GEESDORF

24 kleine Fachleute im Gartenbau

Ein hochaktuelles Thema mal anders vermittelt: Für die Minigärtner ist saisonale und regionale Ernährung jetzt selbstverständlich.
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Lukas und die anderen Minigärtner erzählen Moderator Daniel Pesch, was sie in den letzten zwei Jahren alles gelernt haben. Fotos: Daniela Röllinger Foto: Daniela Röllinger
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Umwelt- und Klimaschutz, saisonale und regionale Ernährung, natürliche Schädlingsbekämpfung, Trockenheit. Allesamt hochaktuelle Themen. Und alles Themen, denen die Europa Minigärtner Wiesentheid in den letzten zwei Jahren begegnet sind. So lange haben 24 Kinder gemeinsam mit Projektleiterin Margot Burger die Grüne Branche erkundet.

Die Aktion „Europa Minigärtner“ soll bei Kindern das Bewusstsein für Pflanzen, den Garten, den Wert der gärtnerischen Leistung und die hergestellten Produkte wecken. Wo kommt die Gurke her, wie wird sie angebaut? Warum gibt es Spargel nur zu einer bestimmten Jahreszeit? Wie schmecken die unterschiedlichen Apfelsorten? Warum kann Rollrasen bei Trockenheit nicht verlegt werden? Wie wirkt sich fehlender Regen auf die Obsternte aus? Worauf ist beim Pflanzen von öffentlichem Grün zu achten? Diesen und vielen weiteren Fragen gingen 24 Mädchen und Jungen aus dem Landkreis Kitzingen bei ihrem zweijährigen Projekt nach. Initiiert und organisiert hat die Aktion Margot Burger aus Geiselwind, als Mitarbeiterin der LWG selbst Fachfrau in der Grünen Branche.

Der Startschuss fiel im September 2017 beim Tag der offenen Tür bei Pflanzen Weiglein in Geesdorf. Genau dort haben Kinder, Eltern, Betriebe und Sponsoren am Sonntag ihre Aktion auch wieder beendet. Landrätin Tamara Bischof hat als Kind auf dem Bauernhof Kartoffeln geerntet und geholfen, Birnenschnitz' einzumachen, erzählte sie im Gespräch mit Daniel Pesch, der die Abschlussveranstaltung moderierte. Viele Kinder kennen das heute nicht mehr, bedauerte sie. „Die Minigärtner haben gelernt, dass Pflanzen gepflegt werden müssen und sie haben Verständnis dafür, dass es nicht jede Obstsorte das ganze Jahr über gibt.“ Bischof hatte das Projekt unterstützt, genauso wie die Bürgermeister von Wiesentheid, Geiselwind und Prichsenstadt, Dr. Otto Hünnerkopf sowie die Sparkasse Mainfranken und die Raiffeisenbank Volkach-Wiesentheid. Für Bürgermeister Dr. Werner Knaier war das selbstverständlich, da es in der Marktgemeinde viele Gartenbaubetriebe gibt. Bürgermeister Ernst Nickel meinte, es müsste eine Pflichtaufgabe sein, Kinder an diese Themen heranzuführen. Auch Projektleiterin Margot Burger findet, es sei heute wichtiger denn je, dass die Kinder mit den „grünen Themen“ vertraut würden. Zudem müssten aber auch die Betriebe in Kommunikation zu den Bürgern treten, damit die erfahren, was vor Ort geleistet werde.

Mit den Minigärtnern haben sie diese Aufgabe erfüllt, das Engagement der über 20 Firmen wurde beim Abschluss vielfach gelobt. Die Inhaber hatten die Mädchen und Buben durch ihre Anlagen geführt, mit ihnen gemeinsam gepflanzt, gepflegt und geerntet und ihnen so manches Betriebsgeheimnis verraten. Selbst Anpflanzversuche gehörten zum breit gefächerten Programm. So manche Pflanze durften die Minigärtner mit nach Hause nehmen und so wachsen daheim in den Gärten jetzt unter anderem Spargel, seltene Tomatensorten und kleine Christbäume – genauso wie demnächst die Apfelbäume der Sorte Roter Aloisius, die Alfons Weiglein den Kindern am Sonntag schenkte. Diese Idee war dem Fachmann für alte Obstsorten gekommen, als er gemeinsam mit den Kindern Bäume veredelte. „Sie waren voll dabei“, lobte er.

Ein weiteres der Ziel des Minigärtner-Projektes ist die Nachwuchswerbung für Berufe der Grünen Branche. Geht es nach einer Umfrage der Minigärtner bei ihren Eltern, wurde auch dieses Ziel erreicht. Neun der Erwachsenen können sich vorstellen, dass ihre Kinder einen Beruf erlernen, der mit Gartenbau zu tun hat – bei 24 Kindern, darunter mehreren Geschwistern, eine tolle Quote. Getoppt wird das nur vom großen Interesse der Mädchen und Buben selbst: Kein einziges Kind ist über die zwei Jahre abgesprungen, obwohl der Übertritt in die weiterführende Schule in die Aktionszeit fiel. Bei fast allen Terminen waren sie vollzählig vor Ort – und bei der großen Abschlussparty in Geesdorf sowieso. Gemeinsam mit ihren Eltern sagten die Buben und Mädchen auch Projektleiterin Margot Burger Danke und überreichten ein Präsent: Ein Apfelbaum und eine hölzerne Gartenbank samt Inschrift wird sie noch lange an das außergewöhnliche Projekt erinnern.

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