KLEINLANGHEIM

Die Aufgabe zählt, nicht die Zeit

Nächtlicher Einbruch-Alarm im Bauhof. Ein überfluteter Schulkeller am Kirchenburgfest-Sonntag. Es ist, als wollten die ersten 100 Tage Gerlinde Stier beweisen, dass das Bürgermeisteramt nicht an feste Zeiten gebunden ist, dass man quasi allzeit bereit sein muss, sich für seine Gemeinde einzusetzen. Dabei hätte es dieser Beweise gar nicht bedurft: Die Kleinlangheimerin war sich bewusst, worauf sie sich einlässt, als sie sich entschied, als Nachfolgerin von Roland Lewandowski zu kandidieren.
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Gespräche führen, Kontakte knüpfen: In den ersten 100 Tagen als Kleinlangheimer Bürgermeisterin standen für Gerlinde Stier viele Termine an. Foto: Foto: Daniela Röllinger

Nächtlicher Einbruch-Alarm im Bauhof. Ein überfluteter Schulkeller am Kirchenburgfest-Sonntag. Es ist, als wollten die ersten 100 Tage Gerlinde Stier beweisen, dass das Bürgermeisteramt nicht an feste Zeiten gebunden ist, dass man quasi allzeit bereit sein muss, sich für seine Gemeinde einzusetzen. Dabei hätte es dieser Beweise gar nicht bedurft: Die Kleinlangheimerin war sich bewusst, worauf sie sich einlässt, als sie sich entschied, als Nachfolgerin von Roland Lewandowski zu kandidieren.

Zwölf Jahre im Kleinlangheimer Gemeinderat, davon sechs Jahre 2. Bürgermeisterin: Dass Gerlinde Stier eigentlich eine „Zugezogene“ ist, kann man angesichts dieser Erfahrung getrost vergessen. Sie kennt sich aus in der Gemeinde und wurde deshalb von Bürgern angesprochen, als der Amtsinhaber nicht mehr kandidierte. Die Zeit als 2. Bürgermeisterin hat ihr Spaß gemacht, sie arbeitet gerne mit anderen Menschen zusammen, die Kinder sind groß genug: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, dachte sich Gerlinde Stier und trat an. Alternative wäre für sie gewesen, in den Beruf zurückzukehren. Sie ist Beamtin im gehobenen Dienst, war im Briefzentrum Nürnberg tätig und in den letzten Jahren beurlaubt. In dieser Zeit hat sie nicht nur die Kinder erzogen, sondern auch ein zweites Standbein durch den Betrieb von Ferienwohnungen aufgebaut.

„Man muss alles von verschiedenen Seiten beleuchten.“
Gerlinde Stier, Bürgermeisterin

Seit 1. Mai ist sie nun Bürgermeisterin. Gerade der Einstieg war sehr zeitintensiv. „Man muss mit den Behörden und anderen Einrichtungen Kontakt aufnehmen, sich sehen lassen, viele Termine wahrnehmen“, sagt sie. Hintergründe kennen, Informationen sammeln, Ansprechpartner wissen. Schließlich stehen in Kleinlangheim bedeutende Projekte an. Die Dorferneuerung ist auf den Weg gebracht, sie wird die Gemeinde in den nächsten zwölf bis 15 Jahren in Form verschiedenster Maßnahmen in allen Ortsteilen begleiten. Die Breitbandversorgung ist ein Thema. Der Kanal in Kleinlangheim ist überlastet. Die Feuerwehr wünscht sich ein neues Löschgruppenfahrzeug. „Man muss alles von verschiedenen Seiten beleuchten“, erklärt Gerlinde Stier anhand dieses Beispiels: Auf der einen sind da die relativ hohen Ausgaben. Auf der anderen der Brandschutz, der gewährleistet sein muss. Um derartige Fragen zu beantworten, sind sie eben nötig, die Gespräche und Termine mit Fachbehörden.

