KITZINGEN

Liebe für alle – Hass für keinen

Muslime starten eine Informationskampagne im Landkreis Kitzingen. Ihr Ziel: Aufklären, um die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.
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„Wir sind alle Deutschland“. Tayab Ahmad, Dogar Muzafar Ahmad, Arbab Ahmad, Hassan Manzoor Ahmed und Ahmad Malik starten die Informationskampagne im Landkreis Kitzingen. Foto: Foto: Ralf Dieter
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„Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Der Mann, der diesen Satz spricht, ist in Pakistan aufgewachsen, hat 14 Semester in London studiert und lebt seit 2014 in Hessen. Arbab Ahmad ist Islamischer Theologe und Imam in Offenbach. Am Donnerstag stellte er zusammen mit seinen Glaubensbrüdern eine Informationskampagne vor, die vier Wochen lang im Landkreis Kitzingen laufen soll. Startschuss ist am Samstag, 30. März, auf dem Kitzinger Marktplatz.

„Wir sind alle Deutschland“, steht auf den Flyern, die in den kommenden Wochen hundertfach verteilt werden. „Wir wollen die Gesellschaft nicht weiter spalten, sondern zusammenhalten“, erklärt der Imam und betont die Grundsätze der Muslime, die zur Reformbewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) gehören: Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, Absolute Gerechtigkeit, Kein Zwang im Glauben, Gleichwertigkeit von Mann und Frau sowie die Trennung von Religion und Staat.

Gerade Letzteres ist den Männern beim Pressegespräch wichtig. Länder wie der Irak oder Saudi-Arabien seien keine guten Beispiele für einen friedlichen Islam. „Dort werden Politik und Religion zum Teil bewusst miteinander vermischt“, erklärt Hassan Manzoor Ahmed, der in Sommerach lebt. Die Mitglieder der AMJ wollen dabei nicht mitmachen. „Wir sind für eine Trennung von Religion und Staat“, versichert Hassan Ahmed und hofft, dass die Kampagne dazu beiträgt, dass die Bürger in Deutschland den klaren Unterschied zwischen gläubigen Muslimen und fanatischen Extremisten erfahren.

Die AMJ ist 1889 von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad in Indien gegründet worden, mittlerweile hat die islamische Reformbewegung nach eigenen Angaben mehrere Millionen Anhänger in mehr als 200 Ländern der Welt. Im Landkreis Kitzingen besteht die Gemeinschaft aus 46 Mitgliedern. Gemeindevorsitzender ist Ahmad Malik, der mit seiner Frau und vier Kindern seit 1985 in Kitzingen lebt. „Das Miteinander war hier nie ein Problem“, sagt er und freut sich über die Offenheit gegenüber anderen Religionen in Deutschland.

Demonstrationen gegen Flüchtlinge, ausländerfeindliche Parolen, brennende Moscheen: Nicht alle Deutschen sind so offen und tolerant, wie es Ahmed Malik beschreibt. Eine Gebetsstätte der AMJ in Stuttgart ist vor ein paar Monaten in Brand gesetzt worden. Dennoch sagt Imam Arbab Ahmad: „Man darf das nicht verallgemeinern.“ Grundsätzlich seien die Deutschen sehr tolerant und gastfreundlich. Voreiligen Schuldzuweisungen müsse man entgegenwirken. In ihrer Kampagne gehe es ihnen ja genau darum: Vorurteile abzubauen durch Aufklärung und Gespräche.

Die Kampagne läuft deutschlandweit seit 2015. Nach und nach soll jeder Landkreis, jedes Dorf in Deutschland besucht werden. In Kitzingen sind Informationsstände am 30. März und 20. April geplant, in Dettelbach am 6. April und in Iphofen am 13. April. Mitglieder der Religionsbewegung wollen aber auch in die kleinen Ortschaften und Ortsteile fahren und das Gespräch mit den Einheimischen suchen.

„Wir haben bislang durchweg gute Erfahrungen gemacht“, versichert Arbab Ahmad und berichtet von einer Exkursion in den Landkreis Hof. Das Navi habe schon versagt, als er in ein kleines Dorf gekommen ist und Menschen auf der Straße angesprochen hat. „Viele hatten das erste Mal Kontakt mit einem Muslim“, sagt er. „Und sie haben zugehört und sich bedankt.“

Vorurteile entstehen oft aus einer gewissen Unkenntnis heraus. Diese Erfahrung hat Hassan Ahmed gemacht. Diese Unkenntnis wollen die Mitglieder der AMJ mit ihrer Informationskampagne entgegentreten, dem Land, in dem sie sich heimisch fühlen, etwas zurückgeben und ihr Motto unter die Menschen bringen: Liebe für alle – Hass für keinen.

Wir alle sind Deutschland

Geschichte: Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) ist eine Reformbewegung im Islam. Gegründet wurde sie 1889 in Indien. Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad erklärte sich zum „Mudschaddid“ – zum religiösen Erneuerer, gekommen, um die Lehre des Koran zu erneuern.

In Deutschland gibt es derzeit rund 45000 Mitglieder in etwa 220 lokalen Gemeinden. Es gibt mehr als 50 eigene Moscheen und 70 Gebetszentren. Seit 2013 ist die AMJ Körperschaft öffentlichen Rechts, bildet ihre Imame in einer eigenen Hochschule in Hessen aus.

Informationskampagne im Landkreis Kitzingen: Ab Samstag, 30. März bis Ende April sollen alle Ortschaften und Ortsteile besucht werden. Informationsstände und eine zentrale Informationsveranstaltung in Kitzingen sind geplant.

Außerdem ist geplant, in zwei Gemeinden des Landkreises Friedensbäume zu pflanzen. Titel der Aktion: „Wir alle sind Deutschland.“

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