Laden...
KITZINGEN

Den Schwachstellen auf der Spur

Ein kleiner roter Punkt erscheint am Rand der Fensterscheibe, direkt neben dem Rahmen. 17,9 Grad zeigt das Messgerät. Ein Wert, mit dem Klaus Heisel zufrieden sein kann: Die Fenster sind in Ordnung. Der 2. Bürgermeister ist gemeinsam mit Energieberater Michael Neckermann energetischen Schwachstellen in seinem Haus in der Kitzinger Siedlung auf der Spur.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Werte passen: Energieberater Michael Neckermann misst die Temperatur am Übergang vom Fenster zur Mauer.
+2 Bilder

Ein kleiner roter Punkt erscheint am Rand der Fensterscheibe, direkt neben dem Rahmen. 17,9 Grad zeigt das Messgerät. Ein Wert, mit dem Klaus Heisel zufrieden sein kann: Die Fenster sind in Ordnung. Der 2. Bürgermeister ist gemeinsam mit Energieberater Michael Neckermann energetischen Schwachstellen in seinem Haus in der Kitzinger Siedlung auf der Spur.

Mitte Oktober fiel mit einem Informationsabend der Startschuss für die sechswöchige „Energiekarawane“. Erstmals nimmt der Landkreis Kitzingen eine Idee auf, die bereits 2009 in der Region Rhein-Neckar geboren wurde. In zwei Projektgebieten, in der Kitzinger Siedlung und im Volkacher Osten, haben die Bewohner jetzt die Möglichkeit, kostenlos eine Erstberatung durch einen Energieberater in Anspruch zu nehmen. Drei Fachleute sind in Kitzingen unterwegs, drei weitere in Volkach. Die Straßenzüge wurden im Vorfeld anhand des Stadtplans aufgeteilt.

Ansprechpartner für Klaus und Sibylle Heisel ist Michael Neckermann. Er ist Schreinermeister und hat sich als Energieberater fortgebildet. „Der Bereich hat mich schon immer interessiert“, sagt er. Seit vier Jahren hilft er nun Häuser und Wohnungen energetisch auf den neuesten – oder zumindest einen besseren – Stand zu bringen.

Vor 35 Jahren gebaut

Das Haus der Heisels wurde 1979 gebaut. Ein Teil der Fenster wurde seitdem erneuert, außerdem die Heizung. Seit 2006 nutzt die Familie Sonnenenergie für die Bereitung von Warmwasser. Trotzdem, dessen ist sich Klaus Heisel bewusst, gibt es noch energetische Schwachstellen an dem 35 Jahre alten Gebäude. Deshalb nutzt er die Gelegenheit, diesen mit Hilfe der Energiekarawane auf die Spur zu kommen.

Michael Neckermann misst mit dem handlichen Thermometer die Temperatur an der Innenseite der Fenster, erst an den älteren im Erdgeschoss, dann an den neueren im ersten Stock. Eine Wärmebildkamera hat er zum Termin nicht mitgebracht, dazu sind die Außentemperaturen noch zu hoch. „Der Übergang von der Scheibe zum Rahmen und der Übergang vom Fensterrahmen zur Wand, das sind die Schwachstellen“, informiert der Energieberater. Die Zahl, die er am Messgerät abliest, stellt ihn zufrieden. „Der Wert ist in Ordnung“, sagt er. Das heißt allerdings nicht, dass man an den Fenstern nicht doch etwas tun könnte. Sie wieder einmal richtig einstellen, zum Beispiel, vor allem die große Schiebetür. „Da zieht es durch“, das weiß Klaus Heisel bereits.

Auch eine bessere Isolierung der Rollokästen könnte dafür sorgen, dass die Wärme innen bleibt und weniger Kälte von außen ins Haus dringt. „Das ist mit wenig Aufwand gemacht und bringt viel. Man kann das erledigen, wenn man sowieso tapeziert“, schlägt der Energieberater vor.

