SCHWARZACH

Da geht noch mehr

Vier eckige Türme und ein Modelabel tragen den Namen der Landkreis-Gemeinde in die Region, ins ganze Land, ja teilweise sogar in die ganze Welt: Für viele ist der Name Schwarzach am Main vor allem mit der Abtei Münsterschwarzach und mit René Lezard verbunden. Beides sind „Marken“, aber auch Wirtschaftsfaktoren – sie sind die größten Arbeitgeber im Ort.
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Der Stadtpark war eines der Projekte im Jahr 2015, die größte anstehende Maßnahme der nächsten Zeit ist die Schulsanierung. Foto: Foto: Peter Pfannes
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Etwa 3530 Einwohner leben derzeit im Markt Schwarzach, der die Ortsteile Düllstadt, Hörblach, Gerlachshausen, Münsterschwarzach, Schwarzenau und Stadtschwarzach vereint. Die Zahl stagniert, aber sie ist wenigstens nicht rückläufig, was Bürgermeister Volker Schmitt schon einmal zufriedenstellt. „Aber es könnten etliche mehr sein, wenn wir Baugebiete hätten“, sagt er. Anfragen von Bauwilligen gibt es immer wieder. Doch bauliche Besonderheiten oder der Hochwasserschutz machen es in einigen Ortsteilen schwierig, Plätze auszuweisen.

„Aufgrund unserer Lage müssten wir beim Gewerbe eigentlich weiter sein.“
Volker Schmitt, Bürgermeister

Geplant ist der Lückenschluss zwischen Gerlachshausen und Stadtschwarzach, zudem soll auf einem ehemaligen Gärtnereigelände eine Eigentumswohnanlage entstehen. In Düllstadt könnte Bauland entstehen, aber geplant hat der Markt hier nichts. „Unser Augenmerk liegt auch darauf, nicht zu viel auszuweisen, sondern auf die Innenentwicklung zu gehen.“ Zumal es gerade in Düllstadt viele große landwirtschaftliche Gehöfte gibt, deren langfristige Zukunft offen ist. „Irgendwann wird ein Teil davon leer stehen.“ Trotzdem tut sich in Düllstadt etwas: Die Dorferneuerung läuft, die Sanierung der maroden Ortsdurchfahrt wird geplant.

Großteils hat die Marktgemeinde den Strukturwandel der Landwirtschaft schon hinter sich, die Zahl der Bauern ist zurückgegangen. Mittelpunkt im Bereich Landwirtschaft ist natürlich Schwarzenau mit dem Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum. „Die Landesanstalt ist wahnsinnig bekannt. Dort finden auch viele Lehrgänge statt“, freut sich Schmitt.

Größter Anziehungspunkt ist natürlich die Benediktinerabtei. Der Großteil der 100 000 Touristen jährlich kommt wegen der Abtei, was sich auch in den Übernachtungszahlen spiegelt. 56 000 Übernachtungen wurden 2014 registriert, etwa 10 000 davon allein im Gästehaus der Abtei. Touristen kommen auch mit dem Mainschleifen-Shuttle, dem Dorfschätzebus sowie mit dem Fahrrad oder fahren den Campingplatz in Schwarzenau an. Schmitt denkt darüber nach, den Posten eines Touristmusreferenten einzuführen. „Auch Fremdenführer haben wir nicht mehr.“

Die Gäste können in mehreren Gastwirtschaften einkehren, wobei sich Schmitt schon sorgt, dass das Gasthaus am Marktplatz geschlossen hat. Ärgerlich, zumal der gesamte Marktplatz vor nicht allzu langer Zeit neu gestaltet wurde. „Da fehlt jetzt natürlich was.“ Bei der Nahversorgung sieht es recht gut aus, samt Lebensmittelmarkt ist alles vorhanden, die Nachfolge für den Hausarzt ist gesichert. Aber die Apotheke hat seit September zu. „Das ist schon ein Stich ins Herz.“ Der Bürgermeister hofft, dass doch noch eine Nachfolgelösung gefunden werden kann.

