MAINBERNHEIM

Die Sonne lacht fürs Denkmal

Solarkataster erleichtern die Nutzung von Sonnenenergie im geschützten Ensemble.
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Das Solarkataster schafft Klarheit: Je nach farblicher Kennzeichnung ist eine Solaranlage auf einem Anwesen in der Altstadt von Mainbernheim erlaubt oder nicht. Bürgermeister Peter Kraus und der Stadtrat arbeiten seit Jahren mit diesem Instrument. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Von der B8 aus: nicht sichtbar. Von der Ortsdurchfahrt aus: nicht sichtbar. Vom Hof aus: nicht sichtbar. Und doch nutzt Hans Metzger für sein denkmalgeschütztes Anwesen in der Altstadt von Mainbernheim die Energie der Sonne. Und kombiniert damit zwei Komponenten, die nicht immer leicht zueinander finden.

Hans Metzger hat ein Faible für alte Gebäude. Mehrere hat der Sulzfelder schon saniert, darunter das ehemalige Paulshaus in Mainbernheim. Ein herausragendes Projekt, belohnt mit dem Denkmalpreis des Bezirks Unterfranken.

Wer im Innenhof steht und das imposante Gebäude aus dem Jahr 1594 betrachtet, sucht vergeblich nach Modulen, die die Energie der Sonne in Warmwasser oder Strom verwandeln. „Sie sind auf dem Nebengebäude“, erklärt Hans Metzger, „dort sind sie nicht einsehbar“.

Das Erscheinungsbild geht vor

Mit der historischen Stadtmauer, ihren Türmen und Toren, den engen Gassen und den denkmalgeschützten Gebäuden ist Mainbernheim das Paradebeispiel für einen Altort, der unter Ensembleschutz gestellt wird. Hier stehen nicht unbedingt alle einzelnen Anwesen unter Denkmalschutz, wohl aber die Gesamtheit der Altstadt oder eines Platzes. Ensembleschutz gibt es unter anderem auch in Iphofen, Sulzfeld, Sommerach und Dettelbach. Bei Baumaßnahmen in diesen Bereichen gilt es Vorsicht zu bewahren, um das einheitliche Erscheinungsbild nicht zu beschädigen.

Gerade Sonnenkollektoren stießen deshalb anfangs auf große Skepsis in den meisten Orten. Gleichwohl konnte man den Fortschritt der technischen Entwicklung und den Weg hin zu Klimaschutz und regenerativen Energien auch als Kommune mit historischer Bausubstanz nicht außen vor lassen. Einige Städte und Gemeinden im Landkreis haben die Vorschriften zur Anbringung von Sonnenenergie-Anlagen deshalb in ihrer Gestaltungssatzung festgeschrieben. In Marktbreit dürfen sie vom angrenzenden Verkehrsraum aus nicht einsehbar sein, müssen in oder parallel zur Dachhaut aufgebracht werden oder an der rückwärtigen Seite des Hauses. Auch die Größe ist vorgeschrieben. Auch Dettelbach hat in der Gestaltungssatzung festgelegt, unter welchen Voraussetzungen Sonnenkollektoren ausnahmsweise zugelassen werden dürfen. Iphofen dagegen legt sich in der Satzung nicht genau fest. „Über Photovoltaik-/Solaranlagen ist im Einzelfall zu entscheiden. Sie sind als Abweichung von der Gestaltungssatzung zu behandeln“, heißt es dort allgemein. Was erlaubt wird und was nicht, entscheidet in den meisten Orten der Bauausschuss oder Stadtrat.

Die Stadt Mainbernheim hat sich ausführlicher mit der Kombination Sonnenenergie und ensemblegeschützte Altstadt befasst. Das Thema wurde im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen für die Städtebauförderung aufgegriffen, erinnert sich Bürgermeister Peter Kraus. Ein energetischer Rahmenplan wurde erstellt, und dabei der spannenden Frage nachgegangen, wo Sonnenkollektoren möglich sind. Schon 2002 legte die Stadt ein Solarkataster auf, das vom Landesamt für Denkmalpflege noch heute in Broschüren als beispielhaft für eine nachhaltige Planungsgrundlage bezeichnet wird.

