KITZINGEN

Die Wahlen können beginnen

So richtig wild schauen sie gar nicht aus, die Abtswinder. Eher wie ganz normale Franken. Winzer, Landwirte, Angestellte. Der normale Durchschnitt halt. Und dennoch treiben es die Abtswinder am Sonntag wild. Zumindest was die Wahlen angeht.
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Abschied vom Amt: Klaus Lenz hört nach 21 Jahren als Bürgermeister von Abtswind auf. Bei der „Wilden Wahl“ am Sonntag fungiert er noch mal als Wahlleiter. Foto: Foto: Ralf Dieter

So richtig wild schauen sie gar nicht aus, die Abtswinder. Eher wie ganz normale Franken. Winzer, Landwirte, Angestellte. Der normale Durchschnitt halt. Und dennoch treiben es die Abtswinder am Sonntag wild. Zumindest was die Wahlen angeht.

31 Gemeinden gibt es im Landkreis Kitzingen. Bis auf Dettelbach werden in allen Gemeinden am Sonntag die Bürgermeister und Stadt-, beziehungsweise Gemeinderäte gewählt. Die meisten Bewerber um das Amt des Oberbürgermeisters verzeichnet die Große Kreisstadt. Sieben an der Zahl. Drei Bewerber gibt es in Volkach und Prichsenstadt. In 13 Gemeinden gibt es immerhin zwei Bewerber. Und 14 Kandidaten können ganz beruhigt in den Wahlsonntag gehen. Sie haben keinen Gegenkandidaten.

In Abtswind gibt es zwei Kandidaten. Und eine Besonderheit. Sie stehen beide auf der gleichen Liste. „Seit 1948 gibt es den Bürgerblock“, sagt Klaus Lenz. „Und keine andere Partei oder Gruppierung.“ Seit 21 Jahren ist Lenz Bürgermeister von Abtswind, seit 24 Jahren ist er Mitglied im Gemeinderat. Seit den 70er Jahren interessiert er sich für Lokalpolitik. Immer wieder gab es in dieser Zeitspanne Anfragen von anderen Parteien. Immer wieder haben die Abtswinder abgelehnt. Eine Liste reicht aus. Und der Demokratie im Ort schadet sie nicht. Davon ist Lenz überzeugt. „Wir bereden alles, bevor wir entscheiden“, sagt er. Anlässe gibt es genug. Die Gemeinderäte treffen sich auf dem Fußballplatz, bei der Feuerwehr, am Schwimmbad oder bei den Festen und Versammlungen im Ort.

„Wir werden auch nach der Wahl miteinander reden und die Entscheidungen zum Wohl unserer Kommune treffen.“
Klaus Lenz Bürgermeister

Der Landwirt und Winzer Klaus Lenz wird in diesem Jahr 65 Jahre alt. Nach sechs Jahren Amtszeit wäre er 71. „Irgendwann muss mal Schluss sein“, sagt er. Also hat er die rund 800 Abtswinder davon in Kenntnis gesetzt, dass ein neuer Bürgermeister gewählt werden muss. Im November war die so genannte Nominierungsversammlung. Die beiden Kandidaten standen da bereits fest. Winfried Weidt und Jürgen Schulz. Beide sind mit großer Mehrheit nicht nominiert worden. Von 116 Anwesenden stimmten 102 gegen eine Nominierung. Klingt etwas schräg, ist in Abtswind aber gelebte Tradition. Damit kommt es an diesem Sonntag wieder zu einer „Wilden Wahl.“

Anders als in den anderen Landkreisgemeinden steht auf dem Abtswinder Stimmzettel kein Kandidatenname. Vermerkt ist lediglich in fett gedruckter Schrift: „Erster Bürgermeister soll werden: ...“ Und dann können die rund 600 Wahlberechtigten irgend einen Namen eintragen.

