Kitzingen

Kontrolle ist besser

Alle Hände und Augen voll zu tun: die Lebensmittelüberwacher im Kreis Kitzingen
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Matthias Rößner (weißer Kittel) ist einer von vier Lebensmittelkontrolleuren im Landkreis Kitzingen. Im Gasthaus „Weinstall“ wird er von Anuschka Schulze, Hildegard Freund und Martin Schulze durch die Räumlichkeiten geführt. Foto: FotoS: Ralf Dieter
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Matthias Rößner schaut sich um. Sein Blick scannt die Küche. Waschbecken sauber? Lebensmittel ordentlich verstaut? Und wie schaut es eigentlich an der Decke aus?

Matthias Rößner ist einer von vier Lebensmittelkontrolleuren, die im Kitzinger Landratsamt ihren Dienst tun. Vom Bäcker bis zu den Getränkehändlern, von Gaststätten bis zu so genannten Bedarfsgegenstandshändlern reicht sein Einsatzgebiet. Wer kosmetische Mittel, Töpfe, Pfannen oder Kleidung in Verkehr bringt, der muss mit einem Besuch der Kontrolleure genauso rechnen wie Metzgereien. Letztere aber deutlich häufiger. „Der Turnus richtet sich nach dem Risiko“, erklärt Dr. Claudia Baldauf, Leiterin des Veterinäramtes und damit auch Vorgesetzte der Lebensmittelkontrolleure. Im Schlachthof wird täglich kontrolliert, im Bekleidungsgeschäft nur alle paar Jahre.

„Vom Stall bis an die Ladentheke“: So lautet das Konzept. Um das Tierwohl kümmern sich die Veterinäre. Sobald es um die Weiterverarbeitung und Zubereitung von Lebensmitteln geht, sind Rößner und seine Kollegen gefordert.

Bis zu drei Einsätze haben die Lebensmittelkontrolleure pro Tag. Langweilig wird es ihnen nicht. Zunächst einmal nehmen sie sich den letzten Bericht zur Hand und schauen, ob es irgendwelche Defizite gegeben hat. Dann geht es los. Immer unangemeldet, immer unangekündigt.

Heute ist Matthias Rößner in Castell. Das Gasthaus „Weinstall“ wird überprüft. Rößner schaut sich zunächst die Karte im Schaukasten an. Ist der Betreiber genannt? Sind mögliche Zusatzstoffe und Allergene bei den Speisen aufgeführt? Alles klar! Also hinein ins Restaurant.

„Es hat schon was von einer detektivischen Arbeit.“
Dr. Claudia Baldauf, Abteilungsleiterin

„Wir kommen natürlich nicht zu den Stoßzeiten“, sagt Rößner. „Sondern dann, wenn es ein wenig ruhiger zugeht.“ Anuschka und Martin Schulze sind gerade mit den Vorbereitungen für den Mittagstisch beschäftigt. Aber es hilft nichts. Die Lebensmittelkontrolleure haben Vorfahrt. „Wir wollen ja auch, dass alles sauber ist“, sagt der Gastwirt und führt Rößner in die Küche. Waschbecken mit heißem und kaltem Wasser? Saubere und genügend Handtücher? Ein hygienischer Kühlschrank? Rößner schaut in Schränke und unter Regale. Im Lagerraum ist das nicht anders. Wird die Kühlkette eingehalten? Welches Ablaufdatum ist auf den Verpackungen vermerkt? Sind die Reinigungsmittel möglichst weit entfernt von den Weinflaschen gelagert? „Wir hatten das tatsächlich schon“, sagt Rößner. „Dass Wein nach Chlor geschmeckt hat, weil die leeren Flaschen neben den Reinigungsmitteln aufbewahrt waren.“

Matthias Rößner ist vom Fach. Er hat Küchenmeister gelernt. Sein Kollege Tobias Reichel hat eine Ausbildung zum Bäcker- und Konditormeister hinter sich. „Das ist Vorschrift“, sagt Dr. Baldauf. „Unsere Kontrolleure kommen alle aus dem Lebensmittelbereich.“ Den Innendienst verrichtet Christine Rauh. Sie leitet Proben, die gezogen werden, ans Labor weiter, nimmt die Checklisten der Mitarbeiter und Verbraucherbeschwerden entgegen. Die sind gar nicht selten. „Es rufen immer wieder Leute bei uns an, weil ihnen nach einem Essen schlecht geworden ist“, erzählt sie. Dann schaut sich ein Kontrolleur vor Ort um. Die erste Frage in der Gaststätte gilt der Gesundheit der Mitarbeiter. Nicht immer ist der Grund für das Unwohlsein im Restaurant zu finden. „Kann ja auch sein, dass sich der Anrufer daheim den Magen verdorben hat“, gibt Tobias Reichel zu bedenken.

„Vorübergehende Schließungen von Betrieben haben wir immer wieder mal.“
Matthias Rößner, Lebensmittelkontrolleur

„Es hat schon was von einer detektivischen Arbeit“, bestätigt Dr. Baldauf. Lieferpapiere überprüfen, die Räumlichkeiten inspizieren, Lebensmittelproben nehmen. Wird tatsächlich verdorbene Waren gefunden, muss sie rückverfolgt werden. Immer wieder werden Produkte zurückgehalten, bevor sie auf den Markt gelangen. „Die Rückrufkette funktioniert gut“, lobt sie die Lebensmitteleinzelhändler. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit den Unternehmen und den allermeisten Gastwirten gut. Ganz selten erscheinen die Kontrolleure aus Sicherheitsbedenken lieber zu zweit an einem Ort – oder nehmen gleich Kripobeamte mit.

Bei gravierenden Verstößen droht ein Bußgeldverfahren oder sogar eine Strafanzeige. „Vorübergehende Schließungen von Betrieben haben wir immer wieder mal“, sagt Matthias Rößner während sein Kollege Tobias Reichel betont, dass es keine totale Kontrolle geben könne. „Wir nehmen bei unseren Kontrollen nur den Augenblick wahr, machen quasi Momentaufnahmen.“ Einen Tag früher oder später kann es schon wieder ganz anders aussehen. Vor Verbraucherportalen im Netz, in denen die Qualität und Sauberkeit von Gaststätten bewertet werden, warnen die Lebensmittelkontrolleure unisono. „Da entsteht schnell ein falsches Bild“, sagt Rößner. Zumal gar nicht klar wird, welche Motivation hinter einer Anfrage steckt.

Im Weinstall ist alles in bester Ordnung. Nur eine Kleinigkeit hat Rößner bei seiner Inspektion erkannt. An der Küchendecke löst sich ein klitzekleiner Putzbrösel. „Mal drüber streichen“, rät er Martin Schulze. Den Lebensmittelkontrolleuren bleibt halt nichts verborgen.



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