KITZINGEN

Ausbildung macht sich doppelt bezahlt

Die Summe wollten sie nicht nennen. Darum gehe es auch gar nicht, beschied Alexander Knauf. Zusammen mit seiner Frau wolle er einen Beitrag für die Entwicklung der Region leisten. Die Klinik Kitzinger Land kann sich freuen.
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Durchblick: Dr. Volker Fackeldey erklärt die Vorteile des neuen 3D-OP-Turms. Ohne Schutzbrille hätten OP-Schwester Monika Münich, Alexander und Merete Knauf, Landrätin Tamara Bischof, Dr. Dirk Gühlen und Klinik-Geschäftsführer Thilo Penzhorn ihre Probleme. Foto: Foto:Ralf Dieter
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Merete Knauf hat ein Jahr ihrer ärztlichen Ausbildung an der Klinik Kitzinger Land verbracht. In der Kardiologie und Chirurgie hat sie sich weitergebildet. Die Herausforderung habe sie sehr genossen. Mit ihrem Mann hat sie sich anschließend beraten, wie dem Haus geholfen werden kann. Die Idee: Eine großzügige Spende, die der Abteilung für Viszeralchirurgie und der Physiotherapie zugute kommt – letztendlich aber allen Patienten.

Dr. Volker Fackeldey hat die Schutzbrille aufgezogen und steht vor dem mannshohen 3D-OP-Turm. „So etwas gibt es in der größeren Umgebung nur noch einmal“, sagt er. „An der Uniklinik in Würzburg.“ Der 3D-Turm ist High-Tech und ein „Herausstellungsmerkmal“ für die Kitzinger Klinik.

500 bis 600 minimalinvasive Operationen werden mittlerweile pro Jahr an der Klinik durchgeführt. Etwa die Hälfte aller OPs. Die so genannte Schlüssellochchirurgie hat sich längst durchgesetzt. Nicht nur aus Mainfranken kommen die Patienten mittlerweile nach Kitzingen. Dr. Fackeldey und sein Team haben schon Menschen aus Aschaffenburg und Kassel operiert.

Leisten- und Narbenbrüche werden dank der neuen Technik schnell und sicher operiert, sie kommt auch bei komplizierteren Regionen wie dem Dickdarm zum Einsatz. „Früher haben wir bei schweren Fällen acht bis zehn Blutkonserven gebraucht“, berichtet der Mediziner. „Heuer gar keine mehr.“

Der 3D-OP-Turm erleichtert den Medizinern das minimalinvasive Operieren noch einmal. Auf einem Bildschirm lässt sich das Geschehen und das Operationsgebiet verfolgen. „Mit einer Tiefenschärfe, die phänomenal ist“, freut sich Dr. Fackeldey. Großes Kino sozusagen, denn der Arzt vergleicht die Qualität der Bilder mit denen hochwertiger Animationsfilme wie „Avatar“.

Etwa 40 Operationen hat der Leiter der Abteilung Viszeralchirurgie schon mit Hilfe des neuen 3D-Turms durchgeführt, etliche Mediziner aus anderen Kliniken haben seither hospitiert. Und für die Ausbildung sei das High-Tech-Gerät Gold wert. „Für junge Assistenzärzte ist das natürlich ein wunderbares Erfahrungsfeld.“ Dank des 3D-Turms sei die Kitzinger Klinik nun an vorderster Stelle in Sachen Chirurgietechnik.

Über eine ganz neue Ausstattung kann sich auch die Physiotherapieabteilung freuen. Zwei Zugapparate, ein Fahrrad-Ergometer und weitere Übungsgeräte stehen dank der Spende zur Verfügung. „Für die Nachsorge der Patienten ist das enorm wichtig“, versichert Dr. Dirk Gühlen, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie. Ob Schlaganfall- oder Unfallpatienten: Dank der neuen Übungsgeräte könne die Wiedereingliederung ins aktive Leben zielgerichteter trainiert werden.

Als sehr erfreulich und sehr großzügig bezeichnete Landrätin Tamara Bischof die Spende. Alexander und Merete Knauf haben sich der Region damit sehr wohlgesonnen gezeigt. Man dürfe eben nicht nur fordern, sondern müsse auch aktiv etwas zur Entwicklung einer Region beitragen, entgegnete Alexander Knauf und betonte, dass es sich um rein privates Engagement handele. Seine Frau freute sich, der Klinik etwas zurückgeben zu können. Ihre Ausbildung hat sich ganz offensichtlich für beide Seiten ausgezahlt.

Schlüssellochchirurgie

Bei dieser Technik verzichtet der Chirurg auf die breite Öffnung von Körperhöhlen und operiert stattdessen mit einem Endoskop und sehr kleinen Instrumenten. Das Endoskop macht die Bilder aus dem Körperinneren für den Arzt auf einen Monitor sichtbar. Der Chirurg operiert dann mit schmalen Instrumenten. Die werden durch spezielle Arbeitskanäle am Endoskop oder durch einen weiteren kleinen Schnitt eingeführt.

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