LANDKREIS KT

Kritik an der Stadt

Der Geschäftsführer von Aplawia e.V. erhebt Vorwürfe: Ausgerechnet aus Kitzingen kämen kaum Aufträge. Aus anderen Gemeinden und dem Landratsamt schon.
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Ein Bild mit Symbolkraft: Die weißen „Geister“ stehen für die vielen Menschen, die inmitten des Aplawia-Teams wieder Fuß in der Gesellschaft gefasst haben. Foto: ArchivFoto: Aplawia e.v.

Volker Lang ist genervt. „Von der Stadt Kitzingen kommt gar nichts“, sagt er. „Das geht schon seit Jahren so.“ Jetzt hat der Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Aplawia e.V. einen Zuschussantrag gestellt. Auf 141.900 Euro jährlich belaufe sich der Finanzbedarf für den Verein. Das Geld hätte er gerne von der Stadt. Auch damit wird es wohl nichts.

1984 ist der Verein von arbeitslosen jungen Menschen des Kitzinger Notwohngebiets als Selbsthilfegruppe aus der Taufe gehoben worden. An der Zielsetzung hat sich seither nichts verändert: Über Beschäftigungsmöglichkeiten sollen arbeitslose und benachteiligte Menschen nachhaltig in die Arbeitswelt integriert werden. Dazu bedarf es unter anderem Aufträge der öffentlichen Hand. Die kommen aus Städten wie Volkach oder Wiesentheid und vom Landkreis. Von der Stadt Kitzingen zu selten – zumindest für den Geschmack von Volker Lang.

Widerspruch von der Stadt

Seit dem Jahr 2014 habe es keinen einzigen Auftrag von Seiten der Stadt an den Verein gegeben, moniert der Geschäftsführer von Aplawia und widerspricht damit einer Aussage von Oberbürgermeister Siegfried Müller von Mitte April. „Über unsere hundertprozentige Tochter, die Stadtbetriebe, erhalten Sie regelmäßig Aufträge“, hatte der OB auf ein Schreiben des Vereins geantwortet. „Stimmt nicht“, sagt Lang und lobt stattdessen andere Gemeinden im Landkreis wie Volkach und Wiesentheid. „Die Landrätin hat auch stets ein offenes Ohr für uns“, freut er sich.

Tatsächlich hat das Landratsamt die Aplawia in den letzten Jahren bei verschiedenen Projekten beauftragt: Bei der Einrichtung und späteren Auflösung dezentraler Unterkünfte für Asylbewerber, bei einfachen Hausmeisterdiensten oder bei der Radwegebeschilderung. Der Landespflegeverband ist als Projektpartner tätig und seit etwa einem Jahr gibt es eine Gebrauchtwarengarage am Wertstoffhof. Gut erhaltene Möbel können dort abgegeben werden. Sie gehen dann an die Aplawia.

Lob aus Wiesentheid

In Volkach kümmert sich der Verein unter anderem um die Entleerung der Abfallbehälter in den Ortsteilen sowie die Reinhaltung der Containerplätze und des Wohnmobilstellplatzes in Fahr. Den jährlichen Aufwand beziffert die Stadt auf rund 8.000 bis 9.000 Euro. „Zusätzlich kommt Aplawia bei uns bei Wohnungsauflösungen beziehungsweise -entrümpelungen zum Einsatz“, informiert Bauamtsleiterin Ulla Gistel-Gareiß.

In Wiesentheid ist Bürgermeister Werner Knaier voll des Lobes über die Arbeit der Aplawia. „Wir haben sie in den letzten beiden Jahre vermehrt im Gemeindegebiet eingesetzt und dabei nur gute Erfahrungen gemacht.“ Ob Pflegearbeiten im Schlosspark, Reinigungsarbeiten der Straßengräben im Industriegebiet, Heckenschneidearbeiten im Bereich der Seniorenresidenz oder Pflege von Pflanzbeeten und Rasenflächen: „Alle diese Arbeiten wurden zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt“, versichert Knaier und kündigt an: „Wir werden auch künftig die Dienste dieser Firma in Anspruch nehmen und damit die gute Idee dieser Firmengründung unterstützen.“

Und die Stadt Kitzingen? Antwortet per Mail auf eine Anfrage dieser Redaktion: „Die Stadt vergibt verschiedene Arbeiten für die Gebäude und Immobilien, die in Stadtbesitz sind. Viele der anfallenden Tätigkeiten können von städtischen Dienstleistern wie Bauhof, beziehungsweise den angestellten Hausmeistern erfüllt werden.“ Will heißen: Es gibt kaum Bedarf für den Verein. In den Jahren 2018/2019 seien zwei Aufträge bei der Aplawia e.V. angefragt worden – beide kamen nicht zustande. „Wir schätzen die Arbeit von Aplawia e.V. sehr und berücksichtigen sie regelmäßig bei städtischen Ausschreibungen“, schreibt OB Müller an den Verein. Die Stadt sei allerdings verpflichtet, das wirtschaftlichste Angebot zu nehmen. „Deshalb kommt die Aplawia nicht häufiger zum Zug.“

Soziale Verantwortung

Immerhin: Zwei Aufträge gingen 2018/2019 an die SDA GmbH, die Volker Lang aber als einen eigenständigen Betrieb betrachtet, der mit den Zielen des Vereins – Langzeitarbeitslose nach und nach in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nichts zu tun hat.