Und dann ist da die Schule. Knall auf Fall, so sagt die Bürgermeisterin, wurde Kleinlangheim im Juni mit der Entscheidung konfrontiert, dass die Wiesentheider Schüler künftig nicht mehr in Kleinlangheim unterrichtet werden. Seit 2008 ist Kleinlangheim nur noch Grundschule. Da passte es gut, dass die Wiesentheider Schule Raumnot hatte: Drei vierte Klassen wurden nach Kleinlangheim ausgelagert. Jetzt ist Platz im Gymnasium in Wiesentheid frei und den wird die Schule nutzen. Die Folge: In Kleinlangheim gibt es nur noch vier Klassen und die Mittagsbetreuung, vier andere Klassenzimmer stehen leer. „Da muss man sich schon Gedanken machen, wie es langfristig weitergeht.“ Eine eigene Schule ist schließlich ein wichtiger Faktor für eine Gemeinde.

Ein faires Miteinander

Dorferneuerung, Kanal, Schule, Feuerwehr – das sind Themen, bei denen man unterschiedlicher Ansicht sein kann und unter den Gruppierungen manchmal auch ist. Doch auch wenn ab und zu sachliche Differenzen auftreten, herrscht doch ein fairer Umgang im Gemeinderat, lobt die Bürgermeisterin. „Das Miteinander war und ist auch mein großes Ziel. Es ist wichtig, dass es immer ums Ganze geht.“

Auch das große Engagement der Bürger begeistert Gerlinde Stier. Das Vereinsleben sei gut, bei Veranstaltungen wie dem Kirchenburgfest bringen sich viele ehrenamtlich ein. „Das ist wirklich beeindruckend.“

Bei den erneuerbaren Energien sieht Stier die Gemeinde gut aufgestellt. Gemeindeeigene Gebäude sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, neben der Autobahn bestehen bereits zwei Photovoltaik-Parks, ein dritter ist genehmigt. „Damit tun wir was für die Umwelt und gleichzeitig für die Finanzen“, sagt Stier angesichts der Gewerbesteuereinnahmen, die derartige Anlagen mit sich bringen. Stabile finanzielle Verhältnisse sind wichtig.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet dagegen das Thema Hochwasser. Zwei Bäche sind im vergangenen Jahr massiv über die Ufer getreten, Autobahnunterführung und Kleingartenanlage waren überflutet. Dass mehrere Gemeinden dieses Problem in der Arbeitsgemeinschaft der Dorfschätze jetzt gemeinsam angehen, ist für die 49-Jährige die richtige Lösung. Wie überhaupt kommunale Allianzen ihrer Ansicht nach viele Vorteile bringen, beispielsweise bei Förderungen.

Dass sie in ihrem Amt viele Menschen trifft, zum Beispiel auch bei Geburtstagen und Jubiläen von Bürgern, freut Gerlinde Stier. „Da kann man sich persönlich unterhalten, die Leute erzählen viel. Das ist eine Bereicherung.“ Weil sie sich für ander Menschen interessiere, seien solche Termine für sie „Zuckerli“.

Die 49-Jährige stört sich nicht daran, dass ihre neue Position „nicht mit 20 Stunden abgetan ist“. Und manche Aufgabe nimmt sie gedanklich mit nach Hause, grübelt auch mal abends oder nachts nach der besten Lösung. „Das belastet schon ein kleines bisschen im Kopf“, gibt Gerlinde Stier zu. Etwas unbeschwerter habe sie früher schon gelebt. Doch wenn sie etwas angeht, dann voll und ganz: Sie identifiziert sich mit ihren Aufgaben. „Es gibt mir Zufriedenheit, wenn ich eine Aufgabe erledigt habe, nicht, wenn die Arbeitszeit rum ist“.

Ehrenamtliche Chefs im Landkreis

Zehn neue 1. Bürgermeister sind seit dem 1. Mai im Amt und haben nun die ersten 100 Tage hinter sich. Ehrenamtlich tätig sind davon sieben: Jürgen Schulz (Abtswind), Roland Hoh (Biebelried), Hermann Queck (Buchbrunn), Gerlinde Stier (Kleinlangheim), Herbert Volkamer (Markt Einersheim), Thomas Reichert (Marktsteft) und Rainer Ott (Martinsheim).

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