KITZINGEN

Das Hochwasser trübt die Bilanz

Der Tourismus in Bayern boomt: Wer mit dem Thema Fremdenverkehr befasst ist, kann mit einem Lächeln in die Saison starten. Bayernweit wurde sowohl bei den Gästeankünften als auch bei den Übernachtungen ein Plus erzielt, das Statistische Landesamt spricht von einem „Doppelrekordjahr 2013“. Auch in den Landkreis kamen deutlich mehr Gäste (+4,6 Prozent). Die Zahl der Übernachtungen ist dagegen leicht zurückgegangen (-0,4 Prozent). Wesentlicher Grund dafür: Das Hochwasser im Frühjahr.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wegen des Hochwassers durften Personenschiffe wie die Undine in Volkach, aber auch Flusskreuzfahrtschiffe nicht mehr fahren. Foto: Archiffoto: Peter Pfannes
+1 Bild

Der Tourismus in Bayern boomt: Wer mit dem Thema Fremdenverkehr befasst ist, kann mit einem Lächeln in die Saison starten. Bayernweit wurde sowohl bei den Gästeankünften als auch bei den Übernachtungen ein Plus erzielt, das Statistische Landesamt spricht von einem „Doppelrekordjahr 2013“. Auch in den Landkreis kamen deutlich mehr Gäste (+4,6 Prozent). Die Zahl der Übernachtungen ist dagegen leicht zurückgegangen (-0,4 Prozent). Wesentlicher Grund dafür: Das Hochwasser im Frühjahr.

In den vergangenen Jahren konnte sich Marco Maiberger, Leiter der Tourist-Information Volkach, stets über einen leichten Zuwachs freuen. Den hat 2013 das Wetter verhindert. Die Campingplätze in Sommerach, Escherndorf und Volkach, beliebte Ziele bei den Touristen, konnten im Mai/Juni knapp drei Wochen nicht genutzt werden. „Das hat ein Loch in die Saison gerissen“, sagt Maiberger. Dazu kam ein launischer Herbst, der sich auf die Zahl der kurzentschlossenen Touristen auswirkte. Maiberger geht von einer Stagnation aus. „Aber das ist immer noch ein Jammern auf hohem Niveau.“

„Mal zu viel Regen, mal zu viel Sonne“, das ist auch die Bilanz von Walter Vierrether. Leiter der Tourist-Info Kitzingen. Da bleiben die Wohnmobilbesitzer lieber daheim, weiß er aus Erfahrung. Zudem konnte auch in Kitzingen der Wohnmobilstellplatz wegen des Hochwassers teilweise nicht genutzt werden. Die Gäste blieben aus. „Die kann man nicht einfach auf irgendwelche Parkplätze umleiten“, sagt Vierrether.

Getroffen wurde vom Hochwasser auch der Schiffstourismus. Ist der Main gesperrt, dürfen die Schiffe nicht fahren, die Touristen sitzen wegen zu viel Wasser quasi auf dem Trockenen. Verschärft wurde die Situation durch den Schleusenstreik, denn auch da durften die Schiffe nicht weiterfahren. „Wir mussten oft umpolen. Das hat viele Nerven und viel Arbeit gekostet“, so Vierrether.

Es gab Gäste, deren Schiff in Kitzingen festsaß und die dann mit Bussen zu den Besichtigungen gebracht wurden, die an der nächsten Station geplant waren. Abends ging es dann wieder zurück. Lagen Schiffe beispielsweise in Schweinfurt, fuhren die Gästeführer mit dem Auto dorthin, dann mit dem Bus und den Gästen zurück nach Kitzingen, machten hier die Stadtführung und Weinprobe, dann ging es mit dem Bus nach Schweinfurt und mit dem Auto wieder nach Kitzingen. Ein enormer Mehraufwand. Doch der hat sich laut Vierrether gelohnt: „Am Ende waren alle Gäste zufrieden.“

Schiffstourismus als großes Plus

Insgesamt ist der Schiffstourismus für Kitzingen ein großes Plus: Etwa 15000 ausländische Gäste kamen 2013 mit Schiffen in die Stadt, 130 Schiffe legten an. Auch das neue Fastnachtmuseum ist Anziehungspunkt für Gäste, vor allem aus dem Raum Nürnberg. Für die neue Tourismus-Saison liegt der Werbe-Schwerpunkt natürlich auf Entente Florale. Kitzingen hat den Bundesentscheid gewonnen, in diesem Jahr steht die Entscheidung auf europäischer Ebene an. Pfunde, mit denen die Stadt wuchern kann und das bei den Auftritten auf zahlreichen Messen auch tut – allerdings nicht alleine.

Wer Gäste anlocken will, schaut längst nicht mehr nur auf den eigenen Kirchturm, sondern setzt auf interkommunale Zusammenarbeit. Das Weinparadies an der südlichen Landkreisgrenze, die Dorfschätze im östlichen Landkreis oder die Gastlichen Fünf sind einige davon. Der älteste Zusammenschluss sind die Gastlichen Fünf im Fränkischen Weinland. Am 18. November 1999 startete das Projekt, zu dem die Städte Kitzingen, Dettelbach, Iphofen und Volkach im Landkreis Kitzingen sowie die Stadt Gerolzhofen gehören. Allesamt Städte, für die der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, allesamt Städte mit einer hauptamtlich besetzten Tourist-Information. Sitz der Geschäftsstelle ist Volkach, Geschäftsführer der Chef der Tourist-Information Volkacher Mainschleife, Marco Maiberger.

