Würzburg
Gericht

Lehrer weist Mordvorwurf von sich

Eine Lehrer wollte seine Ehefrau mit zwei Gasflaschen und einem Feuerzeug zu einem friedlichen Weihnachtsfest zwingen. Doch die zischte lieber ab. Jetzt musste sich der Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.
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Warum er seine von ihm bereits teilweise getrennt lebende Ehefrau ausgerechnet mit zwei Camping-Gasflaschen und einem Feuerzeug vor Weihnachten 2011 zu einem Versöhnungsgespräch zwingen wollte, hat ein 53-jähriger Lehrer am Dienstag als Angeklagter vor dem Schwurgericht wortreich zu erklären versucht.

Dass er sich und die Frau zwei Tage vor dem Heiligen Abend in Marktheidenfeld in die Luft jagen wollte, in totaler Verzweiflung, hat der Mann ebenso ausführlich bestritten: "Um Himmels Willen - nein. Wir hatten doch noch so viel miteinander vor, ich liebe sie doch immer noch." In seinem Handy war die Frau unter "Wildsäule" gespeichert, wenn er sie "Sau" nannte, sei das auch immer nur liebevoll gemeint gewesen. Die Ehefrau des Angeklagten, wie dieser zum zweiten Mal verheiratet, wird in dem Prozess keine Aussage machen. Sie will sich von dem Angeklagten trennen, aber ihn nicht als Zeugin belasten.

Passiert ist nichts an jenem 22. Dezember in Marktheidenfeld, dennoch ist der Pädagoge wegen versuchten Mordes und wegen einer versuchten Explosion angeklagt. Dabei ging es ihm nach seiner Darstellung nur darum, nach viel Knatsch in den Monaten vorher im Gespräch ein stressfreies gemeinsames Weihnachtsfest vorzubereiten. Dazu hat der Angeklagte, so seine Einlassung, die Gasflaschen aus dem Wohnmobil mitgenommen, damit die Frau ihm zuhört, ihn nicht unterbricht und schon gar nicht beleidigt, wie so oft vorher.
Er habe die Frau mit den Gasflaschen nur ein bisschen schockieren wollen, um dann Details eines Weihnachtsfestes in Harmonie zu besprechen. Nach vielen Demütigungen habe er einfach mal ernst genommen und nicht ausgelacht werden wollen.

"Nur einmal kurz zischen lassen"


Dass der Mann hilflos und verzweifelt war, haben ihm die Richter und sogar der anklagende Oberstaatsanwalt abgenommen, dass die Sache mit den Gasflaschen nur eine Show-Einlage gewesen sein soll, aber nicht. Der Angeklagte behauptet, er habe es nur ganz kurz aus einer der Flaschen zischen lassen und nicht zwei Mal, wie die Ehefrau behauptet. Außerdem sei der Zündmechanismus am Feuerzeug defekt gewesen, die Ehefrau will dagegen eine Stichflamme gesehen haben.

Erst wenige Wochen vor dem Zwischenfall hatte der Mann sich unter sehr merkwürdigen Voraussetzungen von seiner Ehefrau "getrennt": Er kaufte sich ein kleines Haus auf der anderen Straßenseite, hatte von dort aus immer die Doppelhaushälfte seiner Ehefrau und die Fenster der Wohnung im Blick und er verbrachte die Wochenenden bei ihr, von Donnerstag- bis Sonntagabend. Die Entfernung zwischen den beiden Häusern sei so günstig knapp gewesen, berichtete der Angeklagte, dass er über ein Mobilteil mit dem Telefon im Haus der Frau in Verbindung blieb.

Sich selbst beschrieb der Lehrer als im vergangenen Jahr schwer vom "Burnout" gezeichnet, durch Übernahme von zu viel Verantwortung auch überfordert, zuletzt habe er nicht einmal mehr den Stundenplan im Kopf gehabt und wann er in welche Klasse gehen musste: "Das Schlimmste für einen Lehrer". Er sei krank geschrieben gewesen, habe aber auch in seinem Rückzugs-Quartier auf der anderen Straßenseite die vom Arzt verordnete Ruhe nicht finden können. Ablenken durch Arbeiten in dem stark renovierungsbedürftigen Häuschen sei nicht gelungen. Er habe einen Zwei-Fronten-Krieg geführt, bei dem auch Eifersucht, die er als aus seiner Sicht begründet beschrieb, eine Rolle spielte.

Konfliktmanagement funktionierte nicht mehr


Als die Frau beim Anblick der Gasflaschen in Panik aus dem Haus rannte, sei ihm klar gewesen, dass es mit einem schönen Weihnachtsfest nun endgültig vorbei sei. Er habe ihr noch nachgerufen, dass er doch nur mit ihr reden wollte. Sein Anwalt versuchte die schwer nachvollziehbare Erklärung des Angeklagten für dessen einfach verrücktes Tun verständlich zu machen: Das Konfliktmanagement seines Mandanten habe überhaupt nicht mehr funktioniert. Vieles von dem, was scheinbar nicht nachvollziehbar ist, sei darauf zurück zu führen, dass der Angeklagte als Lehrer glaube, alles erklären zu können und erklären zu müssen, obwohl er daran zum Teil gar keine Erinnerung mehr habe.

Da der Angeklagte am Nachmittag vor dem Gasflaschen-Einsatz bei Reparaturarbeiten in seinem Haus sechs oder sieben Bier getrunken hat, werde sein Erinnerungsvermögen, soweit überhaupt vorhanden, überlagert durch das, was er in den Akten gelesen hat. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.
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