Die Kunst, fair zu handeln

Man kann eine Weltreise machen, ohne Franken zu verlassen. Es reicht, in Münsterschwarzach die große Markthalle hinter der Benediktinerabtei mit den vier markanten Türmen zu betreten. Vom Eingangstor aus sind es nur wenige Schritte nach Afrika, Asien oder Südamerika. Kunsthandwerk, Nützliches und Schönes, Möbel, Kleidung und teils exotische Lebensmittel aus 25 Nationen – alles fair gehandelt – reizen sämtliche Sinne. Die Fair-Handel GmbH der Benediktinerabtei hat etwa 800 Weltladengruppen, zirka 200 Klosterläden aus dem deutschsprachigen Raum sowie viele Privatleute in der Kundenkartei.
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Wenn diese Lichterfülle nicht Lust auf lauschige Herbstabende macht... Foto: Diana Fuchs
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Aber wie läuft das eigentlich mit dem Fair-Handel? Und wie soll der Laie in der Flut der „fairen“ Siegel noch den Überblick behalten? Antworten haben Betriebsleiter Klaus Brönner, der künstlerische Leiter Pater Meinrad Dufner und Brunhilde Käser, die jahrelang in Togo und Niger gelebt hat und ihren Job als „Vermittlerin zwischen den Welten“ bezeichnet.

Als es den Begriff „Fair-Handel“ im Prinzip noch gar nicht gab, hat die Abtei Münsterschwarzach ihn schon in die Tat umgesetzt. Wie hat alles angefangen?

P. Meinrad: Dort, wo unsere Brüder in der Mission tätig waren, sind sie auch in Kontakt mit heimischen Künstlern gekommen. Zuerst vor allem in Afrika und Asien. Die Brüder haben ihnen Waren abgekauft, auch aus sozialen Erwägungen heraus – Pater Ildefons war damals einer der Vorreiter. In den 80ern wurden die afrikanischen Schnitzereien bei uns immer beliebter.

Zuerst ging es nur um Kunsthandwerk?

P. Meinrad: Ja. Ich kann mich gut daran erinnern, wie wir auf dem Frankfurter Flughafen eine Ausstellung von Makonde-Schnitzereien aufgebaut haben. Auf einmal schrie ein Mann quer über die Flughafengalerie hinweg zu Pater Ildefons: „Du hast uns endlich einen Namen gegeben! Danke!“ Es war ein Geschäftsmann aus Tansania, der zufällig vorbeigekommen war. Das war ein starkes Erlebnis!

Klöstern wurde und wird manchmal der Vorwurf gemacht, sie brächten den Menschen zwar bessere Lebensbedingungen, dafür würden sie sie aber auch christianisieren.

P. Meinrad: Der Fair-Handel hat nichts mit Missionierung zu tun. Wir machen keine Glaubens-Deals wie im Mittelalter.

Mittlerweile gibt es nicht nur Makonde-Schnitzereien, sondern 2500 verschiedene, fair gehandelte Waren aus aller Welt in Münsterschwarzach zu kaufen. Wie ist das Sortiment so riesig geworden?

P. Meinrad: Anfangs haben wir das Kunsthandwerk, das wir geliefert bekamen, aus den Schiffs-Containern heraus verkauft. Mit der Zeit wurden immer mehr Waren geordert, lateinamerikanische Volkskunst war besonders beliebt. Wir brauchten einen Laden. In den frühen 90er Jahren entstanden Kontakte nach Peru, auf die Philippinen und nach Ecuador. Schließlich weitete sich das Angebot aus, auf Kaffee – der kam ursprünglich aus den tansanischen Usambara-Bergen, wo unsere Brüder eine Farm betrieben –, auf Lebensmittel, Kosmetika, Taschen… Unter Abt Fidelis Ruppert wurde 1995 die Fair-Handel GmbH gegründet. 2012 haben 17 Fairhandels-Organisationen in Münsterschwarzach den „Fair-Band“ ins Leben gerufen. Mittlerweile hat der Verbund 31 Mitglieder, die das „Fair-Band“-Logo benutzen dürfen.

