Weigenheim

Kleinod im Herzen des Weinparadieses

So richtig verschlossen waren die Türen auf Schloss Frankenberg nie. Ab Ostern wird die Burg wieder geöffnet sein - und manches bieten.
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Gutsverwalter Adrian Graf von Hoensbroech und Bürofrau Friedlinde Koch freuen sich darauf, die alten Gemäuer des Schlosses Frankenberg wieder mit Leben zu füllen.
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So richtig verschlossen waren die Türen auf Schloss Frankenberg nie. Auch wenn die auf das Jahr 1250 zurück gehende Anlage zwischen Nenzenheim und Reusch nach wie vor in Privatbesitz ist und man in den vergangenen Monaten nicht einfach so dort spazieren gehen geschweige denn hinter die Kulissen blicken konnte.

„Besucher lieben die tolle Aussicht auf Wald, Felder und Weinberge.“
Friedlinde Koch Verwaltung Schloss Frankenberg

Zumindest an Christi Himmelfahrt, wenn der Frankenberg beim traditionellen Weinfest von Wanderern bevölkert wird, ist Leben in den Gemäuern. Und ab Ostern wird die Burg regelmäßig wieder geöffnet sein.

Es gibt viele hohe Häuser, deren Besitzer nicht mehr das nötige Kleingeld aufbringen wollen oder können, um die Gebäude und das Land außen herum zu bewirtschaften. Nicht so bei Schloss Frankenberg. Zuerst interessierte sich 2008 der Unternehmer Roland Belz für die Meierei als landwirtschaftliches Anwesen und kaufte dann das Schloss mit dazu. Auch das Amtshaus und die Kapelle begann er zu sanieren, die Landwirtschaft aufzubauen und eine Aaglander-Motorkutschen-Manufaktur einzurichten.

2011 verstarb Belz unerwartet, und Schloss Frankenberg drohte wieder in einen Dornröschenschlaf zu fallen. Bis 2015 Professor Peter Löw, Kopf der Livia-Group aus München kam. Löw hatte schon eine Reihe von Baudenkmälern gekauft. Jetzt zog langsam wieder Leben auf Schloss Frankenberg ein. Rund 40 feste Einwohner hat die von 1523 bis 1597 durch die Familie von Hutten im Renaissancestil umgebaute Burg bereits jetzt: So viele Angus-Rinder werden nämlich gerade in den Stallungen versorgt.

An mehr Rindern, aber auch an mehr Personal wird Adrian Graf von Hoensbroech in den kommenden Monaten Bedarf haben. Denn der diplomierte Oenologe kultiviert hier seit vergangenem Jahr nicht nur typisch fränkische Sorten wie Riesling, Silvaner und Burgunder auf derzeit 19 von insgesamt 29 Hektar Rebfläche, sondern fungiert auch als Gutsverwalter der etwa 140 Hektar land- und forstwirtschaftlichen Fläche rund um das Schloss.

„In diesem Frühjahr wird es nach vielen Jahren erstmals wieder einen Wein vom Frankenberg geben, der auch hier ausgebaut wurde“, freut sich der Gutsverwalter. Bislang geschah dies in Ippesheim. In der Meierei auf Frankenberg wurde hierfür aber mittlerweile ein Weinkeller neu eingerichtet. Ab Ostern werden auf dem Frankenberg wieder regelmäßig Gäste bedient. Im Amtshaus, wo es ein Café gibt, wird montags, donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet sein. Auf den Tisch kommen dann neben regionalen Produkten auch die Lebensmittel, die in und um das Schloss selbst entstanden sind. Bereits voll ausgestattet und bezugsfertig sind in einem Nebengebäude fünf Appartements, die für einen Urlaub gemietet werden können. „Im Schloss selbst laufen derzeit weitere Sanierungen, dort sind aber ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten geplant“, erklärt Friedlinde Koch, die sich im Büro um Verwaltungsangelegenheiten kümmert. Und es darf geheiratet werden: Nicht nur im Standesamt, das sich ebenfalls im Schloss befindet, sondern auch in der Kapelle. Und was macht das Schloss für die beiden Hauptamtlichen so besonders? „Im Weinparadies Franken ist es ein Fixpunkt, der Identität schafft.

Besucher lieben die tolle Aussicht auf Wald, Felder und Weinberge“, erklärt Friedlinde Koch.

Dass das Schloss in seiner rund 800-jährigen Historie nie eingenommen wurde, fasziniert den Gutsverwalter am meisten. Und die vielen Details, die auf den ersten Blick gar nicht so leicht ersichtlich sind. Zum Beispiel das über 400 Jahre alte Tor, das noch immer im originalen Zustand ist. Oder das immer noch verschlossene Verlies, in dem Gefangene darbten. Auch Gericht gehalten und Todesurteile wurden auf Schloss Frankenberg ausgesprochen.

Geschichten, die einfach mit dazu gehören. Geschichte soll hier ab sofort weiter geschrieben werden.



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