Unerwartete Begegnungen haben Einheimische wie Touristen derzeit in Marktbreit: Vor der Gastwirtschaft "Alter Esel" blickt einem eine übergroße, grimmige Maske entgegen, über dem Breitbach schwebt die Figur eines Mannes, der Tauchbewegungen macht, im Apothekenhof geht es mit einer Fast-Food liebenden Gans um die Wurst. Ob bizarr, witzig oder ganz nüchtern - es ist nicht zu übersehen: Die Kunst steckt wieder in allen Ecken und Gassen, Artbreit steht vor der Tür.

Motto ohne Hintersinn


"Unser diesjähriges Motto lautet ,Wiederkunst'", erklärt Peter Berneth. Was dahinter steckt? "Naja, ist halt wieder Kunst", meint der Organisator schmunzelnd. Kunst dürfe man nicht zu ernst nehmen. "Sie soll Spaß machen", schiebt er hinterher. Und sie macht Spaß - nicht zuletzt ihm. Denn Berneth hat Artbreit ins Leben gerufen, gemeinsam mit seiner Frau. 1994 war das. Und weil der ganze Organisationsaufwand irgendwann nicht mehr zu stemmen war - "Ich arbeite nebenher ja auch noch was" -, findet das Kunstfest seit 2004 nur noch alle zwei Jahre statt. Deshalb gibt es heuer ein kleines Jubiläum zu feiern: Zum 15. Mal steht Marktbreit ein Wochenende lang ganz im Zeichen von Malerei, Bildhauerei, Musik und Installationen.
"Der Aufbau ist für mich immer schon ein wichtiger Teil des Festes", sagt Berneth. Schwitzend steht er neben einem großen Steintorso, während Schaulustige die Arbeiten interessiert verfolgen. "Es ist schon witzig, was man dabei alles erlebt." Die Vorbereitungen haben laut dem Organisator zwei Hauptphasen: "Bis das Programm steht und das Artbreit-Journal fertig ist, habe ich Stress. Der physische Aufbau in der Woche vorher macht dafür aber richtig Spaß." Das Fest selbst bedeutet für Berneth und sein Team dann auch nochmal viel Arbeit. Aber die Reaktionen der Besucher bestätigen sie in ihrem Engagement. "Es ist immer wieder spannend, zu beobachten, wie die Leute reagieren." Je nach Skulptur und Kunstgeschmack gibt es lachende Gesichter, Kopfschütteln, verständnislose Blicke oder auch mal Ablehnung. "Aber genau das macht es ja aus. Die Meinungen über Kunst sind so zahlreich, wie ihre Betrachter."

Breit gefächerte Palette


Darum will er den Menschen eine breit gefächerte Palette an Kunstrichtungen und Stilen bieten. "Ich versuche immer wieder, gute Leute aus ganz Deutschland nach Marktbreit zu holen - zusätzlich zu den Künstlern aus der Region, die mitmachen." In diesem Jahr geht die Bandbreite sogar darüber hinaus: Berneth konnte sechs Südtiroler und zwei Schweizer Künstler mit ins Boot holen. Denn der Schwerpunkt liegt mit Südtirol, nach Bosnien Herzegowina vor zwei Jahren, wieder auf einem internationalen Thema. "Allerdings war das purer Zufall. Wir konnten für das Eröffnungskonzert die Südtiroler Musikgruppe ,Herbert Pixner Projekt' gewinnen. Da kam uns die Idee, auch bildende Künstler von dort einzuladen - und sie haben sofort zugesagt."
Konzeptionell hat sich gegenüber den Vorjahren nichts geändert: Schon immer war es den Organisatoren - den Altstadtfreunden im Marktbreiter Heimatverein - wichtig, den kompletten Ort einzubeziehen, um den Menschen die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes näher zu bringen. "Wir wollen das Augenmerk der Besucher und auch der Einheimischen bewusst auf schöne Stellen richten, an denen man sich sonst nicht so genau umschaut." Auch die Baukunst sei ein Teil des Festivals, wie die Musik, die heuer mit einer besonderen Vielfalt aufwartet: Mit der städtischen Kulisse als Bühne präsentieren einheimische und auswärtige Künstler Rock, Blues, Klezmer, Klassik, Weltmusik und vieles mehr.
Kein Wunder also, dass für die Veranstalter die Arbeit immer schon etwa ein Jahr vor dem eigentlichen Festival beginnt und sie deshalb vom jährlichen Artbreit abgekommen sind. "Der Zweijahresrhythmus ist aber auch taktisch klug. So freuen sich die Leute mehr auf das Fest und sagen nicht: ,Oh nein, nicht schon wieder Kunst!'", meint Berneth und schmunzelt wieder. Kunst darf man eben nicht zu ernst nehmen.

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