Rüdenhausen
Tag des Baumes

Klimawandel macht Kitzinger Wäldern zu schaffen

Schon lange haben unsere Wälder mit dem Klimawandel zu kämpfen. Waldbesitzer Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen erklärt, warum ein Waldumbau unumgänglich ist.
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Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen (rechts) und Betriebsleiter Ludwig Neeb gehen gerne im Wald spazieren.  Foto: Sabine Herteux
Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen (rechts) und Betriebsleiter Ludwig Neeb gehen gerne im Wald spazieren. Foto: Sabine Herteux
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Am liebsten laufen sie querfeldein. Weit abgelegen der Waldwege. Mitten in der Natur, umringt von zahlreichen Bäumen. Das machen sie oft so. Kaum ein Winkel, den sie nicht kennen. Kaum ein Winkel, an dem sie nicht hängen. Es ist genau das, was Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen und Ludwig Neeb, Betriebsleiter der Forstabteilung Castell, miteinander verbindet. "Ich bin quasi im Wald aufgewachsen. Hier fühle ich mich am wohlsten", sagt der Fürst.

Dabei ist der Wald von damals längst nicht mehr derselbe wie heute. Die Klimaveränderung hat bereits ihre Spuren hinterlassen. Betroffen ist besonders die Fichte. Doch vor allem fehlender Niederschlag lässt sie zusehens verschwinden. Ursprünglich lag der Fichtenanteil im Casteller Wald noch bei 28 Prozent. Jetzt gibt es 300 Hektar Kahlflächen - Zeit umzudenken.
Die Forstabteilung Castell hat das längst erkannt, steuert mit dem Aufbau laubholzdominierter Mischbestände dagegen - die Risikoverteilung liegt damit auf mehreren Baumarten. Zwei Millionen Euro (drei Millionen Pflanzen) wurden in die Kulturen dieser kahlen Flächen bereits investiert. "Wir brauchen die Mischung, wollen weg von Monokulturen und hin zu einem naturnahen, stabilen Wald", erklärt Neeb.


Totholz bietet Wohnraum

Je nach Standort können das bis zu zwölf verschiedene Sorten auf einer Fläche sein, unter anderem Eiche, Ahorn, Kirsche, Linde oder Elsbeere. "Langfristiges, nachhaltiges Denken ist hier gefragt. Sonst ziehen wir auf Dauer den Kürzeren", warnt er.

Immer wieder, zwischen teilweise 200 Jahre alten Bäumen, entdecken der Fürst zu Castell-Rüdenhausen und der Leiter der Forstabteilung bei ihrem Spaziergang durch den Wald einen neuen Baum, der noch klein und zart aus dem Boden ragt. Dass direkt daneben oft tote Bäume liegen, stößt laut Neeb ab und an auf Unverständnis - so mancher empfinde das als zu ungeordnet, zu ungepflegt. "Dabei lassen wir das Totholz ganz bewusst liegen. Es düngt den Boden, bietet Nistplätze für Vögel und Wohnraum für Käfer und Würmer", erklärt der Betriebsleiter. Viele würden das nicht bedenken. Doch gerade das mache das Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie aus, auf das die Forstabteilung bei ihrer Bewirtschaftung so großen Wert legt. "Wir könnten das Totholz auch verkaufen. Wir wollen aber keinen Forst, wir wollen einen Wald."


Es geht nicht um Profit

Das Holz, das die Forstabteilung verkauft, geht inzwischen zu 90 Prozent an internationale Großkonzerne. "Das ist ein knallhartes Geschäft geworden, früher waren es hauptsächlich Kleinbetriebe aus der Region", bedauert der Fürst zu Castell-Rüdenhausen die Entwicklung. Doch der Forstabteilung gehe es nicht um Profit oder Gewinn, das betonen die beiden Waldliebhaber immer wieder - es geht um Nachhaltigkeit. "Der Wald ist für uns mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen", sagt Neeb. Der Fürst zu Castell-Rüdenhausen und der Erbgraf zu Castell-Castell sind im März deshalb mit der Bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt ausgezeichnet worden.

Als Kinder nutzten sie den Wald noch vor allem zur Jagd. Doch das hat sich längst geändert. Denn während früher der Wald hauptsächlich der Jagd diente, ist es im Casteller Wald nun genau umgekehrt: "Der Wald sorgt nicht mehr für Nachschub an der Trophäenwand. Die Natur ist der Chef", erklärt Neeb und zieht mit dem Fürsten an seiner Seite weiter durch den Wald. Querfeldein. Umringt von Bäumen.

Gesamtfläche Eigentümer der Forstabteilung Castell sind Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen und Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell. Zusammen besitzen sie eine Gesamtfläche von 5448 Hektar (davon 944 Hektar zur Betreuung). Die Flächen werden gemeinschaftlich bewirtschaftet, die Kosten der Forstabteilung jeweils halbiert.

Reviere Die Reviere liegen weit zerstreut im Steigerwald und der Fränkischen Platte in Unter-, Mittel- und Oberfranken sowie im Thüringer Wald bei Oberhof. Die Reviere der Linie Castell-Rüdenhausen machen eine Gesamtfläche von 2639 Hektar aus: Urspringen (541 Hektar), Friedrichsberg (889), Breitenlohe (381), Schwanberg (147) sowie Oberschönau (681). Die Reviere der Linie Castell-Castell sind 1865 Hektar groß: Castell (654), Oberrimbach (595) und Lisberg (616). Die Waldflächen werden gemeinschaftlich durch einen Betriebsleiter, vier Revierleiter, sieben Waldarbeiter und einen Lehrling bewirtschaftet.

Klima Die Kernreviere liegen im Weinbauklima. Der Jahresniederschlag schwankt zwischen 500 und 700 mm. Die Durchschnittstemperatur liegt mit 8,5 Grad Celsius über dem bayerischen Mittel.

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