IPHOFEN

Legenden um den Felsenkeller

Laut ging es zu im Felsenkeller zu Iphofen, und wenn man alten Schriften glauben darf, manchmal auch ein wenig unsittlich.
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Der Eingang zum Iphöfer Felsenkeller liegt eher unscheinbar und verborgen unterhalb des verlassenen Anwesens Herbig, das wie im Dornröschenschlaf wirkt. Foto: Foto: Eike Lenz

Laut ging es zu im Felsenkeller zu Iphofen, und wenn man alten Schriften glauben darf, manchmal auch ein wenig unsittlich. Manches liest sich wie eine Notiz aus dem Polizeibericht. Aber das ist lange her, sehr lange. Und wer hätte sich noch an das historische Gemäuer erinnert, hätte nicht kürzlich der Zufall zugeschlagen?

Der städtische Bauausschuss ist darauf gestoßen, und das im Sinne des Wortes. Nachdem der Bewohner des Hauses im vergangenen Jahr gestorben war, machten sich die Stadträte auf zu einem Ortstermin. Eigentlich ging es nur darum, das verwahrloste Anwesen in städtischem Besitz dem Erdboden gleichzumachen und den gewonnenen Raum als Bauplatz auszuweisen. Dann aber entdeckten die Räte auf ihrem Rundgang das Relikt, das unter dem Haus in der Schützenstraße schlummert – direkt hineingebaut in den Berg und von außen nur durch eine Holztür zu erreichen.

Spitzbuben im Rat

Wer sich Iphofens Ur-Kataster aus dem Jahr 1828 ansieht, erkennt eine hübsch geordnete Kleinstadt, die von einem Ring dicker Mauern umschlossen ist. Fast alles Leben spielt sich innerhalb dieser Grenzen ab, nur wenige Örtlichkeiten befinden sich außerhalb: Ziegelhütte, Schießhaus, Spitalmühle – und eben der Felsenkeller im Nordosten, früher wohl ein brodelnder Hort, um den sich einigen Legenden ranken.

Für den 9. Juli 1778 findet sich im Ratsprotokoll der Eintrag über einen stadtbekannten Färber. Auf den Bierbänken habe sich der Barthel Breunig „despektierlich“ geäußert: Unter den Ratsleuten befänden sich „zwei Spitzbuben“. Was der Rat von seinem Bürger wissen wollte: wer nun die Spitzbuben seien.

Mehr als 50 Jahre später hat sich der Keller offenbar zu einem beliebten Treff für die Jugend entwickelt, wie der inzwischen verstorbene Ehrenbürger Andreas Brombierstäudl einst in den Iphöfer Nachrichten berichtete.

„Verderbliche Unordnungen“ hat das zuständige Landgericht im Blick, als es im Oktober 1833 den „Besuch der Wirtshäuser, Felsenkeller, Schenken und Tanzplätze durch Sonntagsschüler beiderlei Geschlechts“ geißelt und – damit nicht genug – auch noch das „Herumschwärmen derselben bis in die tiefe Nacht auf den Straßen“.

Die heutige Stadtverwaltung gelangt nach Auswertung historischer Dokumente zum Ergebnis, dass es im Felsenkeller wohl häufiger zu „reichlich Alkoholgenuss“ gekommen sei – und als Folge dessen „nicht selten zu Ausschreitungen“.

Die Frage ist nun, wie man mit dieser geschichtsträchtigen Stätte umzugehen habe. Das Haus, das über dem Keller steht, das ehemalige Anwesen Herwig, ist zwar dem Untergang geweiht. Aber was den Felsenkeller angeht, sagte Matthias Kurth, Leiter des Bauamts, kürzlich im Bauausschuss: „Ich traue mich nicht, mit dem Bagger reinzufahren.“ Also erhielt Kurth den Auftrag, den Keller statisch untersuchen und vermessen zu lassen. Unklar ist, wie es mit dem alten Gemäuer weitergehen soll.

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