Warum hat es noch ein neues Fair-Gütesiegel gebraucht? Ist die Vielzahl von Labels nicht ohnehin verwirrend?

Klaus Brönner: Im Fairtrade-Bereich laufen wir Gefahr, dass es bald einen ähnlichen Logo- und Siegel-Wildwuchs gibt wie bei „Bio“. Wir haben uns heuer bewusst dafür entschieden, nur noch Mitglied im „Fair-Band“ zu sein. Weitere Mitgliedschaften erzeugen nur Kosten – beispielsweise kostet jede Prüfung vom Weltladen-Dachverband uns bis zu 1500 Euro. Von diesem Geld bekommt kein Produzent etwas.

P. Meinrad: Wir haben unsere Partner in Afrika, Asien und Südamerika direkt im Blick – und wir wollen, dass möglichst viel Geld bei den kleinen Produzenten, den Handwerksbetrieben und deren Familien ankommt.

Aber so eine Überprüfung der Fair-Handels-Kriterien – gerechte Entlohnung, keine Kinderarbeit, gewisse ökologische Standards – ist doch sinnvoll. Die Verbraucher orientieren sich an Siegeln.

Klaus Brönner: Ja, natürlich. Deshalb überprüfen die „Fair-Band“-Mitglieder einander.

P. Meinrad: Es ist sehr schön, dass das Kaufbewusstsein der Menschen gewachsen ist, dass wir schauen, was gesund, regional und was auch saisonal ist. Es ist prima, wenn wir bei jedem Kauf unseren gesunden Menschenverstand einschalten. Wie fair und bio kann eine Schokolade sein, die im Discounter zum Niedrigpreis angeboten wird? Ohne jemandem Böses unterstellen zu wollen, aber: Die Versuchung der Geschäftemacherei ist umso größer, je weiter man weg ist vom eigentlichen Produzenten.

Brunhilde Käser: Fair-Siegel sind keine Versicherungen. Sie bedeuten oft nicht, dass das gesamt Produkt „fair“ gehandelt worden ist. Oft handelt es sich um Mischprodukte, bei denen nur ein Teil „fair“ ist. Man muss lernen, genau hinzuschauen.

Was wünschen Sie sich für den Handel der Zukunft?

P. Meinrad: Dass wir die Kunst, die aus dem einfachen Volk kommt und nicht in irgendeiner Akademie gelehrt wurde, erhalten und weiter fördern. Denn darin liegen Traditionen und Urwissen der Menschen, die sehr wertvoll sind.

Am Wochenende: Hausmesse

Programm: Persönlich mit Direktimporteuren sprechen, Informationen aus erster Hand über Länder, Menschen und die Herkunft fair gehandelter Produkte bekommen, fröhliches Treiben und Messe-Feeling auf dem Hof der Fair-Handel GmbH erleben – all das ist bei der Hausmesse des Fair-Handels der Abtei Münsterschwarzach (97359 Schwarzach am Main) möglich.

Samstag, 15. Oktober, 9 bis 17 Uhr: P. Meinrad Dufner OSB spricht über „Vertrauen oder fairsichert und versiegelt?“ (11 bis 11.45 Uhr), nachmittags spielt die Sennfelder Combo Jazz-Oldies, Dixieland und Volkstümliches. Der peruanische Retablo-Künstler Max Ochanté lässt sich bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Sonntag, 16. Oktober, 11 bis 17 Uhr: Nach dem Festgottesdienst (10 Uhr) wird der Weltmissionstag im Jubiläumsjahr „1200 Jahre Abtei Münsterschwarzach“gefeiert. Zum bunten Programm gehören Stände von „Fair-Band“-Akteuren, die über ihre Arbeit mit den Produzenten informieren.

Infos: www.fairhandel.abtei-muensterschwarzach.de ; www.fair-band.de

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