KITZINGEN
Veruntreuung

Landeten Fördergelder für Schüler beim Ex-Vorsitzenden?

Wo sind fünfstellige Beträge für den Förderverein einer Kitzinger Grundschule geblieben? Dieser Frage geht jetzt in zweiter Instanz das Landgericht Würzburg nach. Der Ex-Vorsitzende weist die Anschuldigungen zurück.
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Geld anlegen
Für 76 Prozent der Befragten ist die Möglichkeit, bei Bedarf schnell über die Ersparnisse verfügen zu können, besonders wichtig. Foto: Tobias Hase/Archiv/Symbolbild

Der Ex-Vorsitzende beim Förderverein einer Kitzinger Grundschule steht vier Jahre nach seinem Rückzug erneut vor Gericht. In der Berufung will das Landgericht Würzburg wissen: Wo sind in seiner Amtszeit fünfstellige Beträge geblieben, die für die Schüler gedacht waren?

Ab Montag nimmt eine Strafkammer des  Landgerichtes Würzburg einen neuen Anlauf, den Fall juristisch zu klären. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Kitzingen vor zehn Monaten eine Reihe von Belegen für die Verantwortlichkeit des damaligen Vorsitzenden gesehen. Mit einer Haftstrafe von zwei Jahre und neun Monaten schien der Kitzinger Geschäftsmann noch billig weggekommen zu sein. Doch gegen die Verurteilung legte sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein.

Verdacht von sich gewiesen

Der finanziell angeschlagene Geschäftsmann, der auch in der Kommunalpolitik engagiert war, weist den Verdacht von sich, als Gründungsmitglied und Vorsitzender des Fördervereins an der Grundschule Siedlung bis 2012 rund 30 000 Euro in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Der Streit zieht sich bereits seit 2012 hin, als der Mann nach Bekanntwerden finanzieller Unregelmäßigkeiten seinen Vorsitz nicht ganz freiwillig aufgegeben hatte. Der Verein war zunächst von einem Schaden von 22 000 Euro ausgegangen und hatte - als er von seinem Ex-Vorsitzenden immer wieder hingehalten und vertröstet wurde - das Geld vor dem Landgericht Würzburg eingeklagt.

Zahlungen gehen nur zögerlich ein

Dort hatte der frühere Vereinsvorsitzende 2014 dem Kompromiss zugestimmt, dem Verein 15 000 Euro in Monatsraten zu 500 Euro zurückzuzahlen, "um den Fall von der Backe zu haben". Doch die Zahlungen gehen nur sehr zögerlich ein - vor allem dann, wenn der Kitzinger Verein um die neue Vorsitzende Andrea Schmitt gerichtliche Schritte wie Kontopfändungen androht oder erwirkt.

Die Staatsanwaltschaft Würzburg war bei ihren Ermittlungen sogar von einem Schaden von 30 000 Euro ausgegangen. Der Verein war finanziell in Schieflage geraten, das Finanzamt kündigte wegen fehlender Belege an, die Gemeinnützigkeit abzuerkennen.

Verdacht wurde verstärkt

Die Beweisaufnahme vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Kitzingen verstärkte den Verdacht, dass der Angeklagte ein Projekt des Fördervereins als Vorwand genommen hatte, um Geld zweckwidrig für sich zu verwenden - obwohl er dies stets bestritt. Glaubhafte Erklärungen für Bargeldabhebungen und Überweisungen konnte er vor Gericht nicht liefern.

Zeugenaussagen und kritische Worte des Vorsitzenden Richters Bernhard Böhm in der Kitzinger Verhandlung ließen den Schluss zu, dass der Rest des Vorstandes in dem Verein nur pro forma im Amt war und den Vorsitzenden fast unkontrolliert walten ließ. Eine Kostenkontrolle fand nicht statt. Doch der Angeklagte beharrte dort darauf: "Ich habe kein Geld vom Verein für mich verwendet."

Fehlende glaubhafte Erklärung

Warum stimmte er dann aber in einem Zivilprozess 2014 einem Vergleich am Landgericht Würzburg zu, dem Verein in kleinen Raten 15 000 Euro zurückzugeben? Auf die Frage hatte er in erster Instanz ebenso wenig eine glaubhafte Erklärung wie für Barabhebungen vom Vereinskonto ohne Verwendungszweck, für fehlende Buchhaltungsunterlagen und stark abweichende Angaben über die Kosten für das Projekt "Lernwerkstatt".

Seinen Angaben nach kostete das Projekt über 30 000 Euro. Ein Zeuge des Unternehmens, das dieses Projekt verwirklichte, erinnert sich nur an die Hälfte. An vieles "kann ich mich nicht mehr erinnern", sagt der Angeklagte damals auch dieser Zeitung. Er versprach, Erklärungen zu liefern – und ging in den folgenden Tagen einfach nicht mehr ans Telefon.

"Sie haben uns eine Räuberpistole erzählt", hielt Richter Böhm dem Verurteilten vor. "Ihre wirtschaftliche Situation ist desolat." Ob das die Strafkammer des Landgerichts genauso sieht, bleibt abzuwarten.
Erzürnt bekannte die heutige Vorsitzende des Fördervereins, Andrea Schmidt: "Wir bräuchten das Geld dringend. Es gäbe mehr als die - aktuell etwa 25 - Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen, denen wir dann ein Mittagessen und Nachmittagsbetreuung bieten könnten."
 

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