IPHOFEN

Alle wollen in die „rote Bibel“

Seit zehn Jahren gibt es das Konzept „Franken.Wein.Schöner.Land“. Bei der Jubiläumsveranstaltung am Donnerstag in Iphofen gab es viel Lob für die gute Idee und die erfolgreiche Umsetzung.
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Stationen einer fränkischen Weinbotschafterin: Preisträgerin Nicole Then und Laudator Axel Robert Müller auf der Bühne in Iphofen. Foto: Foto: Ralf Dieter

Von einer Erfolgsgeschichte sprach die amtierende Weinkönigin Christina Schneider bei der Jubiläumsveranstaltung in Iphofen. Einen Erfolg auf der ganzen Linie attestierte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Lob allenthalben für die gemeinsame Idee von Fränkischen Weinbauverband, Tourismusverband Franken, der Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau und den einzelnen Tourismusgebieten im Weinland Franken. Lob, das sich an Zahlen festmachen lässt.

Fast 250 „weinfränkische Genussempfehlungen“ gibt es mittlerweile. Zu finden sind sie in einer ansprechenden Broschüre, die der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Franken, Olaf Seifert, als „rote Bibel“ bezeichnete. Winzer und Weingüter, Gasthäuser und Weinstuben, Heckenwirtschaften, Weinfeste und Gästeführer müssen sich einer intensiven Prüfung unterziehen, bevor sie Aufnahme in die „rote Bibel“ finden.

Als erstklassig bezeichnete Ministerin Aigner in ihrer Festrede nicht nur die Broschüre, sondern die gesamte Werbung für „Wein.Schöner.Land“ – inklusive Website und App. Etwa 500 000 Aufrufe hat es im letzten Jahr gegeben, circa 25 000 Downloads der kostenlosen App. „Dieser Auftritt macht was her“, lobte Aigner und zählte sechs weitere Gründe für den Erfolg auf. Wein und Tourismus würden per se gut zueinander passen. In Franken kämen rund 4000 Erzeuger mit Fachwissen und Leidenschaft dazu. Ohne eine „knallharte Kontrolle“ dieser Qualität sei der Erfolg des Konzeptes aber nicht möglich gewesen, meinte Aigner. Ob Weinfeste, Weingüter oder Vinotheken: Alle müssen sich einer Zertifizierung stellen. Wer sich Gästeführer Weinerlebnis Franken nennen möchte, muss eine intensive Ausbildung durchlaufen.

Nach und nach haben die Organisatoren von „Wein.Schöner.Land“ auch besonders schöne Flecken Erde in die Broschüre aufgenommen. „Die magischen Orte des Frankenweins“ sind jetzt um sechs Stellen gewachsen: Rimpar, Ramsthal, Oberschwarzach, Eibelstadt, Alzenau und Randersacker ergänzen die bisherigen „terroir f-Orte“ Iphofen, Sommerach und Volkach. Aigner sprach von Naturerlebnissen, die beim Besucher länger nachklingen.

Und noch ein Punkt sei ausschlaggebend für den Erfolg der letzten Jahre: Der Zusammenhalt in der Region. Von Kirchturmdenken keine Spur, was sich nicht zuletzt an der Erweiterung des Portfolios zeige. Neben den Weingütern und Weingaststätten werden auch die Produzenten von zertifizierten Fisch-, Käse-, oder Schokoladenspezialitäten in der Broschüre aufgeführt. Von dieser Geschlossenheit über einen so langen Zeitraum und auf einem so hohen Qualitätsniveau zeigte sich die Ministerin sichtlich und hörbar beeindruckt. „So etwas gibt es nirgendwo sonst.“ Der Plan sei jedenfalls aufgegangen, die Erfolgsgeschichte werden weiter geschrieben – zumal sich der Kreis der Interessenten stetig ausweite. In Iphofen konnten gestern insgesamt 16 neue Zertifikate überreicht werden.

Der Bekanntheitsgrad und Erfolg von „Wein.Schöner.Land“ lässt sich durch Zahlen belegen. Ariane Hoffmann vom Markt- und Sozialforschungsinstitut Sinus stellte die Ergebnisse einer neuen repräsentativen Online-Befragung vor. Erfreulichste Erkenntnis: Nach Rheinhessen ist Franken die zweitbekannteste Marke unter den deutschen Weinanbaugebieten. Fast 60 Prozent der Befragten äußerten ihr Interesse, Weinfranken zu bereisen. Ganz oben auf der Wunschliste stehen kulinarische Genüsse und ein unbeschwertes Weinerlebnis. Potenzial sei vor allem bei der Gruppe der „Lifestylefokussierten“ und bei den „Kulturbeflissenen“ auszumachen. Menschen, die Qualität suchen, Neues entdecken und ihr Wissen erweitern wollen. Auf diese Personengruppe sollten sich die Macher von „Wein.Schöner.Land“ künftig konzentrieren – ohne freilich die anderen Zielgruppen völlig außer Acht zu lassen.

Wie wichtig der Tourismus für den Freistaat ist, verdeutlichte Ilse Aigner an Zahlen. Rund 90 Millionen Übernachtungen habe es 2016 gegeben. Weinfranken leiste einen entscheidenden Beitrag dafür, dass Bayern das Tourismusland Nummer 1 in Deutschland ist. Olaf Seifert bezifferte den Umsatz im Tourismus in Franken auf neun Milliarden Euro. Etwa 150 000 Arbeitsplätze seien an den Tourismus verknüpft. Alles Argumente, um das Konzept „Wein.Schöner.Land“ auch weiterhin mit Enthusiasmus zu verfolgen.

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