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KITZINGEN

Die Schmerzen als Chance sehen

Verspannungen in Nacken und Schultern. Kopfschmerzen. Hexenschuss. Oder gar Schmerzen, die vom Kreuz bis ins Bein ziehen, Liegen oder Stehen schier unerträglich werden lassen. Rückenschmerzen sind zur Volkskrankheit geworden, jeder dritte Deutsche leidet darunter. Dabei ließen sie sich oft vermeiden, wenn die Menschen sich genügend um ihren Rücken und ihre Gesundheit kümmern würden: „Bewegung. Punkt. Das ist das A und O“, sagt Physiotherapeut Christian Wolbert.
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Zur Volkskrankheit geworden: Jeder dritte Deutsche leidet unter Rückenschmerzen. Wer sie besiegen will, muss aktiv werden. Foto: Archivfoto: dpa/Burgi

Verspannungen in Nacken und Schultern. Kopfschmerzen. Hexenschuss. Oder gar Schmerzen, die vom Kreuz bis ins Bein ziehen, Liegen oder Stehen schier unerträglich werden lassen. Rückenschmerzen sind zur Volkskrankheit geworden, jeder dritte Deutsche leidet darunter. Dabei ließen sie sich oft vermeiden, wenn die Menschen sich genügend um ihren Rücken und ihre Gesundheit kümmern würden: „Bewegung. Punkt. Das ist das A und O“, sagt Physiotherapeut Christian Wolbert.

„Sie haben es in der Hand – Rückenschmerzen bieten Chancen“: Wie viel Wahrheit das Motto des diesjährigen Tages der Rückengesundheit am 15. März beinhaltet, weiß Wolbert aus seiner täglichen Arbeit nur all zu gut. 80 Prozent der Menschen, die zu ihm kommen, sind Rückenpatienten. Die Altersspanne reicht von jung bis alt, die Probleme von muskulären Verspannungen bis zum Bandscheibenvorfall oder der Hüftarthrose. Um die Probleme wieder in den Griff zu bekommen, ist die Physiotherapie eine wichtige Behandlungsform. Doch sie alleine reicht nicht.

„Der Patient darf nicht nur sagen: 'Ich leg mich hin, mach du mal'“, stellt Wolbert klar. Der Betroffene stehe auch selbst in der Pflicht, schließlich sei die Gesundheit das höchste Gut. Deshalb versuche er, die Menschen zu mehr Bewegung zu animieren, sie anzustupsen. „Mach mal was!“ Was es dann letztendlich ist, sei nicht unbedingt entscheidend, aber es sollte der Problematik nahe kommen.

Kurse in Sportvereinen oder der Vhs spricht er an, auch Rückenschulen bei Krankenkassen. Gute Erfahrungen hat Wolbert mit Fitnessstudios gemacht, in denen unter Anleitung trainiert wird. „Dort sind nicht mehr nur die schlanken Leute oder die gut gebauten. Die Studios haben den Schwerpunkt auf den Bereich Gesundheit und Fitness verlagert, das ist heute ganz anders als früher.“

Wer seinen Rücken stärken möchte, der sollte also auf Bewegung achten, die Muskeln des Haltungsapparates stärken. Aber er sollte auch seinen Alltag und seine Gewohnheiten genauer unter die Lupe nehmen. Beispielsweise bei der Büroarbeit. „Wer stundenlang telefoniert und dabei den Hörer zwischen Ohr und Schulter klemmt, wird ganz schief“, sagt Wolbert. Wer seinen Kopf drehen muss, um auf den Bildschirm des Computers zu blicken, braucht sich über Nackenschmerzen nicht zu wundern.

Regelmäßige Bewegung auch im Büro, zwischendurch aufstehen, auf einem Pezziball statt auf einem Stuhl sitzen, ein Stehpult nutzen – all das sind Möglichkeiten, dem Körper etwas Gutes zu tun.

„Viele Arbeitgeber denken da mit. Manche bieten Rückenschulen für ihre Arbeitnehmer an.“
Christian Wolbert, Physiotherapeut

Die Rahmenbedingungen spielen natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle: die passende Arbeitshöhe, der gerade Blick auf den Computerbildschirm, die richtige Ausleuchtung des Arbeitsplatzes und einiges mehr. Hier habe sich zum Glück schon viel verändert: „Viele Arbeitgeber denken da mit. Manche bieten Rückenschulen für ihre Arbeitnehmer an oder unterstützen die Mitgliedschaft in Fitnessstudios, auch hier in der Region.“

Auslöser für Rückenschmerzen ist, neben dem laut Wolbert auch bei Kindern teilweise erschreckenden Bewegungsmangel, oft der Stress, der ständige Druck, unter dem die Menschen leiden. „Stress und Zeitdruck, das sagt jeder Zweite bei der Anamnese“, so der Physiotherapeut. Das werde schon bei der Terminvereinbarung deutlich, wenn keine Zeit für die Behandlung sei oder die Termine immer wieder abgesagt werden. Vor allem Selbstständige hätten da große Probleme. Viele Patienten kämen angespannt zur Behandlung und täten sich schwer, zu entspannen, sagt Christian Wolbert. „Das nimmt überhand.“

Mehr Bewegung, eine Änderung des Alltagsverhaltens und das sinnvolle Gestalten des persönlichen Umfeldes – all das trägt dazu bei, einen Großteil der Schmerzen zu lindern, meint auch die Aktion Gesunder Rücken e.V., die zu den Organisatoren des Tages der Rückengesundheit am 15. März gehört. Der Aktionstag lenkt deshalb in diesem Jahr den Fokus auf die Möglichkeiten, die Betroffene selbst in der Hand haben. Denn sie können die Schmerzen zum Anlass nehmen, langfristig einen rückenfreundlicheren Lebensstil zu führen. So wie es eben schon im Motto heißt: Rückenschmerzen bieten eine Chance.

In Bewegung bleiben – auch am Schreibtisch

Tipps fürs Büro: Wer viel am Schreibtisch arbeitet, sollte für ausreichend Bewegung sorgen, immer wieder mal zwischendurch aufstehen und dynamisch sitzen, also öfter die Position wechseln. Die Krankenkassen geben Tipps für Übungen, die in den Büroalltag eingebaut werden können. Auch die Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken", die gemeinsam von Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und der Knappschaft getragen wird, hat auf einem Plakat Übungen zum Dehnen, Stärken und Mobilisieren der Muskulatur in Nacken, Schultern und Rücken zusammengestellt. Informationen gibt es auch im Internet unter www.deinruecken.de *len*

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