Klaus Lenz muss bei der Erinnerung schmunzeln. Bei der letzten Wahl fand sich auf zwei Stimmzetteln tatsächlich der Name seiner Frau. Ambitionen auf das Amt der Bürgermeisterin hatte sie nie. Auch Nachbarn, die mit der Lokalpolitik nichts am Hut haben, erhielten schon Stimmen. „Juxstimmen“, nennt das Lenz. Und die werden natürlich zur Belustigung der Bevölkerung ebenfalls im Schaukasten ausgehängt, wenn die offizielle Auszählung gelaufen ist.

Am meisten Stimmen haben die 224 Wahlhelfer in Kitzingen auszuzählen. Etwa 16000 Wahlberechtigte gibt es. Die Wahlbeteiligung lag 2008 bei 58 Prozent. Das heißt, rund 9000 Bürger gingen zur Wahl. Wie viele es heuer werden? Schwer zu sagen. Klar ist nur: Jeder Kandidat braucht mehr als 50 Prozent der Stimmen, um sich im ersten Wahlgang durchzusetzen. Sonst gibt es eine Stichwahl.

Das könnte auch in Abtswind der Fall sein. Setzt eine Großfamilie ganz auf ihren Opa oder ihre Oma, sind schon mal ein paar Stimmen weg. Gibt es noch viele andere „Juxstimmen“, könnte es für die zwei quasi offiziellen Bewerber eng werden, was die 50 Prozent-Hürde angeht.

In Kitzingen ist eine Stichwahl bei sieben Bewerbern so gut wie sicher. Amtsinhaber Siegfried Müller holte vor sechs Jahren im ersten Wahlgang immerhin 42 Prozent der Stimmen.

Weniger als eine Stunde dauert es in der Regel, bis das erste Endergebnis aus dem Landkreis vorliegt. Die ersten Hochrechnungen lagen vor sechs Jahren in der Stadt Kitzingen bereits kurz nach 18 Uhr vor. Um 19.15 Uhr stand das Endergebnis fest. Auch an diesem Sonntag werden die Ergebnisse live in der Rathaushalle an einem großen Beamer zu sehen sein.

Die ersten Stimmzettel sind längst im Rathaus eingegangen. Etwa 4500 der rund 16 000 Wahlberechtigten haben das Angebot der Briefwahl genutzt. Die Zahl steigt kontinuierlich. „Jedes Mal ein neuer Rekord“, kommentiert der Leiter des Einwohnermeldeamtes Jörg Engelbrecht.

Auch in Abtswind liegt der Anteil der Briefwahl bei 20 Prozent. Ab 18 Uhr wird Klaus Lenz mit seinen 15 Wahlhelfern zur Tat schreiten. Wenig später wird er dann aller Voraussicht nach seinen Nachfolger kennen. Egal wer es wird, der Frieden im Ort wird erhalten bleiben. Davon ist Lenz überzeugt. „Wir werden auch nach der Wahl miteinander reden und die Entscheidungen zum Wohl unserer Kommune treffen“, sagt er. So richtig wild geht es in Abtswind halt auch nicht zu.

Wahlverfahren

Person vor Partei: Niemand muss eine Partei oder eine Wählergruppe „im Paket“ annehmen. Jeder kann seine Stimme ganz gezielt dem Bewerber seines Vertrauens geben.

Drei Stimmzettel: Einer für den (Ober-)Bürgermeister, einer für die Gemeinde-/Stadträte und einer für die Kreisräte. Auf den Stimmzetteln sind die Wahlvorschläge der Parteien und Wählervereinigungen aufgeführt. Jeder Wähler kann einen Vorschlag unverändert annehmen, indem er ein Kreuz oben auf der Liste macht. Jede Kandidatin oder jeder Kandidat erhält auf dieser Liste eine Stimme – bis die Gesamtstimmenzahl erschöpft ist.

Verlängerung: Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Ist das keinem Bewerber gelungen, findet unter den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen eine Stichwahl statt. Termin: Der zweite Sonntag nach dem Wahltag, also der 30. März. Wer dann von den abgegebenen gültigen Stimmen die meisten bekommen hat, kann das Amt antreten.

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