Kitzingen/München

Kommt das Staatsarchiv doch nicht nach Kitzingen?

Während in Kitzingen die Planungen für den Neubau des Staatsarchivs längst auf Hochtouren laufen, stellt der Landtag den geplanten Umzug in Frage.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im verwilderten Deustergarten in Kitzingen soll das neue Staatsarchiv sowie ein Bürgerpark entstehen. Doch der Landtag stellt den Umzug aus Würzburg nun noch einmal auf den Prüfstand. Foto: Archiv-Foto: Harald Meyer

Die umstrittene Verlagerung des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen wird im Landtag noch einmal auf den Prüfstand gestellt: Der Wissenschaftsausschuss forderte am Mittwoch auf Antrag der Grünen einstimmig von der Staatsregierung noch vor Pfingsten einen detaillierten Bericht zum aktuellen Planungsstand. Ursache für den Antrag seien Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen, so die Würzburger Grünen-Abgeordnete Kerstin Celina .

Das Staatliche Bauamt Würzburg hatte erst im Februar erklärt, der ursprünglich für 2022 geplante Umzug könne wohl nicht vor 2025 über die Bühne gehen. Zudem rechnete Bauamtschef Joachim Fuchs statt der ursprünglich genannten 33 Millionen nun mit deutlich über 50 Millionen Euro  Gesamtkosten für das Projekt.

Landtag fragt nach kostengünstigeren Standorten

Das zuständige Wissenschaftsministerium soll deshalb den Abgeordneten auch erklären, ob "angesichts der enormen Kostensteigerungen" bereits "alternative, möglicherweise kostengünstigere Standorte" für das Staatsarchiv geprüft und für Kitzingen als Ersatz "alternative Behördenverlagerungen" etwa im Bereich Weinbau, Tourismus oder ländliche Entwicklung erwogen werden.

Seit der Ankündigung des Umzugs durch den damaligen Finanzminister Markus Söder (CSU) im Jahr 2015 hatte es immer wieder Proteste etwa von Archivaren gegen die Pläne gegeben. Letzten November warnte auch die Stadt Würzburg in einer Resolution vor einer "Zerschlagung gewachsener Archivstrukturen" durch die Verlagerung nach Kitzingen.

Angesichts der drohenden Kostenexplosion müsse man nun "noch einmal die Sinnfrage stellen", erklärte die Grünen-Abgeordnete Verena Osgyan. Es gelte vor allem "über sinnvolle Alternativen, die für Kitzingen auch einen Mehrwert bringen, nachzudenken", findet der SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib. Einen Stopp des Projekts ohne gute Alternative dürfe es aber keinesfalls geben. Der Ochsenfurter SPD-Politiker warnte angesichts der drohenden Zeitverzögerung zudem vor einem möglichen Zwischen-Umzug der derzeit in der Festung Marienberg in Würzburg gelagerten Archivbestände, um die dortige Sanierung nicht aufzuhalten. Dies wäre wegen der dort gelagerten wertvollen historischen Dokumente "eine Riesen-Herausforderung", glaubt Halbleib.

CSU-Abgeordnete Becker: Kitzingen liegt nicht in der Wüste

Die CSU strich dagegen die Vorteile des geplanten Neubaus im Kitzinger "Deustergarten" heraus: "Würzburg hat kaum geeignete Flächen für einen neuen Standort", sagte die Kitzinger CSU-Abgeordnete Barbara Becker. In Kitzingen gebe es dagegen "tolle Flächen, die auch schon zur Verfügung stehen". Zudem würden Mitarbeiter und Nutzer des Archivs nach einem Umzug "nicht in die Wüste geschickt". Becker empfahl Kritikern, sich zunächst über die räumliche Lage des geplanten Neubaus zu informieren: "Dies könnte die Diskussion leicht entspannen."

Tatsächlich hat der Freistaat das für das neue Staatsarchiv vorgesehene Grundstück in einem seit Jahrzehnten verwilderten Areal bereits erworben. Für das gesamte Gelände plant die Stadt Kitzingen im Zuge des Archiv-Neubaus zudem bereits einen Ideenwettbewerb – etwa für einen "Bürgerpark". Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller war am Mittwoch bereits mit der Vorbereitung des Planungswettbewerbs für das Staatsarchiv-Gelände beschäftigt – just zur selben Zeit, als im Landtag das gesamte Projekt wieder in Frage gestellt wurde, saß er in Kitzingen mit rund 40 Vertretern von Ministerien, Regierung und weiteren Gremien zusammen.

Natürlich hat er sich, nachdem er mittags auf Nachfrage dieser Redaktion von der Nachricht aus München erfahren hatte, in der Runde umgehört. Das Ergebnis bereitet ihm keine unruhigen Nächte. "Unsere Vorbereitungen gehen weiter", sagt Müller. Für den 29. Mai stehe ein Treffen mit Architekten fest, die sich am Wettbewerb beteiligen möchten. Dass die Kosten nochmals auf den Prüfstand sollen, findet der Kitzinger OB zwar grundsätzlich legitim. Doch dass der Staatsarchiv-Standort in Kitzingen nochmals wackeln wird, das glaubt er nicht.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.