KITZINGEN

Leben auf der Landebahn im Grünen

Nach sechs Jahren Stillstand ist der Kitzinger Flugplatz wieder in Betrieb. Die ersten Maschinen sind bereits geflogen. Der Luftsportclub hat schon große Pläne.
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Die Freigabe für den Sonderlandeplatz Kitzingen macht es möglich. Die Segel- und Motorflieger, wie hier die leidenschaftliche Pilotin Utta Poch, starten durch. Foto: Foto: Harald Meyer
„Wir wollen neue Flugschüler.“
Herbert Sattler, LSC-Vorsitzender

Die Begeisterung ist unübersehbar. Utta Poch strahlt, als sie die Motormaschine aus dem Hangar am Kitzinger Flugplatz zieht. Nach sechs Jahren Zwangspause darf sie in ihrer fliegerischen Heimat wieder durchstarten. „26 Jahre bin ich hier geflogen“, sagt die einstige Vorsitzende des Luftsportclubs Kitzingen (LSC), der am Samstag den Sonderlandeplatz in Betrieb genommen hat. Utta Poch liebt das Gelände mit dem tollen Schwanbergblick: „Stadtnah und schön gelegen.“

Zwei Flugveteranen im Anflug

Die Landebahn im Grünen – Teil der 200 Hektar großen ehemaligen Harvey Barracks – nehmen am Wochenende die ersten Flugenthusiasten unter die Räder ihrer Maschinen. Die Premierelandung übernehmen zwei LSC-Flugveteranen: Bruno Malcher und Horst Hauser, früher Fluglehrer und mit jahrzehntelanger Erfahrung ausgestattet, setzen ihre Maschinen – eine von Giebelstadt, die andere von Hassfurt kommend – auf die 1,4 Kilometer lange Betonpiste.

Das Duo macht den Anfang, weitere Gäste mit Motor- und Segelfliegern schweben am Wochenende ein. Das einst rührige Leben am Flugplatz, es kommt auf das lange verwaiste Gelände zurück. „Es spricht sich schneller rum, wie gedacht“, sagt ein sichtlich erleichterter Herbert Sattler, der im LSC-Heim den Neuanfang mitkoordiniert. Der LSC-Vorsitzende kämpfte seit 2011, als das Luftamt Nordbayern das Gelände wegen möglicher Bombenblindgänger sperrte, um den Platz und den Bestand des Vereins.

Trotz langer Sperre: Mitglieder bleiben LSC treu

Beides ist Sattler gelungen. Wobei Letzteres eine reife Leistung ist. Trotz allem Hin und Her um den Flugplatz, trotz jahrelangen Wartens sind fast alle LSC-ler ihrem Verein treu geblieben. Rund hundert Mitglieder – die Hälfte aktive Flieger – gehen mit Sattler an den Neustart: „Das zeigt die Verbundenheit.“

Die praktische Verbundenheit ist schon am Wochenende sichtbar. Utta Poch und andere Piloten heben von ihrem Flugplatz ab, zwei Ultraleichtflieger – ein Novum für den LSC– schweben ein. Der Sonderlandeplatz geht von Null ab Richtung Normalbetrieb. Sechs Privatmaschinen sind laut Sattler bereits stationiert, vier Ultraleichtflieger kommen noch. Und der LSC hat noch eigenes Fluggerät: eine Motormaschine, ein Motorsegler und fünf Segelflieger.

„Wir wollen neue Flugschüler“

Die leichten Flieger, denen der Wind das Hochgefühl am Himmel verleiht, will Sattler für seine Nachwuchswerbung nutzen. Die Jugendarbeit solle nun wiederbelebt und verstärkt werden: „Wir wollen neue Flugschüler“. Die dürfen mit 14 Jahren das Gefühl am Steuerknüppel erleben, erklärt Pilot Bertram Poch. „Segelflug ist eine preiswerte Art, zu fliegen“ und sei auch nicht teurer als der Tennissport.

Die LSC-Familie will ihren Sonderlandeplatz in naher Zukunft stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Die offizielle Eröffnung werde in den kommenden vier Wochen sein, meinte Sattler. Das große Ziel der LSC-„Familie“ ist die Rückkehr zu Zeiten, als bis zu 70 Maschinen das Flugfeld belebten. Ein Flugtag soll im nächsten Jahr organisiert werden – mit Blick auf zwei Jubiläen. 1917 wurde das erste Mal in Kitzingen geflogen, 1919 der LSC gegründet.

Stadt und Blum sorgen für Aufwind

Dass der Club überhaupt wieder am Start ist, verdanke er einmal der Stadt, die den Flugplatz mit einer Anschubfinanzierung in die Gänge brachte, betont Sattler. Mit „viel Engagement“ (und einem sechsstelligen Euro-Betrag für Investitionen) habe Markus Blum – Geschäftsführer der Firma Blumquadrat – die LSC-Pläne gefördert. Blumquadrat ist Eigentümer der Flächen, der LSC für den Betrieb verantwortlich.

Und dass das Projekt im Aufwind ist, zeigt nicht nur eine Maschine, die am Samstag vor dem Hintergrund des riesigen Schaeffler-Hochlagerbaus über die Landebahn fliegt. Auch ins LSC-Heim ist das Leben zurückgekehrt.

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