ABTSWIND

König Ludwig lagert im Oberen Tor

Das Obere Tor in Abtswind birgt viele Schätzchen. Das Gemeinderachiv soll nun umziehen, damit die Exponate besser untergebracht werden können.
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Abtswinder Geschichte auf einem Blick: Auf einer Tafel, die im Jahr 1973 erstellt wurde, steht Wissenswertes über die Steigerwaldgemeinde und Werbung von Geschäften, die damals von sich reden machten. Bürgermeister Jürgen Schulz präsentiert das Schild. Foto: Foto: ANDREAS STÖCKINGER
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Zwei so prächtige alte Eingangstore, wie sie in Abtswind zum Ortskern führen, haben nicht mehr viele Gemeinden im gesamten Umkreis. Einst waren beide bewohnt, heute ist im Oberen Tor im Osten sogar ein Beleg eines Königs aus früheren Tagen untergebracht. „Das ist doch König Ludwig von Bayern“, mutmaßt Abtswinds Bürgermeister Jürgen Schulz.

Aus einer Kiste mit etlichen Porträts und Fotos aus alten Tagen zieht er ein Bild in Schwarz-Weiß. Jürgen Schulz hat recht, beim genaueren Betrachten des Fotos entziffert er die daneben stehende Beschreibung. Weitere Staatsmänner und Adelige aus längst vergangenen Zeiten fördert der Bürgermeister beim Besuch der Räume zutage aus dem kleinen Stapel, der da oben scheinbar vergessen liegt.

Chronik musste in den Tresor

Das Obere Torhaus, ein Fachwerk-Gebäude aus dem Jahr 1605, beherbergt das Archiv der Gemeinde. Darin befinden sich noch ganz andere Exponate aus den vergangenen Jahrhunderten, alte Uniformen, Fahnen, Werkzeuge und eben jede Menge Papier. Dokumente, Pläne, Schriftstücke, Urkunden – in den Regalen lagert Vieles. Wo was ist, da weiß Dieter Krenz Bescheid. Der Archivar der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid hat auch die Altertümer in Abtswind im Blick.

Beim Betrachten der Relikte der Vergangenheit staunte die neue Kreisarchivpflegerin des Landkreises Kitzingen, Barbara Steinberger: „Das sind wirklich seltene Schätze“, meinte sie, als ihr Krenz die „Abtswinder Bilderchronik“ vorführte. Das dicke Buch ist ein weiteres Juwel der Ortshistorie, das der einstige zweite Bürgermeister Walter Mix 1965 zusammengestellt hat. Es enthält Zeichnungen von Gebäuden des Ortskerns, die fein säuberlich erhalten sind. Sie zeigen, wie die Häuser einst aussahen. Dieses Buch hat Bürgermeister Schulz mittlerweile in den Tresor des Rathauses umgebettet.

Torhaus beherbergte Wohnungen

Schulz will für das Archiv neue Räume schaffen. Die alten Unterlagen sollen künftig im noch zu errichtenden Gebäude des Bauhofs am Ortsrand zu Rüdenhausen hin einen besseren Platz finden, als in der früheren Wohnung im Oberen Tor, wo noch der Küchenherd samt Wasserkessel neben den Unterlagen steht.

Das Obere Tor an sich ist eine Besonderheit. „Als ich ein Kind war, befanden sich darin noch Wohnungen. Dass dürfte bis vor 40 Jahren gewesen sein“, erzählt Bürgermeister Schulz, als er die Treppe hoch geht. In der Tat: An der Wand neben einer Türe hängt ein Briefkasten, auf dem der Name des wohl letzten Bewohners zu lesen ist. Leben herrscht mittlerweile nur noch unten im Erdgeschoss, wo der Jugendraum der Gemeinde eingerichtet ist.

Oben ruhen die Dokumente und Requisiten. Hier sichtete die Kreisarchivpflegerin zusammen mit Archivar Krenz das Vorhandene in den Regalen und Räumen. Schmuckstück der Sammlung dürfte laut Krenz ein alter Lehensbrief von 1450 sein. Diese Urkunde ist nach seiner Schätzung „das älteste Dokument, das wir in der Verwaltungsgemeinschaft haben. Ich wüsste jedenfalls von keinem älteren“, sagt Krenz, der seit über 25 Jahren als Archivar tätig ist. In einer Schachtel entdecken die Archivare alte Fotos auf Bildplatten, die Krenz mit einem Vitaskop, einem alten Bildvergrößerungsgerät, betrachtet. Aus der Zeit um 1900 stammen Bilder und das Gerät, schätzt er. Postkarten, seltene Zeitschriften-Bände, alte Gläser, und einiges mehr tauchen in den Schränken auf.

Im Raum daneben stößt Bürgermeister Schulz auf alte Uniformen, und Kleider, die einst bei historischen Festzügen oder Theateraufführungen getragen wurden. Alte Feuerwehrhelme, Säbel, und eben die Porträts früherer Herrscher und Politiker sind dort aufbewahrt.

Kirchenburg soll saniert werden

Die Kreisarchivarin ist angetan von dem Erhaltenen in Abtswind. „Mich freut es, dass ein neues Archiv geplant ist. Die Unterbringung hier ist nicht so optimal“, sagt sie.

In der Gemeinde lagern weitere Schätze. Die will Bürgermeister Schulz eines Tages in den Räumen der Kirchenburg unterbringen, die es ebenso noch herzurichten gilt. Damit Abtswinds Geschichte künftig ihren Platz findet und nicht in versteckten Winkeln lagern muss.

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