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KITZINGEN

Auf dem Weg in Richtung grüner Bereich

Sie wollen dran bleiben am Thema, etwas zum Positiven verändern. Damit sich Menschen mit Handicap in Kitzingen noch besser orientieren und fortbewegen können. Ein Aktionsplan soll erstellt werden.
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Vertreter der Stadt, des VdK, der Lebenshilfe und des Senioren- und Behindertenbeirates setzen sich für eine barrierefreie Stadt ein. Die Befragung der Passanten am 6. Mai fiel ziemlich eindeutig aus: Allzu behindertenfreundliche ist die Stadt Kitzingen ihrer Meinung nach nicht. Foto: Foto: Ralf Dieter

Anfang Mai hatten der VdK, die Lebenshilfe und der Senioren- und Behindertenbeirat der Stadt Kitzingen eine gemeinsame Aktion in der Innenstadt veranstaltet, um auf die Probleme der Rollstuhlfahrer, der Sehbehinderten, der Senioren mit Rollator und aller anderen aufmerksam zu machen, die in ihrer körperlichen oder geistigen Beweglichkeit eingeschränkt sind. Schüler der St. Martin-Schule hatten am 6. Mai insgesamt 61 Passanten zu dem Thema befragt, OB Siegfried Müller wurde in einen Rollstuhl gesetzt und über den Marktplatz gefahren. Am eigenen Leib hatte er erfahren, dass es nicht einfach ist, sich mit einem Rollstuhl in der Kitzinger Innenstadt fortzubewegen. Bei der kürzlich erfolgten Nachbesprechung im Rathaus kündigte er an, in Zusammenarbeit mit den Verbänden eine Prioritätenliste festzulegen, um sie dem Stadtrat vorzulegen. Was ganz oben steht, ist jetzt schon klar: der Marktplatz.

Vom neu gestalteten Übergang an der Alten Mainbrücke bis zur Einmündung der Oberen Kirchgasse und von der Herrnstraße bis zur „Spange“ soll eine Spur für Rollstuhlfahrer angelegt werden. Die Kosten lässt Müller bereits im Bauamt errechnen. Auf dem Marktplatz selber ist so eine Spur allerdings problematisch. „Die Neigung ist in der Mitte der Fläche zu stark“, argumentiert Müller. Und vor den Geschäften stehen die Tische und Stühle der Cafes und der Eisdiele.

Neben der „guten Stube“ gibt es weitere Flächen, an denen die Stadt für die Menschen mit Handicap nachrüsten kann. Der Platz der Partnerstädte, der Übergang zum Bauamt, die Rampe vor Schreibwaren Högner, das Pflaster vor der katholischen Kirche und der Übergang zwischen Hypo-Bank und Medienhaus am Königsplatz: Alles Bereiche, in denen das Kopfsteinpflaster den Passanten das Leben schwer macht. „Und dann gibt es noch den Mount Everest der Probleme“, erinnerte Hartmut Stiller vom VdK und verwies auf den Kitzinger Bahnhof.

Ein behindertengerechter Umbau des Bahnhofes sei dringend nötig, bei durchschnittlich 2000 Ein- und Ausstiegen pro Tag. Ein entsprechendes, fünfjähriges Ausbauprogramm hat die Bahn für etliche deutsche Bahnhöfe – unter anderem Würzburg – 2013 gestartet. „2018 beginnt die nächste Phase“, informierte Müller. Die Stadt hat sich längst angemeldet. Die Entscheidung, ob sie berücksichtigt wird, fällt im dritten Quartal 2016.

„Und dann gibt es noch den Mount Everest der Probleme.“
Hartmut Stiller zum Kitzinger Bahnhof

Dass sich in den letzten Jahren einiges zum Positiven verändert hat, bestätigte Helmut Bauer, der seit 1983 auf den Rollstuhl angewiesen ist. Die beiden Mainufer, die neuen Arzthäuser, die Friedrich-Ebert-Straße: Überall, wo neu gebaut wird, wird auf die Belange der Behinderten geachtet. Gerade bei den Bestandsgebäuden bestehe aber noch jede Menge Nachholbedarf. Den macht Manfred Markert, Geschäftsführer der Lebenshilfe Kitzingen, nicht nur bei den Immobilien aus. „Es gibt alltägliche Barrieren, die den Menschen mit Handicap zu schaffen machen“, erklärte er. Eine Internetseite, deren Inhalte vor bürokratischen Redewendungen nur so strotzt, ein Arbeitgeber, der seine Einstellungshürden viel zu hoch ansetzt oder eine Menschenmenge an der Supermarktkasse, die aufstöhnt, weil der behinderte Mensch beim Bezahlen etwas länger braucht: alles Beispiele für Barrieren, die den Menschen mit Handicap den Alltag erschweren. Alles Dinge, die verbessert werden können – nicht nur von der Stadt Kitzingen.

Kontakt: Wem weitere Barrieren für Menschen mit Handicap in der Stadt Kitzingen auffallen, der kann diese Beispiele aufschreiben und an seniorenbeirat@kitzingen.info schicken.

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