Würzburg
Gericht

Lehrer wegen versuchten Mordes angeklagt

Kurz vor Weihnachten 2011 hat es in Marktheidenfeld einen großen Aufruhr gegeben. Sondereinsatzkommandos der Polizei hatten die Wohnung eines Lehrers umstellt. Er soll seiner Frau mit Mord gedroht haben.
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Das Würzburger Landgericht verhandelt wegen versuchtem Mord gegen einen Lehrer.
Das Würzburger Landgericht verhandelt wegen versuchtem Mord gegen einen Lehrer.
In den Weihnachtsausgaben bayerischer Zeitungen war ein 53 Jahre alter Lehrer aus Marktheidenfeld im vergangenen Jahr mit einem großen Beitrag vertreten: Er soll zwei Tage vor dem Heiligen Abend in Marktheidenfeld seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit zwei Gasflaschen aufgesucht und angedroht haben, das Haus in die Luft zu jagen.

Prozess beginnt

Am morgigen Dienstag beginnt vor dem Schwurgericht in Würzburg der Prozess gegen den Förderlehrer, der unter anderem wegen versuchtem Mord angeklagt wird.

In der erst vier Jahre alten Ehe soll es, so die Ermittlungsbehörden, unter anderem wegen grundloser Eifersucht häufig Streit gegeben haben. Deswegen sei der Lehrer aus der Doppelhaus-Hälfte seiner Ehefrau ausgezogen, aber so richtig getrennt hatte er sich nicht von ihr, wie der für den Fall zuständige Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen erklärt. Als "Refugium" hatte der Lehrer ein Haus auf der anderen Straßenseite gemietet und sich dort mit der Trennung offensichtlich weder abfinden können noch wollen.

Bevor der Lehrer am 22. Dezember gegen 21 Uhr seine Ehefrau auf der anderen Straßenseite aufsuchte, soll er seine Mutter angerufen und mitgeteilt haben, dass er jetzt rüber gehe und sie umbringen werde.
Zu dem Gespräch mit der Ehefrau soll er zwei Gasflaschen mitgebracht und als Begründung dafür angegeben haben, dass sich "gleich alles erledigen wird". Die Camping-Gasflaschen hatte der Mann zuvor aus seinem Wohnwagen geholt. An einer soll er in der Wohnung seiner Ehefrau den Verschluss geöffnet haben. Hörbar sei Gas ausgetreten. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, ein Feuerzeug kurz entzündet zu haben, ein explosives Gas-Luft-Gemisch hatte sich aber offensichtlich nicht oder noch nicht gebildet. Bei Vernehmungen soll der Lehrer später erklärt haben, es hätte überhaupt nichts passieren können. Da er auch Physik unterrichtet, habe er die Situation voll im Griff gehabt.

Die 47 jährige Ehefrau war nach der Bedrohung mit den Gasflaschen aus dem Haus gerannt und zu Nachbarn geflohen, die einen Notruf absetzten. Mit dieser Reaktion hatte der Lehrer, so die Staatsanwaltschaft, nicht gerechnet, er hat die geöffnete Gasflasche wieder geschlossen, beide Flaschen mitgenommen, sich in sein Haus auf der anderen Straßenseite zurückgezogen und dort verschanzt.

Für die Feuerwehr, die anschließend ein provoziertes Gas- Unglück mit den Camping-Flaschen oder durch Manipulation an der Gasleitung des Hauses nicht ausschließen konnte, für den Rettungsdienst und die Polizei wurde es ein stundenlanger Einsatz. Die Umgebung des Hauses, in dem sich der Lehrer aufhielt, wurde großräumig zur Sicherheitszone erklärt, Anlieger sind vorsichtshalber ins nahe Krankenhaus evakuiert und im Schwesternheim versorgt worden.
Erst gegen Mitternacht kam es zu einem telefonischen Kontakt der Polizei mit dem Mann durch Angehörige einer Verhandlungsgruppe, die ihn allerdings zunächst nicht zur Aufgabe bewegen konnten.

Zum Sturm eines angeforderte Sondereinsatzkommandos der Polizei auf die Wohnung des Lehrers kam es nicht, gegen 0.45 Uhr ist der Mann am nächsten Morgen vor seinem Haus festgenommen und in Handfesseln abgeführt worden. Da hatte er, wie sich später herausstellte, über 1,5 Promille Alkohol im Blut, er wurde zunächst in das Bezirkskrankenhaus nach Lohr gebracht. Als er das Aufgebot vor seinem Haus sah, soll er gesagt haben: Ja seid ihr verrückt, was soll denn der Aufwand?
Das Schwurgericht hat für den Fall drei Verhandlungstage angesetzt.

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