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LANDKREIS KITZINGEN

Auf der Suche nach den Hintermännern

Die Polizei und die Drogenfahndung: Mitte Mai wurden im Landkreis Kitzingen fünf Personen festgenommen und große Mengen Drogen sichergestellt. Ein Schwerpunkt ist der Landkreis Kitzingen damit allerdings nicht. Drogen sind ein bundesweites Phänomen.
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Michael Zimmer Foto: Foto: Polizei
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Bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion im Landkreis Kitzingen wurden Mitte Mai fünf Personen festgenommen. Die Beamten fanden 800 Gramm Heroin, fast 400 Gramm Kokain, über 1700 Ecstasy-Tabletten sowie größere Mengen Amphetamin, Haschisch und Marihuana. Ist der Landkreis Kitzingen ein Schwerpunkt für den Drogenhandel? Michael Zimmer, Pressesprecher der Polizei Unterfranken verneint. Drogen sind ein bundesweites Phänomen.

Frage: Gab es schon mal einen vergleichbaren Fall in den letzten Jahren?

Michael Zimmer: Im Landkreis Kitzingen gab es in den vergangenen Jahren tatsächlich keinen Fall in dieser Größenordnung. 21 durchsuchte Objekte und vor allem die doch recht großen Mengen an Heroin, Kokain, aber auch an Ecstasy-Tabletten stehen alles andere als an der Tagesordnung der Unterfränkischen Polizei.

Ist der Landkreis Kitzingen ein Schwerpunkt für den Drogenhandel?

Zimmer: Einen regionalen Schwerpunkt gibt es nicht. Im ganzen Regierungsbezirk haben wir immer wieder größere Ermittlungsverfahren mit entsprechenden Mengen, die wir sicherstellen. Dies entspricht auch unserer Strategie zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität. Unsere Priorität liegt darin, organisierte Strukturen zu bekämpfen, die Hintermänner dingfest zu machen.

Der Hauptverdächtige ist 62 Jahre alt. Ein ungewöhnliches Alter für einen Drogendealer?

Zimmer: In der Tat ist es so, dass die ermittelten Tatverdächtigen in diesem Deliktsbereich eher jünger sind.

Die Polizei hat bei ihm 400 000 Euro in bar sichergestellt. Welche Preise werden für Drogen bezahlt?

Zimmer: Das kommt sehr stark auf die einzelne Rauschgiftart an. Die Bandbreite bewegt sich zwischen einem ein- bis maximal zweistelligen Eurobereich. Konkret machen wir keine Angaben dazu, um auch keine falschen Anreize zu geben.

Was hat der Mann denn offiziell als Arbeitsstelle angegeben?

Zimmer: Wir möchten Sie um Verständnis bitten, dass wir zu dem laufenden Ermittlungsverfahren derzeit keine weiteren Angaben machen können.

Mit welchen Drogen wird im Moment besonders gehandelt?

Zimmer: Schaut man sich die Sicherstellungsmengen der vergangenen Jahre in Unterfranken an, geht es hauptsächlich um Marihuana (57,6 Kilogramm wurden 2016 sichergestellt), Haschisch (21,77 Kilogramm), Amphetamin (16,07 Kilogramm) und Ecstasy (13 177 Stück).

Und wo kommen diese großen Mengen her?

Zimmer: Die Herkunftsländer sind je nach Rauschgift unterschiedlich. Marihuana und Haschisch werden zwischenzeitlich auch örtlich angebaut – unsere großen Sicherstellungsmengen in diesem Bereich stammen aus Plantagen, die von den Händlern selbst sehr aufwändig betrieben wurden. Amphetamin und Ecstasy werden synthetisch, das heißt in Laboren, hergestellt. Hier führt der Weg, gerade bei Crystal, nach Osteuropa.

Wer sind die Abnehmer? Endkunden oder noch mal Zwischenhändler? Und können die Zwischenhändler auch schon vom Drogengeschäft leben?

