Er will ein Zeichen setzen. Also läuft er. 20 000 Kilometer sollen es insgesamt sein. Durch 70 Länder auf allen sieben Kontinenten. Norman Bücher hat sich einiges vorgenommen. Was ihn antreibt? Sein ganz persönlicher Traum.

Am 4. Oktober ist er in Straßburg losgelaufen. Vom Europaparlament führt ihn die erste seiner sieben Etappen nach Berlin. 17 Tage wird er unterwegs sein. Am 20. Oktober will er am Brandenburger Tor ankommen. 750 Kilometer wird er dann zurückgelegt haben. 30 bis 60 Kilometer pro Tag. Und dennoch: Das Laufen ist nur Mittel zum Zweck. Norman Bücher geht es um etwas anderes. Er will die Welt ein Stück weit verändern.

Beim Laufen hat er ein stilisiertes Mikrofon dabei. Das dient ihm als Symbol. „Ich will der Jugend eine Stimme geben“, sagt er. „Ich will ihr zuhören und ihre Wünsche, Träume und Sorgen weitergeben.“ Im September 2024 soll die Reise enden. Dann will Norman Bücher die gesammelten Stimmen junger Menschen aus Europa, Asien, Australien, Afrika, der Antarktis und dem amerikanischen Kontinent der UN-Generalversammlung in New York übergeben. „Das treibt mich an“, sagt er. „Das gibt mir die Motivation.“

Nach sechs Tagen ist Bücher am Dienstagnachmittag in Würzburg eingelaufen. Rund 33 Kilometer waren es von Tauberbischofsheim bis in die unterfränkische Hauptstadt. „Eine eher kurze Etappe“, sagt der 40-Jährige und schmunzelt. An Langstrecken ist er gewohnt, hat im Lauf seiner Karriere an ganz unterschiedlichen Extremläufen teilgenommen. Quer durch Australien, einmal rund um den Mont Blanc – mehr als 45 Stunden auf den Beinen. Oder in sechs Tagen durch die Kalahari-Wüste. Jeden Tag bei sengender Hitze und tiefem Sand vorwärtslaufen, fast immer auf den Beinen. „Früher ging es mir ausschließlich um die Leistung“, erzählt der gebürtige Karlsruher. Höher, schneller, weiter. Das war sein Motto. Laufen war für ihn ein Ego-Trip. „Meine Motivation hat sich längst verändert“, sagt er. „Laufen ist für mich mittlerweile ein Medium, um etwas Gutes zu tun.“

Am Abend erzählt Norman Bücher rund 25 jungen Menschen in der Würzburger Medienakademie von seinem Leben, von seinen Zielen und Träumen. Er erzählt von einem jungem Mann aus Singapur, den er beim Extremlauf durch die südafrikanische Kalahari-Wüste kennengelernt hatte. Ein Mann, der mehr als 110 Kilo auf den Rippen hatte, niemals zuvor mehr als zehn Kilometer am Stück gelaufen war. Und dennoch: Wider aller Erwartungen hält der junge Mann durch, meistert alle Strapazen. Immer ist er mit Abstand der letzte, der eine Tagesetappe abschließt, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Der Mann hatte seine ganz eigene Motivation. „Sein Arbeitgeber hatte ihm zehn Euro pro gelaufenem Kilometer versprochen“, erzählt Norman Bücher. „Das Geld sollte an soziale Zwecke gehen.“ Der Badener hat seine eigenen Lehren aus der Begegnung gezogen: „Wir brauchen alle unsere Träume, wir sollten uns niemals von unseren Illusionen trennen.“

Sein aktueller Traum besteht in der längsten Laufexpedition der Welt. Und darin, die Welt mit dieser Aktion ein Stück weit positiv zu verändern. „Ich will mit diesem Lauf ein Zeichen setzen“, sagt er. „Etwas Gutes tun.“ Etwa eine Million Stimmen von Jugendlichen und jungen Menschen will Norman Bücher in den kommenden Jahren einfangen. Die Stimmen der Jugendlichen werden in mehreren Formaten zusammengetragen, geteilt und weitergegeben. Ein vierköpfiges Team begleitet ihn auf der Reise, organisiert die Übernachtungen und die abendlichen Vorträge, die Bücher vor jungen Menschen hält. Das Team betreut die Social-Media-Kanäle, kümmert sich um die PR und den Kontakt zu Redaktionen. Durch seine Vorträge, den Verkauf von Büchern und Merchandising-Artikeln und nicht zuletzt durch Crowd-Funding will der Extremläufer die siebenjährige Aktion finanzieren.

Noch ist er ganz am Anfang seiner Reise. „Nach fünf bis sechs Tagen ist schon eine gewisse Routine beim Laufen eingetreten“, berichtet er. „Die Freude überwiegt.“ Relativ wenigen Menschen begegnet er auf den Straßen, ganz anders als beispielsweise in arabischen Ländern. Ab und zu gesellt sich ein Läufer zu ihm, begleitet ihn ein paar Kilometer oder eine ganze Etappe lang. Am Abend fängt er dann die Stimmen der jungen Menschen ein. Gespannt ist er auf die unterschiedlichen Begegnungen, freut sich auf die Meinungsbeiträge und Anregungen. „Diese Vielfalt ist für mich eine Bereicherung“, sagt er.

Bislang haben viele junge Menschen von ihren Sorgen rund um die Natur berichtet. Die Abholzung von Regenwäldern treibt sie um, die Frage nach den Ressourcen. „Die Natur kann ohne uns leben, aber wir nicht ohne die Natur“, fasst Bücher die Gedanken zusammen. In Würzburg fragte er sein junges Publikum unter anderem nach deren Träumen und Beweggründen für die Zukunft. Die Antworten waren so unterschiedlich wie die Persönlichkeiten. Ein 21-Jähriger träumt davon, seine eigenen Familie zu gründen, ein anderer möchte möglichst viele Menschen motivieren, seinen Sport auszuüben und ein dritter meinte, dass er gerne Inspiration, Motivation und Hilfe für möglichst viele Menschen sein wolle. Für Menschen, denen es nicht so gut geht.

Stimmen, die Norman Bücher mit auf seine Reise nehmen wird. Die er wie einen Schatz sammeln und weitergeben wird. Stimmen, die ihn motivieren und darin bestätigen, dass er auf dem richtigen Weg ist.

7 Continents

Die sieben Fragen an junge Menschen: Was ist dein größter Traum? Was erwartest du von der Zukunft? Was macht dich glücklich? Was bedeutet für dich Natur? Wenn du Bürgermeister wärst, was würdest du ändern? Was möchtest du Staats- und Regierungschefs mitteilen? Was macht dir Angst?

Die erste Etappe führt quer durch Deutschland: Start: 4. Oktober in Straßburg. Ziel: 20. Oktober, Berlin, Brandenburger Tor. Die weiteren Etappen führen durch alle Kontinente.

Ziel der Aktion: Kindern und Jugendlichen der Welt eine Stimme geben.

Alle Infos: www.7-continents.com