Alle sechs Wochen setzen sich die örtlichen Tourist-Leiter zusammen um Marketing, Aktivitäten und Projekte zu koordinieren. Der Zusammenschluss ermöglicht Dinge, die eine einzelne Kommune finanziell nicht schultern könnte. Es gibt einen gemeinsamen Veranstaltungskalender, ein gemeinsames Imageprospekt. Auch die Volkacher Mainschleife profitiert von der Zusammenarbeit, selbst wenn sie die größte Tourist-Info im Landkreis ist. „Jeder zahlt 5000 bis 7000 Euro in den Pott“, erklärt Maiberger. So kommen pro Jahr 35000 Euro zusammen. „Das ermöglicht es uns, in Gefilde vorzustoßen, die wir uns sonst nicht leisten können.“

Auf dem Niveau des Vorjahres, vermutlich aber leicht darüber, liegen die Zahlen in Iphofen. Claudia Bellanti, Leiterin der Tourist-Info, kann derzeit nur die Zahlen bis einschließlich November 2013 vorweisen. 27264 Gäste waren bis dahin gekommen, 45941 Übernachtungen waren registriert. Etwas rückläufig sei die Zahl der Tagesausflügler – was wohl mit der Großbaustelle im Herzen der Stadt zu tun hat. Seit Monaten wird die Alte Schule direkt am Marktplatz zu einem Dienstleistungszentrum umgebaut. Mehrere Neuerungen lockten trotzdem viele Besucher an. Die Gäste sind begeistert von den drei neuen Naturerlebniswegen in Dornheim, Hellmitzheim und Iphofen, besuchen zudem gerne die Ausstellung in der neuen Winzerscheune. „Eine gepflegte und aktualisierte Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle“, sagt Bellanti.

Gäste erwarten Veranstaltungen

Wichtig sind auch die Veranstaltungen – die großen wie die Feinschmeckermesse, die Weinfreundschaften oder die Kirchweih, aber auch die kleinen. „Der Kunde erwartet jedes Wochenende eine Veranstaltung“, zeigt Bellantis Erfahrung. Eine Stadt alleine kann dies natürlich nicht bieten und so wird auch auf Ausstellungen oder Feste in den Nachbargemeinden oder den anderen Mitgliedern der Gastlichen Fünf hingewiesen. Jede Woche wird für die örtlichen Unterkünfte eine entsprechende Liste zusammengestellt.

Es gibt aber nach wie vor auch Gemeinden, die den Tourismus großteils alleine schultern – wie zum Beispiel Marktbreit. Von einem „zufriedenstellenden, gesunden Tourismus“ spricht der zuständige Referent im Stadtrat, Gernot Stratenberg. Die Zahl der Übernachtungen sei auf einem hohen Niveau, wenn auch die Vorjahreszahlen wegen des schlechten Saisonanfangs im Frühjahr nicht ganz erreicht werden konnten. Immer mehr Besucher kommen in die Tourist-Info, um sich über die Stadt zu informieren. Die E-Mail-Anfragen stiegen um zehn Prozent. Erfreulich auch: Die Zahl der Gästeführungen legte um 20 Prozent zu, 14 Prozent mehr Teilnehmer als 2012 wurden gezählt. Zahlen, die Stratenberg zufrieden stimmen: „Es war mit das beste Ergebnis seit 2008.“

Rekordjahr in Bayern

Doppelplus: Bayerns Fremdenverkehr konnte sich 2013 über mehr Gästeankünfte und mehr Übernachtungen freuen. Dies teilte das Statistische Landesamt in der vorläufigen Statistik zum Jahr 2013 mit. Die Zahlen beziehen sich auf Beherbergungsbetriebe mit zehn oder mehr Gästebetten und Campingplätze mit zehn oder mehr Stellplätzen. 31,6 Millionen Gästeankünfte in Bayern entsprechen einem Plus von 1,5 Prozent, die Übernachtungen stiegen um 0,2 Prozent auf 84,2 Millionen. Vor allem beim Ausländerreiseverkehr waren die Zuwachsraten überdurchschnittlich hoch. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 2,7 Tagen.

Einfaches Plus: Auch Unterfranken konnte sich über einen Zuwachs bei den Gästeankünften freuen: 2,58 Millionen Besucher entsprechen einem Plus von einem Prozent. Leicht rückläufig war dagegen die Zahl der Übernachtungen (-0,2 Prozent) auf 6,66 Millionen. Durchschnittlich blieben die Gäste 2,6 Tage.

Großes Plus, kleines Minus: Die Gemeinden im Landkreis Kitzingen konnten sich 2013 über deutlich mehr Gästeankünfte freuen: 114983 bedeuten einen Zuwachs von 4,6 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen ging gleichzeitig um 0,4 Prozent zurück. Durchschnittlich blieben die Gäste 1,9 Tage.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren