Marktbreit

Lebensretter

Amphibien überleben dank Menschen wie Christiane Federolf.
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Glückliche Erdkröte. Dank der ehrenamtlichen Helfer im Landkreis Kitzingen kommen Tausende von ihnen sicher über die Straßen.
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Christiane Federolf zieht die rote Warnweste über, nimmt den weißen Eimer in die Hand und schon kann es losgehen. Die Kontrolle der rund 300 Meter langen Zäune zwischen Marktbreit und Gnodstadt ist für sie längst zur Routine geworden. Christiane Federolf ist eine von rund 25 freiwilligen Helfern, die im Landkreis Kitzingen zigtausend Kröten vor dem Überfahren retten.

25 Amphibien-Übergänge gibt es im Landkreis. Meist sind es grüne, rund zehn Zentimeter hohe Planen, die auf beiden Seiten der Straßen befestigt sind. Jahr für Jahr machen sich die Mitarbeiter des Straßenbauamtes an die Arbeit, um diese Hürden zu errichten. In diesem Jahr war es Anfang März soweit.

Zwischen Marktbreit und Gnodstadt ist 2017 das erste Mal ein Amphibien-Zaun aufgestellt worden. Die Vorsichtsmaßnahme rentiert sich. Tausende Kröten haben die Helfer des örtlichen Bund Naturschutz seither über die Straße geholfen. Neben Christiane Federolf und ihrem Mann Jürgen beteiligt sich auch Torsten Hemm an der Aktion. Früh aufstehen, heißt das in der Regel. „Die Kröten sind dämmerungsaktiv“, erklärt Christiane Federolf. Um 6.30 Uhr ist sie in der Regel an Ort und Stelle. Abends, ab 20.30 Uhr, kontrolliert ein Helfer die Eimer noch einmal.

Etwa zehn Stück sind auf beiden Seiten der Straße ins Erdreich eingelassen worden. Auf ihrer Suche nach einem Übergang plumpsen die Kröten in die Eimer und müssen auf ihre Retter warten. „Letzten Dienstag waren es insgesamt fast 150“, sagt Christiane Federolf und staunt heute noch über die hohe Zahl. Das Gewitter und die warmen Temperaturen haben die Amphibien offensichtlich noch einmal so richtig aktiviert.

Die Helfer führen akribisch Buch über ihre Funde und melden sie ans Landratsamt. Zwischen Marktbreit und Gnodstadt sind es fast immer Erdkröten, die über die Straße gebracht werden, an anderen Stellen landen auch Kreuz- und Knoblauchkröten in den Eimern. Molche finden sich verstärkt im Steigerwaldgebiet, wie Dieter Lang von der Unteren Naturschutzbehörde berichtet.

Zusammen mit seinem Kollegen Hartmut Brick koordiniert er Jahr für Jahr die Rettungsaktionen im Landkreis. 13 direkte Ansprechpartner haben die beiden. Von Marktbreit bis Volkach. Die haben wiederum ihre Helfer vor Ort. Eine kleine Aufwandsentschädigung ist für sie drin. „Den Sprit müssen sie ja nicht auch noch zahlen“, erklärt Dieter Lang. Neue Freiwillige sind immer willkommen.

Vor etwas mehr als 20 Jahren sind die ersten Amphibien-Zäune im Landkreis aufgestellt worden. Die Maßnahmen haben sich mehr als gelohnt. „Dort, wo keine Zäune aufgestellt wurden, ist die Population weggebrochen“, berichtet Dieter Lang. Will heißen: Ohne Zäune finden keine Wanderungen über die jeweiligen Straßen statt. Mit Zäunen schon.

Und die Zahl der Tiere wächst, wie Lang am Beispiel Birklingen erklärt. Zwischen 300 und 400 Amphibien sind dort im ersten Jahr gezählt worden. Jetzt sind es schon mehr als Tausend. Wie viele Kröten es im Landkreis Kitzingen gibt? Bei dieser Frage muss Dieter Lang kurz stutzen. Ein paar Zehntausend seien es sicher. Aber die Zahl variiert von Jahr zu Jahr.

„Es ist einfach ein schönes Gefühl, Leben zu retten.“
Christiane Federolf, Marktbreit

Ein paar hundert Kröten hat Christiane Federolf in den letzten Wochen in der Hand gehalten. „Warm und trocken sind sie“, versichert sie und hält ein Exemplar in die Höhe. „Und eklig sind sie überhaupt nicht.“ Bis zu 20 Erdkröten können schon mal in einem einzigen Eimer sitzen und auf ihre Rettung warten. In den ersten Wochen sind es die Hinwanderer – also diejenigen, die zu ihrem Laichgewässer, dem renaturierten Steinbach mit seinen Tümpeln, wollen. Jetzt sind es fast nur noch Rückwanderer, die sich zwischen Hecken und Steinen einen Unterschlupf suchen. Für sie hat das Landratsamt mittlerweile ebenfalls Zäune aufstellen lässt.

„Autos sind für die Amphibien die größten Feinde“, sagt Christiane Federolf und schaut einem vorbeibrausendem Fahrzeug hinterher. Selbst wenn die Tiere nicht von den Reifen platt gefahren werden, überleben sie es nicht, wenn ein Auto über sie hinwegbraust. „Dann platzen ihre Lungen vom Druck.“

Zu den natürlichen Fressfeinden gehört die Ringelnatter, den Laich fressen Fische oder Stockenten. Auch Molche machen sich über den Laich von Fröschen her. „Das ist ein natürlicher Prozess“, sagt Dieter Lang.

Ein paar Tage noch werden Christiane und Jürgen Federolf sowie Torsten Hemm die Zäune zwischen Marktbreit und Gnodstadt kontrollieren. Dann ist die Saison 2018 gelaufen. Nächstes Jahr wollen sie wieder am Start sein. Warum? „Es ist einfach ein schönes Gefühl, Leben zu retten“, erklärt Christiane Federolf.

Helfer gesucht: Wer sich bei der Amphibien-Rettung engagieren will, kann sich an Hartmut Brick (Tel. 09321/ 928-6214) oder Dieter Lang (Tel. 09321/ 928-6212) von der Unteren Naturschutzbehörde wenden.



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