LANDKREIS KT/IPHOFEN

Königlicher Besuch im Frankenland

Deutsche Weinkönigin und Weinprinzessin zeigen sich vom Anbaugebiet beeindruckt
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Zusammen mit Gästeführerin Ruth Holfelder erkundeten Inga Storck, Carolin Klöckner und Klara Zehnder den Geschichtsweinberg in Iphofen. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Es ist ein Crashkurs. Aber einer, den die drei jungen Frauen ganz offensichtlich genießen. Die Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner und ihre beiden Weinprinzessinnen Inga Storck (Pfalz) und Klara Zehnder (Randersacker) haben sich zwei Tage lang das Anbaugebiet Franken angeschaut. Zehn Termine in zwei Tagen bedeuten Stress – positiven Stress, wie sie bei einem Gespräch im Zehntkeller in Iphofen versichern.

Das Frühstück gerade vollendet, den ersten Termin des Tages am Iphöfer Geschichtsweinberg vor Augen. Die drei Weinhoheiten nehmen sich trotzdem Zeit für ein Gespräch. Vom fränkischen Anbaugebiet zeigen sie sich beeindruckt. „Ein schönes Landschaftsbild“, schwärmt Inga Storck und spricht von einer überraschenden Vielfalt.

„Wir befinden uns gerade in einer Umbruchphase.“
Carolin Klöckner, Deutsche Weinkönigin

Dass es hier richtige Steillagen gibt, hatte sie beispielsweise nicht erwartet. Die junge Frau aus der Pfalz hat den Eindruck gewonnen, dass sich das fränkische Anbaugebiet in den letzten Jahren richtig positioniert hat. Die Konzentration auf den Silvaner imponiert auch Carolin Klöckner. „Das gibt dem Anbaugebiet Franken ein unverwechselbares Image“, sagt die 23-Jährige aus Vaihingen an der Enz in Württemberg. In ihrem heimatlichen Anbaugebiet stehe dagegen die Vielfalt im Vordergrund.

Der Studentin der Agrarwissenschaften schmeckt vor allem ein Lemberger. Klöckner ist zum ersten Mal am Main. Die Gesteinsschichten erinnern sie ein wenig an ihre Heimat. „Ansonsten ist vieles ganz anders.“

Alle 13 deutschen Anbaugebiete werden die drei Wein-Repräsentantinnen nach und nach bereisen. Franken ist erst der zweite Stopp. Von Randersacker über die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau über das Würzburger Bürgerspital führte sie der Weg am Dienstag ins Weingut Ernst Popp in Iphofen. Alle drei aktuellen Träger des Staatsehrenpreises stehen auf der Besuchsliste. Am gestrigen Mittwoch waren die Hoheiten deshalb auch bei der Genossenschaft der Winzer in Sommerach, beim dortigen Weingut Zehnthof und beim Weingut Manfred Braun in Nordheim zu Gast.

Ein Jahr lang werden die drei Frauen den deutschen Wein im In- und Ausland repräsentieren. So gut wie jeden Tag sind sie im Auftrag des Deutschen Weins auf Achse. Für das Jahr haben sie sich ein klares Ziel gesetzt. Einerseits wollen sie die Arbeit ihrer Vorgängerinnen fortsetzen, andererseits eigene Akzente setzen. „Ich möchte auch jüngere Zielgruppen für den Wein begeistern“, nennt Klöckner einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. In den sozialen Netzwerken will sie besonders aktiv sein, die ersten Impressionen von Franken stehen bereits auf Instagram.

Klöckner wuchs in Vaihingen auf. Die Familie betrieb Landwirtschaft als Hobby und im Nebenerwerb. Ihre Eltern und ihr Stiefvater haben beruflich mit Beratung, Psychologie und Kieferorthopädie zu tun. Der Weinbau hat sie dennoch fasziniert. Anlässlich einer Weinprobe der damaligen württembergischen Weinkönigin Mara Walz erwachte ihr Interesse für ein solches Amt. Am 22. September des letzten Jahres konnte sie sich tatsächlich die Krone der 70. Deutschen Weinkönigin aufsetzen lassen. Seither befasst sie sich noch intensiver mit der nationalen und internationalen Weinwirtschaft. Mit Trends und Entwicklungen.

„Wir befinden uns gerade in einer Umbruchphase“, meint sie. Alte Traditionen werden aufrecht erhalten, neue, innovative Ideen drängen auf den Markt. Oft leben zwei bis drei Generationen von Winzern unter einem Dach. „Da wird Altes ganz automatisch bewahrt und viel Neues ausprobiert“, weiß Klöckner. Eines ist ihr in dieser Umbruchstimmung aber wichtig: Werte wie Nachhaltigkeit und Kundenorientierung müssen aufrecht erhalten werden.

Inga Storck, Winzerin und Weinbaustudentin aus Einselthum in der Pfalz, kann da nur zustimmen. Ob Weinstile, Weinetiketten oder Weinfeste: Vieles sei im Fluss, vieles verändere sich. Eines bleibe aber gleich: „Der Wein ist und bleibt ein Genussmittel.“ Von dessen Vorzügen will sie vor allem die junge Generation überzeugen. Die sei grundsätzlich unkompliziert und gegenüber Weinthemen aufgeschlossen, weiß auch Klara Zehnder, die in den letzten zwei Tagen ein Heimspiel hatte. Junge Winzer seien gerade auch in Franken sehr aktiv – immer wieder gründen sich neue Gruppen. Für Zehnder ein gutes Zeichen.

„Wir sind so etwas wie lebendige Schnittstellen.“
Inga Storck, Deutsche Weinprinzessin

Mehr als 200 Auftritte stehen Carolin Klöckner und ihren Weinprinzessinnen in diesem Jahr bevor. Sie werden Kurzvorträge halten, Grußworte sprechen, für Fotos lächeln, Small Talk betreiben. „Überhaupt kein Problem“, versichert die 23-Jährige aus Vaihingen. Small Talk ist für sie mehr Bereicherung als Belastung. „Man erfährt immer wieder ganz viele interessante Dinge“, erklärt sie. in den zwei Tagen in Franken hat sie beispielsweise etliche Geheimtipps erhalten – über Winzer, Weine und Landschaften. Die will sie bei ihren Terminen weitergeben. „So etwas wollen die Menschen doch hören.“ Inga Storck nickt. „Wir sind so etwas wie lebendige Schnittstellen“, meint sie und muss lachen. „Wir bekommen ganz viele Informationen und transportieren sie weiter.“ Die Pfälzerin war als deutsche Weinrepräsentantin im November in Vietnam und hat dort gelernt, dass die Vietnamesen ganz scharf auf deutschen Spätburgunder sind. „So etwas muss man doch weitergeben.“

Auf ihren künftigen Reisen werden die jungen Frauen sicher auch ihre Eindrücke aus Iphofen weitergeben. Am Geschichtsweinberg begrüßte sie Gästeführerin Ruth Holfelder und erläuterte das Konzept der Iphöfer „Bergwinzer“, berichtete vom gelben, grünen, blauen und roten Silvaner, von der gemeinsamen anstrengenden Arbeit, die sich aber sichtlich lohne. Noch ein Geheimtipp, den die Weinköniginnen mit auf Reisen nehmen.

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