Michael Neckermann geht durchs ganze Haus – vom Keller bis zum Dach. Im Keller hat er wenig zu bemängeln, die Heizung ist technisch auf dem aktuellen Stand. Seine Tipps für die Heisels: Das Membranausdehnungsgefäß nach zehn Jahren prüfen lassen und auch die Kaltwasser-Rohre isolieren, so wie es bei den Warmwasser-Rohren gemacht ist.

Dach als kritischer Punkt

Kritischster Punkt im Haus ist aus energetischer Sicht das Dachgeschoss. Wie in so vielen Fällen wurde es beim Bau vom Hausherrn selbst mit Glasfasermatten gedämmt – allerdings nur in dem Bereich, der zum Wohnen genutzt wird. Trotzdem hat Sibylle Heisel, die dort ihr Arbeitszimmer eingerichtet hat, im Sommer mit großer Hitze und im Winter mit der Kälte zu kämpfen. Für Neckermann ein Zeichen, dass Dach und Isolierung womöglich nicht dicht sind. „Das ist wie bei einem Mantel. Wenn der nicht dicht ist oder nass ist, wärmt er auch nicht.“ Der eigentliche Dachboden selbst hat keine Dämmung – und das merkt man sofort, wenn man den Raum betritt: Hier ist es deutlich kühler als im Rest des Dachgeschosses.

„Kein Sanierungsbedarf“, lautet das Resümee des Energieberaters im Abschlussgespräch nach dem gemeinsamen Gang durchs Haus. „Aber wenn man etwas machen wollte, dann am Dach“, rät er Klaus Heisel. Zum Beispiel, wenn sowieso eine Photovoltaikanlage dort angebracht werden sollte.

Ein Gedanke, mit dem der 2. Bürgermeister zwar schon seit längerem spielt, endgültig entschieden hat er sich aber noch nicht. Dabei helfen kann ihm das Protokoll, das ihm Michael Neckermann am Ende der Erstberatung überreicht. Darauf sind die kritischen Punkte vermerkt, es werden Maßnahmen vorgeschlagen, auch der Hinweis auf Förderprogramme fehlt nicht. Was er tun könnte, um die Energiebilanz in seinem Haus zu erhöhen, das hat Klaus Heisel jetzt selbst in der Hand – sogar schwarz auf weiß.

Energiekarawane: Die Pilotphase in Kitzingen und Volkach

Das Projekt: Bis Ende November haben die Bürger in einem Teil der Siedlung in Kitzingen und im Volkacher Osten die Möglichkeit, eine kostenlose Erstberatung durch einen Energieberater in Anspruch zu nehmen. Dazu wurden zirka 200 Hauseigentümer pro Kommune angeschrieben. Die Beratung dauert etwa eine Stunde. Die Energiekarawane ist eine gemeinsame Aktion von Stadt und Konversionsmanagement.

Der Inhalt: In den Beratungsgesprächen werden energetische Schwachstellen bei Wärmeschutz und Haustechnik aufgezeigt, Einsparpotenziale durch energetische Sanierung benannt, aktuelle Fördermöglichkeiten erläutert und alle Modernisierungsempfehlungen in einem Kurzprotokoll dokumentiert.

Die Ziele: Die Energiekarawane soll das Bewusstsein und die Motivation steigern, eine energetische (Teil-)Sanierung anzugehen. Der Energieverbrauch soll reduziert, die Energiekosten gesenkt werden. Zudem soll die Sanierungsquote im Altbaubestand erhöht, ein Beitrag zum Klimaschutz vor Ort geleistet und das lokale Handwerk gefördert werden.

Die Berater: Sechs Energieberater sind während der sechswöchigen Pilotphase in Kitzingen und Volkach im Einsatz. In Kitzingen sind dies Michael Bornkessel, Norbert Dürr und Michael Neckermann, in Volkach Florian Wohlfeil, Roswitha Peters und Hans Bieberstein.

Kontakt: Ansprechpartner im Konversionsmanagement ist Felix Frost, Tel. (0 93 21) 20 10 60.