Kaum einer kennt die Geschichte des Vereins so gut wie Ehrenvorsitzender Franz Böhm. „Von der Stadt Kitzingen gab es schon immer sehr wenig Aufträge“, bedauert er. Ganz am Anfang, als der Verein gegründet worden ist, habe es mal Zuschüsse gegeben. Seit der Gründung der SDA GmbH nicht mehr. Dabei sei der Verein für die Stadt wichtig, fange er doch Menschen auf, die ansonsten auf der Straße stehen würden. „Etliche sind über die Aplawia wieder in den ersten Arbeitsmarkt gekommen“, versichert Böhm. Menschen, die bei großen Arbeitnehmern in der Region eine Festanstellung fanden, nachdem sie im Verein wieder ans Arbeitsleben herangeführt worden waren.

Dass der Verein in Konkurrenz mit Betrieben steht, ist Franz Böhm auch klar. „Es gibt nun mal Firmen, die billigere Angebote abgeben können“, sagt er. Schwierigkeiten mit dem Vergaberecht räumt auch Iphofens Bürgermeister Josef Mend ein. Auch die Aplawia müsse sich am Wettbewerb beteiligen. Auf der anderen Seite sei sie eine soziale Einrichtung. „Ein schmaler Grat“, sagt Mend. Dennoch: Auch die Stadt Iphofen erteilt dem Verein immer wieder Aufträge.

An konkrete Aufträge von der Stadt Kitzingen an den Verein glaubt Volker Lang nicht mehr, auch wenn es am 13. Mai zu einem Gespräch mit der neuen Geschäftsleiterin der Stadtbetriebe GmbH, Rebecca Hick, gekommen ist. „Die Aplawia e.V. beziehungsweise die SDA wird bei Ausschreibungen zu Handwerkertätigkeiten berücksichtigt“, heißt es dazu von Seiten der Stadt. Konkrete Zusagen sehen anders aus.

Logo unerlaubt benutzt

Die Chancen für die Bewilligung eines Zuschussantrages sieht Volker Lang ebenfalls sinken, seit ein Mitarbeiter vor rund drei Wochen unerlaubterweise das Logo der Aplawia für private Zwecke genutzt hat. Auf den Werbeplakaten für den ersten „Global Marijuana March“ in Kitzingen, an dem sich rund 50 Menschen beteiligt hatten, prangte der Schriftzug des Vereins. „Das war nicht mit uns abgesprochen“, versichert Volker Lang, der dem Mitarbeiter mittlerweile gekündigt hat. Für die Entscheidung der Stadt dürfte dieser Vorfall allerdings kaum eine Rolle spielen. Der Zuschussantrag des Vereins sei nicht ordnungsgemäß gestellt worden, informiert Pressesprecherin Claudia Biebl. Volker Lang hatte die Summe Anfang April in einem allgemeinen Schreiben an den OB ins Spiel gebracht. Ohne dabei die Form für einen Zuschussantrag zu wahren und die notwendigen Angaben zu machen. Ein Versäumnis, das Volker Lang sicher nachholen wird.

Geschichte der Aplawia

Im Kitzinger Notwohngebiet (Egerländer Straße) gründete der Sozialpädagoge Knut Roßberg 1984 unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zusammen mit Gleichgesinnten den Verein“Aplawia – andere planen, wir arbeiten". Man kümmerte sich vor allem um arbeitslose junge Menschen. 1992 zog der Verein aus dem Notwohngebiet ins Bürgerzentrum um. 1995 wurde der erste Gebrauchtwarenmarkt in der Schmiedelstraße eröffnet. Weil der Bedarf da war, wandte sich die Aplawia auch der Erwachsenenarbeit zu. 1997 zog der Verein ins Gewerbegebiet Nord (August-Gauer-Straße) und erweiterte sein Angebot. Man löste sich von der AWO und gründete im Jahr 2000 die Partnerfirma SDA GmbH – seit es diesen Wirtschaftsbetrieb gibt, fließen keine Zuschüsse seitens der Stadt mehr. Bei der SDA können Benachteiligte als fest angestellte Hilfskräfte unter Anleitung gestandener Handwerker und Profis im Berufsleben Fuß fassen. Seit 2002 gibt es am Lochweg das Recylingkaufhaus „Möbel und mehr". Seit 2004 ist die Aplawia, die Mitglied in der Industrie- und Handelskammer ist und als Ausbildungsbetrieb fungiert, Träger von Hartz-IV-Maßnahmen.
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