Kitzingen

Leben retten statt Angst vor Kosten

Nicht zögern, wenn der Rauchwarnmelder piepst - Keine dicke Rechnung zu befürchten
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Ist der Herd noch an? - Nützliche Helfer gegen die Unsicherheit
Rauchmelder in Aufenthalts- und Schlafräumen können Leben retten – allerdings nur, wenn die Nachbarn das Piepsen nicht geflissentlich überhören. DPA

Seit Jahresanfang sind die „Dosen“ an der Decke in jedem Haushalt Pflicht. Die Rauchmelder sollen dafür sorgen, dass Brände rechtzeitig erkannt und bekämpft werden können. Leider haben manche Menschen aber offenbar Angst, den Notruf zu wählen, wenn sie es piepsen hören – weil sie glauben, dass sie den Einsatz bezahlen müssten, falls es gar nicht wirklich brennt. Stadtbrandmeister Markus Ungerer bezieht dazu ganz klar Stellung: „Wenn der Warnton zu hören ist und man deshalb die 112 anruft, wird ein Privatmann auf keinen Fall zur Kasse gebeten.“ Die Bayerische Versicherungskammer bestätigt dies.

Am 1. Juli hat ein Bewohner eines Kitzinger Mehrfamilienhauses alles richtig gemacht. Er hatte gehört, dass in der Nachbarwohnung der Rauchwarnmelder durchdringend piepste. Auf sein Klingeln hin öffnete niemand die Tür. Also wählte er die Notrufnummer 112. Die Kitzinger Feuerwehr öffnete gewaltsam die Tür zur Wohnung und konnte gerade noch verhindern, dass ein Küchenbrand sich ausweitete. Die Wohnungsinhaber waren weggegangen und hatten vergessen, den Herd vorher auszuschalten. „Hätte der Nachbar nicht so souverän reagiert, hätte das verbrannte Essen das ganze Haus in Gefahr gebracht. So war die Wohnung nur verraucht“, stellt Markus Ungerer fest.

Zwei Tage vorher, am 29. Juni, musste die Kitzinger Feuerwehr eine weniger gute Erfahrung machen. Ebenfalls aus einem Mehrfamilienhaus wurde gemeldet, dass seit ein bis zwei Stunden ein Rauchmelder Alarm gebe. Warum der Nachbar das Geräusch so lange „verdrängt“ hat? „Gegenüber den Kollegen hat er gesagt, er habe Angst davor gehabt, dass ihm der Einsatz in Rechnung gestellt wird, falls es ein Fehlalarm sein sollte. Also hat er lieber noch ein bisschen abgewartet. Zum Glück war nur die Batterie des Melders leer – andernfalls hätte es ein Unglück gegeben.“

Einige Zeit zuvor war die Kitzinger Feuerwehr von einem anderen Mann gerufen worden. „An Ort und Stelle hat der Anrufer uns erklärt, dass der Rauchmelder des Nachbarn schon den ganzen Nachmittag über zu hören war. Als ich den Mann daraufhin gefragt habe, warum er dann nicht eher bei der Rettungsleitstelle angerufen hat, war die Antwort diese hier: Weil das Geräusch mich erst jetzt beim Fernsehen stört‘“, berichtet der FFW-Kommandant.

Solch krasse Fälle von Egoismus sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber seitdem alle Haushalte der Melder-Pflicht unterliegen, häufen sie sich. Markus Ungerer nimmt dies zum Anlass, auf korrektes Verhalten hinzuweisen: „Sobald man den Ton eines Rauchmelders hört, geht man zu der entsprechenden Haus- oder Wohnungstür, man klingelt, klopft, ruft. Macht einem niemand auf, wählt man die Nummer 112. Über die Rettungsleitstelle werden dann die richtigen Einsatzkräfte angefordert. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, dass der Rauchmelder einen Defekt hatte und es gar keinen Brand gab, bekommt der Anrufer garantiert keine Rechnung.“ Im Amtsdeutsch sei das dann eine „fälschliche Annahme“, für die kein Privatmann belangt werde. Nur, wer mutwillig den Notruf missbrauche, der könne dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis erleichtere natürlich einiges, meint Ungerer. „Wenn ich meinen Nachbarn kenne und weiß, wann normalerweise jemand daheim ist, kann ich leichter einschätzen, ob eine Gefahr besteht. Von Vorteil ist es natürlich, wenn das Verhältnis so gut ist, dass man gegenseitig einen Schlüssel besitzt.“ Dann muss die Feuerwehr im Zweifelfall auch die Tür nicht gewaltsam aufbrechen, sondern kann zusammen mit dem Nachbarn nachsehen, was los ist. „Wir haben schon Leute schlafend auf der Couch gefunden.“

Wenn nicht klar ist, ob der Nachbar im Haus ist, der Rauchmelder aber in den höchsten Tönen piepst, ist schnelles Handeln gefragt. „Dann geht's um Menschenleben, dann müssen wir zur Not gewaltsam in die Wohnung eindringen.“ Gerade in Neubauten mit viel Dämmmaterial sei die Gefahr zu ersticken, sehr groß: „Schwelbrände kommen hier weitaus häufiger vor als offene Brände.“

Falls die Feuerwehr die Tür aufbrechen muss, wird dafür auch nie der Alarmierende zur Kasse gebeten. Die Pressebeauftragte der Bayerischen Versicherungskammer, Dr. Inge Sommergut, stellt auf Anfrage fest: „Wird wegen eines Alarmtons die Feuerwehr gerufen, entstehen für den Meldenden keine Kosten – siehe Artikel 28 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes.“

Aber wer haftet dann für den entstandenen Schaden, wenn bei einem Fehlalarm die Feuerwehr die Tür oder ein Fenster gewaltsam öffnen muss? „Bei einem Fehlalarm übernimmt der Gebäudeversicherer die Kosten für Beschädigungen nicht. Versichert sind Kosten für die Beseitigung von Gebäudebeschädigungen nur in Folge eines Versicherungsfalles. Dieser tritt bei einem Fehlalarm jedoch nicht ein“, sagt Dr. Sommergut. Für mögliche Leistungen aus der Haftpflichtversicherung müsse man immer den Einzelfall genau betrachten, eine pauschale Antwort gebe es hier nicht. Wenn der Rauchmelder defekt war, komme eine Herstellerhaftung in Betracht. „Wenn der Rauchmelder unsachgemäß angebracht war oder nicht gewartet wurde, dann kommt eine Haftung des Betreibers beziehungsweise Eigentümers in Betracht.“ Sofern der Mieter seine Obhutspflicht vernachlässigt hat oder der Fehlalarm zum Beispiel durch Zigarettenqualm in der Wohnung entstanden ist, weil der Mieter nicht gelüftet hat, könne auch der Mieter in Haftung genommen werden.

Fazit: Wenn der Rauchmelder piepst, ist Handeln angesagt. Und dafür, dass er nur in echten Notfällen piepst, haben der Hauseigentümer und der Mieter Sorge zu tragen.

Kleine Lebensretter

Rauchwarnmelder: In Bayerns Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, die zu Aufenthaltsräumen führen, seit 1. Januar 2018 jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben, der die DIN-14604-Norm erfüllt. VDS-Zertifikate oder ein Q-Label sind nicht zwingend erforderlich, Markus Ungerer rät aber dazu, denn unter anderem sollen die Batterien solcher Geräte zehn Jahre lang halten. „Und nach dieser Zeit sollte man sich, um auf Nummer sicher zu gehen, generell neue Rauchmelder anschaffen.“

Weitergehende Infos zum Thema: Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung: www.infs-ev.org.



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