KITZINGEN

Leoni streicht Jobs in Kitzingen

Schlechte Nachrichten vom Autozulieferer Leoni: In der Außenstelle Kitzingen will das Nürnberger Unternehmen Arbeitsplätze streichen. Wie viele genau, ist nicht klar.
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Schlechte Nachrichten kommen vom Autozulieferer Leoni: In der Außenstelle Kitzingen will das Nürnberger Unternehmen Arbeitsplätze streichen. Wie es am Donnerstag in einer Mitteilung hieß, seien in der Bordnetz-Sparte 1100 Stellen betroffen, 70 davon in Deutschland.

Da die Bordnetz-Sparte ihre Zentrale in Kitzingen hat, sei dieser Standort von der Streichung „größtenteils betroffen“, sagte Konzernsprecher Sven Schmidt auf Anfrage. Genau Zahlen könne er noch nicht nennen, da darüber die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat verhandle.

Kündigungen im Gespräch

Schmidt zufolge werde es beim Stellenabbau zwei Optionen geben: betriebsbedingte Kündigungen oder Aufhebungsverträge. Was in Kitzingen zum Tragen komme, werde derzeit ebenfalls verhandelt. In der Niederlassung im Stadtteil Etwashausen arbeiten nach Firmenangaben knapp 1000 Menschen, fast 200 mehr als noch vor drei Jahren.

Überraschend kommt der Jobabbau nicht. Das im M-Dax notierte Unternehmen hatte schon im März wissen lassen, dass er Probleme mit der Bordnetz-Sparte habe und deswegen an entsprechende Konsequenzen denke. Details nannte der Vorstand damals nicht, kündigte aber Einzelheiten zum Stellenabbau innerhalb des dann folgenden Vierteljahres an.

Bordnetz-Bereich zu teuer

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen. Sprecher Schmidt erläuterte gegenüber unserer Redaktion, dass der Bordnetz-Bereich zu hohe Kosten verursacht habe, weil seine Organisationsstruktur zu groß geworden sei. Nun würden im Konzern zwei von fünf Hierarchie-Ebenen rausgenommen, um damit wiederum die Bordnetz-Sparte zu verschlanken. Dort würden nun „die Abstimmungswege verschlankt“, der Zuschnitt der Abteilungen werde sich ändern.

Leoni sieht sich als Europas führender Anbieter von Kabeln und Kabelsystemen – vor allem für die Automobilindustrie. Von Leoni stammen zum Beispiel Kabelstränge, die in neue Autos eingebaut werden. Der Konzern geht auf die Gründung eines Drahtwerks in Nürnberg im Jahr 1569 zurück. Heute arbeiten in 32 Ländern 75 000 Menschen für Leoni. Der Konzern machte 2015 nach eigenen Angaben einen Überschuss von 77,3 Millionen Euro (2014: 115,1).

Ebit soll beflügelt werden

Von dem Konzernumbau verspricht sich Leoni neben der organisatorischen Straffung natürlich einen positiven Effekt auf die Geschäftszahlen: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde 2017 wohl um 30 Millionen Euro zunehmen. Der Ebit lag 2015 bei 151,3 Millionen Euro (2014: 182,5).

Für Entsetzen den Aktionären hatte Leoni im Oktober gesorgt, als der Konzern eine Gewinnwarnung herausgab. Man werde die Gewinnziele für 2015 und 2016 wohl nicht erreichen, hieß es damals. Daraufhin stürzte die Leoni-Aktie ab. Als Grund für die Gewinnwarnung gab der Konzern damals an, dass der Bordnetz-Bereich „überraschend stark“ belastet sei.

Noch vor einer Woche hatte Leoni mit einer positiven Meldung aufhorchen lassen: Der Konzern habe von der PSA-Gruppe (Peugeot und Citroen) zwei Folgeaufträge im Wert von zusammen 500 Millionen Euro erhalten. Das beinhalte, dass ein Nachfolgemodell der Marke DS sowie die neue Generation von Peugeot 208 und 2008 mit Leoni-Bordnetz-Systemen ausgestattet werden.

Bis vor kurzem noch in Kitzingen investiert

Der Konzern hat in den vergangenen drei Jahren deutlich in seine Niederlassung investiert. 2013 hatte es geheißen, man wolle 30 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Bereiche Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung voranzubringen. Davon sei „ein Großteil“ bis heute umgesetzt worden, sagte Konzernsprecher Schmidt am Donnerstag.

Dieses Modernisierungsprogramm sei derzeit in seiner zweiten Phase, die noch nicht abgeschlossen ist, teilte Schmidt mit. Bislang seien 20 der 30 Millionen Euro investiert worden.

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