HÜTTENHEIM

Kleine Floristen brauchen vier Hände

Die Minigärtner besuchen die Gärtnerei Schunke in Hüttenheim und gestalten ihr eigenes Frühlingsgesteck. Dabei stellen sie schnell fest: Mit Naturmaterialien zu arbeiten ist gar nicht so einfach. Da kann man gut und gern vier Hände brauchen.
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Die Minigärtner-Projektleiterin Margot Burger und das Team der Gärtnerei Schunke halfen den Kindern bei den Gestecken.
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22 durch zwei ist elf. Mathematisch betrachtet. Beim Besuch der Minigärtner in der Gärtnerei Schunke in Hüttenheim passt diese Rechnung nicht. Die Gruppe wird in zwei Teams zu zehn und zwölf Kindern aufgeteilt. Warum das so ist, merken die Mädchen und Jungen recht schnell: Wer ein florales Gesteck aus Naturmaterialien gestalten möchte, kann gut und gern vier Hände brauchen.

Zwei Jahre lang erkunden die „Europa Minigärtner“ aus dem Landkreis Kitzingen die Welt des Gartenbaus. Dass dazu auch der Besuch in einer klassischen Gärtnerei gehört, ist logisch. Zu Gast waren die Mädchen und Jungen deshalb in der Gärtnerei Schunke in Hüttenheim, die sie zunächst einmal auf einem Rundgang erkundeten. Was den Kindern dabei gleich auffiel, war die niedrige Temperatur in den Gewächshäusern. „Warum ist es hier so kalt?“, war denn auch die allererste Frage an Frank Schunke. Weil, so erfuhren die Minigärtner, momentan die Frühjahrsblüher in den Gewächshäusern stehen, und die erst dann blühen sollen, wenn sie in den Verkauf kommen. Wird es zu warm, blühen sie zu früh. Dann müssen die schon vorhandenen Blüten per Hand abgezupft werden. Eine ziemlich aufwändige Arbeit.

Gänseblümchen, Primeln, Osterglocken, Stiefmütterchen, die Ringelblume „Luggi“ als Blume des Jahres, aber auch Pflanzen, die den Schunkes gar nicht gehören, stehen in den verschiedenen Gewächshäusern. So mancher Privatmann oder manche Firma bringt Pflanzen zum Überwintern zum Fachmann, damit sie draußen nicht erfrieren. Im Rosenhaus laufen unter anderem die Vorbereitungen für den Beitrag der Hüttenheimer Gärtnerei an der Landesgartenschau in Würzburg. Frank Schunke zeigte den Kindern, wie Rosen veredelt werden, erklärte, warum man die Pflanzen zurückschneiden muss, führte die Maschine vor, die Pflanztöpfe mit Erde füllt, und verriet, warum Luftpolsterfolie an den Gewächshauswänden befestigt ist.

Saisonale Pflanzen, Beet- und Balkonpflanzen, Rosen, Kräuter, Gemüsepflanzen, Heckenpflanzen, Obstgehölze, Gartenprodukte, dazu ein Gemüseladen sowie Blumenschmuck für alle Anlässe und verschiedene Dienstleistungen – die Kinder kamen ganz schön ins Staunen, als sie hörten, was alles zum Angebot der Gärtnerei gehört. Und noch mehr staunten sie, als sie sich selbst an die Gestaltung eines Frühlingsgestecks mit Naturmaterialien machten. Denn dabei gibt es viel zu beachten, bevor man überhaupt mit der Arbeit anfängt.

Für wen ist der Strauß oder das Gesteck gedacht? Welche Blumen oder Farben mag derjenige? Für welchen Anlass ist das Gesteck? Wie werden die Blumen, Äste, Blätter und Dekomaterialien befestigt? Schließlich soll ein Gesteck standfest und transportfähig sein. „Die Anordnung der Blumen muss auch nach einem 100-Meter-Sprint noch die gleiche sein“, erfuhren die Kinder. Dazu nutzen Gärtner Steckschwämme – den grünen, den sie mit Wasser tränken, für Blumen, den grauen für trockene Gestecke.

Für ihr eigenes Werk verwendeten die Kinder keine künstliche Steckhilfe, sondern Materialien aus der Natur. Baumrinde hatte Gertrud Schunke schon bereitgestellt, Tulpen sowie gelben und orangefarbenen Ginster. Dann ging es erst mal nach draußen, Äste schneiden, um daraus kleine Bündel zu binden.

Leere Konservendosen hatten die Kinder mitgebracht. Die Baumrinde-Stücke wurden außen herumgelegt, das Ganze mit Draht fixiert. Selbst in Zweiterteams war das gar nicht so einfach, schließlich sollte man die Dose nicht mehr sehen. Immer wieder verrutschte ein Stück Rinde, immer wieder blitzte irgendwo das Metall hervor. Doch mit Unterstützung schafften es letztendlich doch alle.

„Es ist wichtig, dass man nicht sieht, wie es gemacht ist. Und falls man es doch sieht, muss es dekorativ sein“, erklärte Gertrud Schunke. Deshalb benutzten die Minigärtner auch keinen normalen Draht zum Umwickeln der Dose, sondern gelb, lila und orange ummantelten Dekodraht. „Das sieht schön aus“, stellten die Kinder auch prompt fest. Die Drahtenden wurden um die Finger gewickelt, so dass eine Spiralform entstand – und schon hatte man ein neues Deko-Element.

Dann kamen Astbündel in die Dose, um den Blumen Halt zu geben. Dazwischen wurden die gelben und roten Tulpen und der Ginster gesteckt. „Besonders hübsch wird es, wenn man kleine und große Blüten und unterschiedliche Farben miteinander kombiniert“, verriet Gertrud Schunke einen Floristen-Tipp.

Sichtlich stolz präsentierten die Minigärtner ihren Eltern beim Abholen ihre selbst gestalteten Frühlingsgestecke – zu Recht, schließlich war eines schöner geworden als das andere. Die richtigen Pflegetipps fürs Gießen gab es von Gertrud Schunke dazu und einen interessanten Hinweis: Wer sein Gesteck genau beobachtet, wird merken, dass die Tulpen noch ein ganzes Stück weiterwachsen werden, obwohl sie abgeschnitten sind. Wieder etwas, was die Minigärtner jetzt mehr wissen als so mancher Erwachsener.

 

Die Gärtnerei Schunke in Hüttenheim

Gertrud und Frank Schunke haben 2008 die Gärtnerei in Hüttenheim übernommen, die bereits 1938 von der Familie Lechner gegründet worden war. Gertrud Schunke ist ausgebildete Gärtnerin im Fachbereich Zierpflanzenbau sowie Floristin und Gartenbauingenieurin, Frank Schunke ist ausgebildeter Gärtner im Fachbereich Baumschule sowie Gartenbauingenieur. Neben den Schunkes arbeiten sieben Mitarbeiter in der Gärtnerei. Die Gärtnerei bietet neben grünen und blühenden Pflanzen sowie Gemüsesorten und Kräutern auch Rosen und Stauden sowie Obstgehölze und Blumen. Der Großteil der Pflanzen stammt aus Eigenproduktion. Zur Gärtnerei gehören eine Baumschule, die Floristik, ein Schaugarten, ein breites Dienstleistungsangebot sowie ein betriebseigener Gemüseladen.
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