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MARKTBREIT

Das verbindende Element

Das ist das Schöne am Fußball: Ein Gespräch entwickelt sich schnell. Auch wenn man sich nicht kennt. Wer wüsste das besser als Andreas Gurrath und seine Frau Manuela. In ihrer Wirtschaft „Zur Goldenen Traube“ in Marktbreit dreht sich fast alles um Fußball. Auch schon früh um 10 Uhr.
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Anregendes Ritual: Bei jedem Tor genehmigen sich Manuela Gurrath, Manuela Friedlein, Sandra Wallochny und Martina Lang ein Schnäpschen. Foto: Foto: Privat
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„Die ersten Gäste sprechen über Fußball und die letzten meistens auch“, sagt der Wirt, der gleichzeitig Vorsitzender des FCN-Fan-Clubs „Die Träubelhüter“ ist. Langweilig werden ihm die Gespräche trotzdem nicht. Auch wenn er manche Geschichten schon dutzendfach gehört hat. So wie die von Stammgast Helmut Eckstein und seinen zwei roten Karten als Profi.

Eckstein spielte Ende der 70er-Jahre in der zweiten Bundesliga für den FV04 Würzburg und für Wormatia Worms. Insgesamt 18 Spiele musste er allerdings pausieren. Zwei Mal sah er Rot. Zwei Mal neun Spiele Sperre. „Eine Ungerechtigkeit“, findet Eckstein noch heute. Manche Fußballemotionen lassen einen einfach nicht los.

Was den heute 65-Jährigen, der vor acht Jahren noch als Trainer und Spieler für die zweite Mannschaft des TSV Gnodstadt aktiv war, an diesem Sport so fasziniert? Eckstein muss nicht lange überlegen: „Der Fußball verbindet. Jeder kann mitreden, jeder ist Trainer. Vor allem jetzt, bei so großen Turnieren.“

Manuela Gurrath nickt zustimmend und muss lächeln. Das beste Beispiel für diese These wohnt bei ihr daheim. Sohn Fabian ist gerade mal elf Jahre alt. In der Wirtschaft sitzt er aber ab und zu mit den alten Haudegen zusammen und diskutiert über die schönste Nebensache der Welt. „Seit seinem ersten Stadionbesuch ist er Club-Fan“, erzählt sie. Auch wenn er sich damals weniger fürs Spiel interessiert hat. 90 Minuten hat er vielmehr auf die Fankurve gestarrt, die Gesänge und Sprechchöre bewundert. Das Fußballfieber hat ihn gepackt und nicht mehr losgelassen – so wie seinen Vater Andreas. Der ist von seinem Onkel im Alter von sieben Jahren ins Nürnberger Stadion mitgeschleppt und gleich mit Schal und Fanmütze eingedeckt worden. „Da bleibt man hängen“, sagt er mit einem Lächeln. „Und leidet halt mit.“

Für Helmut Eckstein gehört das Leiden zum Fan-Dasein zwingend dazu. „Je mehr man leiden muss, desto mehr ist man ein Fan“, sagt er und ergänzt mit einem Augenzwinkern. „Daher kommt ja auch das Wort Fanatiker.“ Er hat mit seinen Kumpels ganze Tage auf dem Bolzplatz verbracht, ist mit zehn Jahren in den Verein eingetreten und kam mit 14 zu den Schülern. „Früher war das so üblich, da haben vier Jahrgänge zusammen gespielt“, erinnert er sich. Keine schlechte Lehre, nicht nur in Sachen Technik und Durchsetzungsvermögen. „Wir haben automatisch ein Gemeinschaftsgefühl gelernt“, sagt er. „Wir saßen alle zusammen und haben gefeiert. Nach Niederlagen ging es manchmal sogar länger als nach Siegen.“

Der Fußball als verbindendes Element. Andreas Gurrath sieht das genauso, nicht nur in Bezug auf die Generationen. In Marktbreit spielen etliche Flüchtlinge im Verein oder mischen sich mit den einheimischen Jugendlichen auf dem Bolzplatz. Und wenn die Familie in Urlaub fährt, findet Sohn Fabian dank des Fußballs auch im Ausland schnell Anschluss mit Gleichaltrigen.

Bei großen Turnieren jubeln Männer und Frauen gemeinsam, wenn es um Fußball geht. Manuela Gurrath hat mit ihren Freundinnen einen Tisch im Gastraum reserviert. Dort fiebern die Frauen mit – stilecht mit selbst gestrickten Mützen in Schwarz-Rot-Gold. Pro Tor genehmigen sie sich ein Schnäpschen und hoffen auf ein schönes Spiel.

Was darunter zu verstehen ist? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Helmut Eckstein möchte einen Plan erkennen, wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen. Andreas Gurrath wünscht sich außergewöhnliche Tricks und ein volles Stadion – wegen der Stimmung. Für Sohn Fabian kann es gar nicht spannend genug zugehen. Am liebsten mit Elfmeterschießen. Und Manuela Gurrath wünscht sich viele Tore – nicht nur wegen den Schnäpschen. Bei einem Punkt sind sie sich allerdings einig: Die vielen Vor- und Nachberichte sind ihnen zu viel. „Da wird ja doch immer das Gleiche gesagt“, sagt Andreas Gurrath. „Das kann ich auch an meiner Theke haben.“

Wer wird Europameister?

Helmut Eckstein tippt auf Deutschland, räumt aber auch Frankreich, Italien und Spanien große Chancen ein.

Manuela Gurrath tippt auf Deutschland, Sohn Fabian auf England und Vater Andreas geht von einer großen Überraschung aus. „Irgendein Außenseiter schafft es diesmal.“

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