Zimmer: Das hängt natürlich immer vom Einzelfall ab. Unser Ziel ist es, Strukturen beweiskräftig aufzuhellen. Das heißt zum Beispiel von einem „Endabnehmer“ aus den Weg des Rauschgifts zurückzuverfolgen. Alle Geschäfte im Zusammenhang mit Rauschgift sind illegal und stellen in vielen Bereichen Verbrechenstatbestände dar. Es droht eine Gefängnisstrafe von mehr als einem Jahr. So lukrativ kann kein Geschäft sein.

Wie lange muss die Polizei Hinweisen nachgehen, um so einen Ring auffliegen zu lassen?

Zimmer: Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Konsumnahe Delikte mit geringen Sicherstellungsmengen werden sehr zeitnah von den Schutzpolizeidienststellen bearbeitet. Großverfahren laufen bei den Fachkommissariaten unserer Kriminalpolizei und dauern zum Teil Monate oder auch Jahre. Das hängt immer von der Tiefe beziehungsweise dem Grad der Organisationsstruktur ab und auch davon, was beweiskräftig dargestellt werden kann. Großverfahren laufen immer in engster Abstimmung mit der örtlichen Staatsanwaltschaft.

Wie lange dauert es, bis andere Dealer diese Arbeit übernehmen?

Zimmer: Dazu können wir keine konkreten Angaben machen. Fest steht, dass es aus unserer Erfahrung heraus durchaus einen Effekt hat, wenn es gelingt, einen „Rauschgiftring“ zu sprengen. Vor allem zeigen Inhaftierungen im Umfeld auch die entsprechende abschreckende Wirkung.

Wie utopisch ist der Gedanke, dass es irgendwann einmal keine Drogengeschäfte mehr geben wird?

Zimmer: Das ist beinahe schon eine philosophische, in jedem Fall eine gesellschaftliche Frage, deren Beantwortung primär nicht die Aufgabe der Polizei ist. Aufgabe der Polizei ist, die Bürgerinnen und Bürger vor Gefahren zu schützen, Straftaten zu verhindern und aufzuklären.

Ist der Landkreis Kitzingen ein besonders auffälliger Ort was Drogengeschäfte angeht? Vielleicht wegen der Autobahnnähe? Oder der Vergangenheit als US-Standort?

Zimmer: Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt, dass der Landkreis Kitzingen kein besonders auffälliger Ort in Unterfranken ist, was die Rauschgiftkriminalität anbelangt. Die Autobahn spielt aber in der Tat eine Rolle. Wir haben von unseren Autobahnfahndern mehrere Aufgriffe auf der A3, die eben durch den Landkreis führt. Das ist allerdings überregionale Kriminalität, die bis auf den Aufgriff beziehungsweise die Festnahme der durchreisenden Täter keine Auswirkungen auf den Landkreis hat.

Stellen Sie bei Jugendlichen in jüngster Zeit wieder einen vermehrten Gebrauch von Drogen fest?

Zimmer: Die Altersverteilung bei den ermittelten Tatverdächtigen zeigt keine eindeutige Tendenz. Lässt man den Alkohol und Nikotin unberücksichtigt, ist es sicher so, dass die meisten Jugendlichen weiterhin über Cannabisprodukte den Einstieg zu den illegalen Drogen finden. Aber auch Kräutermischungen, die so genannten „Legal Highs“, stellen ein Problem dar.

Wie viele Beamte beschäftigen sich unterfrankenweit mit der Drogenfahndung?

Zimmer: Genaue Angaben machen wir aus einsatztaktischen Gründen dazu nicht. Grundsätzlich ist es die Aufgabe eines jeden Polizeibeamten, im Rahmen seines Dienstes auch darauf zu achten. Fachspezifisch haben wir bei jeder unserer Kriminalpolizeiinspektionen eigene Kommissariate zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität eingerichtet, auf den Autobahnen gibt es Fahndungsgruppen. Mindestens genauso wichtig ist uns aber die Prävention. Auch hier haben wir Kolleginnen und Kollegen im Einsatz, die über die Gefahren aufklären.

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