Grünes Licht für gelbe Flächen

Der Altstadtbereich und einige direkt anschließende Gebiete sind in dem Kataster verzeichnet, jedes Gebäude ist auf der Karte farbig markiert. Grau sind die Flächen, die sich nicht für eine Solarnutzung eignen, Nordseiten zum Beispiel. Rot gekennzeichnete Flächen sind ausgeschlossen, auf diese Dächer dürfen keine Kollektoren aufgebracht werden. Schließlich soll kein Fleckerlteppich zur Hauptstraße oder zur Stadtmauer hin entstehen. Geeignete und zugelassene Flächen dagegen erscheinen in gelber Farbe. Vorschriften, wie der Einbau der Anlagen zu erfolgen hat, gibt es wiederum in der Gestaltungssatzung. „Sie müssen auf die Dachhaut aufgebracht oder integriert werden. Aufgeständerte Anlagen sind nicht erlaubt“, erklärt Peter Kraus.

Mit dem Solarkataster bietet die Kommune den Bewohnern und Käufern von Gebäuden im Sanierungsgebiet einen schnellen Überblick darüber, was wo aus energetischer Sicht machbar ist. Zudem gibt es einen finanziellen Anreiz, denn das kommunale Förderprogramm steht auf zwei Beinen: Für reine bauliche Sanierungen gibt es maximal 15 000 Euro, weitere 5000 Euro können für energetische Maßnahmen ausgezahlt werden. Darunter können Dämmung, Fensteraustausch oder die Modernisierung der Heizung – je nach Standard – fallen. Voraussetzung: Der Bauherr muss vorher eine energetische Beratung machen lassen. Die Kosten dafür übernimmt die Stadt. Andere Städte, wie Iphofen, fördern den Mehraufwand für abgestimmte, alt-stadtverträgliche Solaranlagen zur Warmwassererzeugung.

„Die Bürger nehmen das Angebot an“, freut sich der Mainbernheimer Bürgermeister. Die jährlichen Ausgaben variieren, oft fallen um die 60 000 Euro an, 2015 waren es sogar 120 000 Euro. „Das war ausnehmend viel“, so Kraus. Die Stadt forciere den Solarausbau nicht, bremse aber auch nicht, wenn ein Hausbesitzer eine Anlage bauen möchte. Kritisch wird allerdings gesehen, wenn es nur um die Rentabilität einer Anlage geht und die denkmalpflegerischen Belange ganz in den Hintergrund rücken.

Das Dach des von Hans Metzger sanierten Paulshauses ist auf der Karte rot eingezeichnet und damit tabu, das der im hinteren Bereich liegenden Scheune dagegen gelb, und dort hat er die Anlage auch angebracht. „Das passt auch von der Sonne“, sagt der Sulzfelder. Deren Energie nutzt er jetzt für Warmwasser und Photovoltaik. Aber auch darüber hinaus hat er auf eine energieeffiziente Sanierung geachtet. Das Haus wird mit Pellets geheizt. Die Fachwerkwände im Obergeschoss konnten trotz starker Verwitterung erhalten bleiben, dank einer außen liegenden Wärmedämmung und einer tragenden Ständerwand im Inneren wurden statische und energetische Anforderungen gleichermaßen erfüllt.

Das Haus in Mainbernheim ist das erste Projekt, an dem Metzger regenerative Energie nutzt. „Das war Neuland für uns.“ Doch es lief gut, denn Planung und Umsetzung gingen Hand in Hand, sämtliche Maßnahmen waren abgestimmt, vor Baubeginn wurde ein Energiekonzept erstellt, die Gesamtmaßnahme vom Energieberater begleitet. „Man muss das alles gut durchplanen und genau aufpassen, was man macht“, sagt Hans Metzger. Sein Fazit ist positiv: „Alles hat gut geklappt.“

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