LANDKREIS KT/WÜRZBURG

Anstrengungen haben sich gelohnt

Es war ein intensives Jahr für die fränkischen Winzer: Unberechenbare und wechselhafte Witterung, gefräßige Tiere und zum Schluss eine der schnellsten Ernten der letzten Jahrzehnte. Unterm Strich heißt es: Ende gut, alles gut. Aber die Herausforderungen werden nicht kleiner.
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Geschafft: Die schnellste Ernte der letzten Jahrzehnte ist in Weinfranken in den Kellern. Trotz vieler Herausforderungen sind die Verantwortlichen mit dem Ergebnis zufrieden. Foto: Foto: dpa
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Es war ein intensives Jahr für die fränkischen Winzer: Unberechenbare und wechselhafte Witterung, gefräßige Tiere und zum Schluss eine der schnellsten Ernten der letzten Jahrzehnte. Unterm Strich heißt es: Ende gut, alles gut. Aber die Herausforderungen werden nicht kleiner.

Erntebilanz 2014. Der Fränkische Weinbauverband hatte gestern nach Würzburg geladen. Präsident Artur Steinmann lobte die fränkischen Winzer für ihren Einsatz. „Sie sind in diesem Jahr an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gegangen.“ Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig. Innerhalb von 14 Tagen mussten rund 90 Prozent der Ernte eingefahren werden. Normalerweise haben die Winzer rund sechs Wochen dafür Zeit.

Der Klimawandel ist längst angekommen in Franken. Er verändert die Arbeitsabläufe im Weinberg. Wachsam müssen die Winzer sein. Und flexibel. Extreme Witterungsbedingungen sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Hagel im September, hohe Niederschläge im August, Frostgefahr bis in den Mai hinein, ein trockenes Frühjahr. „Wir müssen uns anpassen“, fordert der Präsident der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), Dr. Hermann Kolesch. Trotz all der Schwierigkeiten: In der Summe ist der Klimawandel gut für Frankens Winzer. „Wir profitieren mindestens auf die nächsten 50 Jahre davon. Wenn wir uns auf die Herausforderungen einstellen.“

Herausforderungen gab es in diesem Jahr genug. Und die haben sich übers ganze Jahr verteilt. Die ersten drei Monate: Drei Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt. Dafür geringe Niederschläge. Die Folge: Die Vegetation startete früher. In diesem Jahr ganze vier Wochen. Auch die Tiere reagieren auf den Wandel. Dr. Kolesch sprach sogar vom „Jahr der Tiere.“ Erdraupen haben sich über den Austrieb hergemacht, Mäuse und Wildschweine sorgten im Frühjahr für Schäden, im Herbst meldeten manche Winzer Vogelfraß und Wespenbefall.

Eine ganz neue Bedrohung stellt die Kirschessigfliege dar. „Wir haben mit ihr gerechnet“, sagt Dr. Kolesch. „Aber nicht in dieser Dimension.“ Eine Bedrohung ist sie vor allem für die frühen Rotweinsorten wie Acolon oder Regent. Dr. Kolesch will nicht ausschließen, dass die Fliege, die über Asien und Südeuropa den Weg bis nach Mitteleuropa gefunden hat, eine Umstellung bei den Rebsorten bedingt. „Unter Umständen werden wir manche Rebsorten bei uns nicht mehr sehen“.

Kein Drama, schließlich gehören die frühen Rotweinsorten in Franken nicht gerade zu den Wichtigsten. Wichtiger wäre ein funktionierendes und unschädliches Mittel gegen die Kirschessigfliege. Die Bekämpfung des Insekts mit Pflanzenschutzmitteln gestaltet sich derzeit noch schwierig. „Wir müssen Anpassungsstrategien entwickeln“, fordert der Präsident.

Anpassungsfähig zeigen sich die fränkischen Winzer spätestens seit dem Jahr 2000. „Sie haben gelernt, dass gesunde Trauben wichtiger sind als vollreife Trauben“, lobt Hermann Mengler, Fachberater Weinbau beim Bezirk Unterfranken. Und für ein gesundes Traubengut tun sie viel: Laubwandarbeit, Ertragsanpassung und in diesem Jahr verstärkt selektiv lesen.

Hoher Arbeitsdruck

Die hohen Niederschläge im August ließen die Beerenhäute platzen. Idealer Nährboden für die Essigfliege. Für die Winzer galt: Befallene Trauben entfernen, die gesunde Ernte schnell einfahren. „Die physiologische Reife war dank des warmen ersten Halbjahres da“, erinnerte Dr. Kolesch, der in den nächsten Jahren mit ähnlichen Bedingungen rechnet. Für die Winzer heißt das: Hoher Arbeitsdruck im Herbst. Genügend Arbeitskräfte müssen für eine relativ kurze Lesezeit gewonnen werden, die Abläufe optimiert werden. Immerhin: Die fränkische Vorzeigesorte, der Silvaner, kommt mit diesen Bedingungen noch am besten zurecht. Zusammen mit dem Weißburgunder. „Der Riesling hat dagegen Probleme“, so Kolesch.

Der Altweibersommer hat den fränkischen Weinbergen noch einmal richtig gut getan. Auch deshalb zeigten sich die Experten zufrieden mit dem Jahrgang 2014. Lebendig und fruchtig wird er laut Mengler. Sortentypisch. Damit passt er ins Anforderungsprofil der Verbraucher. Auch die durchschnittliche Ertragsmenge von 81 Hektoliter pro Hektar passt gut ins Bild. „Das ist marktgerecht“, urteilt Dr. Kolesch.

Trotz der vielfältigen Probleme und Herausfordrungen sei Weinfranken in diesem Jahr mit einem blauen Auge davon gekommen. Das zeige sich gerade bei einem Blick in andere Anbauländer. Ein Erdbeben im kalifornischen Nappa Valley verursacht einen Schaden von rund 80 Millionen US-Dollar bei den dortigen Winzern. In Italien wird die schlechteste Ernte seit 1950 eingefahren. Der Regen macht auch den Österreichern zu schaffen und große Teile Frankreichs haben mit Überflutungen oder Hagelschaden zu kämpfen. Im Burgund zerstört der Hagel 3000 Hektar Weinbaufläche. Die Hälfte von ganz Weinfranken.

So gesehen können die fränkischen Winzer mit dem Jahrgang 2014 sehr zufrieden sein. Ausruhen ist aber nicht. Die nächsten Herausforderungen werden kommen. Die Arbeit bleibt intensiv.

Jahrgang in Zahlen

Ertragsrebfläche: 6052 Hektar

Durchschnittsertrag: 81 hl/ha

Weinmosternte: 490 000 Hektoliter

Durchschnittliches Mostgewicht: 85 Grad Oechsle

Anteil Prädikatswein: 60 bis 65 Prozent.

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