeit zu haben, das eigene Leben zu leben, ohne sich ständig vom öffentlichen Bild abhängig zu machen. „Man muss sich trauen, der oder die zu sein, die man ist und nicht die, die andere künstlich formen wollen, oder das, was scheinbar erwartet wird.“

Eine andere Vermutung stellt Dr. Hünnerkopf an: Von einem Politiker erwarte man möglicherweise, dass er beste Voraussetzungen für das komplexe Aufgabenfeld mitbringt. Von einer optimalen Bildung und Ausbildung über vielfältige Erfahrungen bis hin zu einem hohen Engagement mit sozialer Kompetenz. „Um Menschen beeindrucken zu können und damit gewählt zu werden, werden eventuell vermeintliche persönliche Defizite vertuscht“, sagt er. Wer zu seinen persönlichen Stärken und Schwächen stehen kann, habe das sicher nicht nötig.

Immerhin: Zu ihren kleinen persönlichen Schwächen stehen die Politiker in unserer Umfrage. Wobei Sie schon einmal geschummelt haben, wollten wir wissen. „Ich gestehe: Ich runde bei den gefahrenen Kilometern immer auf die ganze Zahl auf. Bei 53,5 Kilometer schreibe ich 54 Kilometer auf“, sagt Dr. Hünnerkopf. Ein Fall für den Rechnungshof wird er damit sicher nicht.

Genau so wenig wie Melanie Huml. Die Staatssekretärin der CSU schummelt nach eigenen Angaben nur beim Spielen mit ihren Kindern – um ihnen das Gewinnen zu erleichtern. Dorothee Bär wird mit einer kleinen privaten Schummelei jetzt nicht mehr durchkommen. „Mein Mann glaubt bis heute, dass ich weniger als 50 Kilogramm wiege“, sagt sie, während Günther Felbinger eine philosophische Antwort bereit hält: „Ich halte es mit Vauvenargues (französischer Philosoph, Moralist und Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, Anm. d. Red.): „Alle Menschen werden aufrichtig geboren und sterben als Lügner.“

Monika Hohlmeier sieht das deutlich differenziert: „Es ist ein Unterschied, ob man eine Notlüge verwendet, vorsätzlich betrügt oder gar anderen schadet. Wenn wir alle perfekt wären, dann gäbe es auch keine Sünde. Niemand ist perfekt, auch ich nicht, und dazu stehe ich. Das macht uns menschlich.“

Vier Fragen an Politiker

1. Sehen Sie die Glaubwürdigkeit von Politikern durch Petra Hinz (und ähnlich gelagerte Fälle) beschädigt?

2. Ist der Rücktritt die zwangsläufige Folge, wenn der Lebenslauf mutwillig gefälscht wurde?

3. Warum kommt es immer wieder einmal vor, dass Politiker Dinge schönen, manipulieren, vielleicht sogar fälschen?

4. Mal ehrlich: Wobei haben auch Sie schon einmal geschummelt?

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