Beim Gewerbe freut sich der Bürgermeister über einen Neuzugang aus Kitzingen und verweist darauf, dass weiterer Platz vorhanden wäre. Etwa 40 000 Quadratmeter sind im Gewerbegebiet noch frei. Auch wenn die derzeit noch fehlende DSL-Versorgung eine Hürde darstellt. Der Ausbau mit Glasfaser läuft, „da müssen wir in die Offensive gehen“, so Schmitt. Insgesamt sagt er zum Thema Gewerbe:„Aufgrund unserer Lage müssten wir eigentlich weiter sein. Vor allem, wenn wir auf die Nachbarn sehen.“ Denn verkehrstechnisch ist Schwarzach mit der A3, der B22 und der St 2271 eigentlich ideal erschlossen. So sehr ihn die positive Entwicklung der Gewerbesteuer freut, so weiß Schmitt auch: „Das ist noch ausbaufähig.“

Mehreinnahmen der Gewerbesteuer kann der Markt gut brauchen, weil viele große Projekte anstehen. Allen voran die Sanierung der Grundschule. Dazu kommen Kanäle, die Ortsdurchfahrt Düllstadt, der Ersatz für das alte Feuerwehrauto. „Da muss ich auf die Euphoriebremse treten. Unsere Rücklagen sind da schnell aufgebraucht.“ Mit dem Kanal ging es in Schwarzenau bereits los, von etwa zwei Millionen Euro Ausgaben sind 450 000 Euro schon investiert. „Und wir haben sechs Ortsteile.“

Auch bei der Grundschule, die vergangenes Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feierte, rechnet Schmitt mit mehreren Millionen Euro Kosten. „Wir klappern die Förderstellen ab.“ Derzeit wird nach einem Architekten gesucht. Eine große Herausforderung bei der Sanierung wird die Frage, wo die Schüler während der Bauarbeiten unterrichtet werden, denn auch die Abtei will und muss ihr Gymnasium sanieren. Das von den Benediktinern getragene Egbert-Gymnasium sieht Schmitt als wichtigen Standortfaktor für die Gemeinde. „Das Angebot der Schule ist klasse.“

Die drei Kindergärten, die von der Caritas getragen werden, sind bereits energetisch saniert. Acht Gruppen gibt es insgesamt in Stadtschwarzach, Schwarzenau und Münsterschwarzach. Als Letztes wurde der Stadtschwarzacher Kindergarten umgebaut.

Während 2016 nicht nur wegen der Schule vor allem ein Planungsjahr wird, hat der Markt im vergangenen Jahr viele Projekte abgeschlossen. Die Sanierung des Kirchturms Stadtschwarzach, die Sanierung der St. Vitus-Kirche in Hörblach, die ungewöhnlicherweise ganz der Gemeinde gehört, der DSL-Ausbau in den Ortsteilen außer Düllstadt, die Erneuerung des Radwegs nach Düllstadt und eben der Start der Kanalsanierung in Schwarzenau.

Mehrere größere Projekte rund um die Orte hat der Markt nicht oder nur bedingt selbst in der Hand. Der Sandabbau und die Rekultivierung der Seen in Hörblach wird die Gemeinde noch zehn Jahre begleiten. Die Sanierung der B22-Brücke liegt in den Händen des Staates. Eine Maßnahme, von der Schwarzach profitiert: „Wir kriegen den Radweg, das ist ein großes Plus“, sagt der Bürgermeister.

Und eine ganz große Baustelle wird Schwarzach und vor allem Hörblach in einigen Jahren vor der Haustüre haben: Die A3 soll 2019 ausgebaut werden. Und da läuft bislang nicht alles so, wie Schwarzach es sich wünscht. Den Pendlerparkplatz zum Beispiel hätte Schmitt gerne an anderer Stelle gesehen: Direkt neben der Staatsstraße am Wald ist schon ein freier Platz vorhanden. „Warum nimmt man den nicht einfach?“ Und an der Auffahrt halten die Schwarzacher einen Kreisverkehr für die bessere Lösung. Stattdessen wird eine Ampel gebaut, worüber Schmitt sich mächtig ärgert. „Wir haben politisch alles probiert, aber es hat nichts gebracht.“

Schwarzach am Main

Schwarzach am Main liegt im nördlichen Landkreis, umfasst die Ortsteile Hörblach, Düllstadt, Gerlachshausen, Schwarzenau, Stadtschwarzach und Münsterschwarzach und hat 3516 Einwohner (Stand Dezember 2014). Bekannt ist Schwarzach vor allem aufgrund der Abtei Münsterschwarzach, die alljährlich Tausende von Besuchern anzieht und zudem größter Arbeitgeber im Ort ist, gefolgt vom bekannten Modeunternehmen René Lezard. Die Abtei ist außerdem Träger des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach. Es gibt drei Kindergärten und eine Grundschule. Durch die A3-Auffahrt und die Lage an der B22 ist Schwarzach verkehrstechnisch ideal erschlossen. Bürgermeister ist seit 2014 Volker Schmitt.

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