GEISELWIND

Kleine Eulen - große Wirkung

Artenschutzpreis der Vereinten Nationen geht an ein Gemeinschaftsprojekt, das Mut macht: Jeder kann den Schwund heimischer Arten erkennen - und etwas dagegen tun.
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sperlingskauz rother johannes
Die kleinste Eulenart in Franken ist der Sperlingskauz. Foto: Foto: J. Rother
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Nur die kreisrunde, leuchtend gelbe Iris seiner Augen verrät ihn. Ansonsten sitzt der gefiederte Geselle prima getarnt im graubraunen Geäst. Nicht einmal 20 Zentimeter ist der nachtaktive Sperlingskauz groß – und doch ist die Existenz unserer winzigsten heimischen Eulenart keine Kleinigkeit. Ohne den Sperlingskauz würde unserem Ökosystem mehr fehlen als ein paar Federn.

Die Zwergeule ist, wie auch ihr Verwandter, der Raufußkauz, bedroht. Beiden Arten mangelt es zunehmend an geeigneten Lebensräumen und Bruthöhlen. Mit dem langfristig angelegten Kooperationsprojekt „Kleine Eulen – ganz groß“ wollen der Markt Geiselwind, die Bayerischen Staatsforsten, die Initiative „Artenschutz in Franken“ und weitere Unterstützer Abhilfe schaffen. Dafür erhielten sie nun aus den Händen der Landtagsabgeordneten Barbara Becker aus Wiesenbronn den Artenschutzpreis der Vereinten Nationen (-> Infokasten).

Bei „Kleine Eulen – ganz groß“ gehen Artenschutz und Umweltbildung Hand in Hand. Junge Menschen bringen sich auf verschiedene Arten ein: Kindergartenkinder ebenso wie Schüler der Ebracher Realschule und Auszubildende der Bayerischen Staatsforsten. Genau das ist Thomas Artur Köhler ganz wichtig. Der Vorsitzende der Initiative „Artenschutz für Franken“ sagt: „Wir müssen die Jugend einbeziehen. Denn im Interesse unserer Kinder und Enkel tragen wir eine ganz besondere Verantwortung.“

Es gelte, trotz all der negativen Mitteilungen, die uns tagtäglich erreichen, „keinesfalls zu resignieren, sondern alles daran zu setzen, um die Artenvielfalt, also unsere Mitgeschöpfe, zu schützen.“ Gefragt seien keine „schlauen Reden“, sondern Innovationen. Dazu zählt Köhler unter anderem die Entwicklung neuartiger Nistelemente, die den Bruterfolg der Eulen verbessern sollen.

Die Nisthilfen bestehen aus speziell entwickelten Bauelementen und sind mit einer Schutzvorrichtung ausgestattet, die Baummarder und andere Prädatoren, also Fressfeinde, von den Jungtieren fernhalten soll. „Das Projekt ist in dieser Form bisher einzigartig in Deutschland.“

50 Nisthöhlen im Auge behalten

50 dieser Nisthöhlen hängen seit dem Frühjahr in den Wäldern zwischen Geiselwind und Ebrach. Junge Menschen, die bei den Bayerischen Staatsforsten arbeiten oder ein Freiwilliges ökologisches Jahr leisten, haben die braunen Kästen in mehreren Metern Höhe an Baumstämmen angebracht. Zusammen mit Ebracher Realschülern und ihrem Biologielehrer Felix Ortegel werden sie ein „Monitoring“ betreiben. Dabei geht es etwa um die Rolle, die Rückegassen spielen, oder um den Einfluss von Trocken- und Feuchtbereichen auf die Eulenpopulation. Wird die Bestandsdichte zunehmen? Wenn ja, wo besonders? Und welchen Einfluss haben Begleitarten wie etwa der Kleiber?

„Ich finde es wichtig, dass Schulunterricht auch draußen stattfindet“, sagt Biolehrer Felix Ortegel. Er selbst sei als Bub von seinem Vater oft mit in den Wald genommen worden und habe Flora und Fauna auf diese Weise ganz selbstverständlich kennengelernt. Heute hätten viele Eltern und damit auch ihre Sprösslinge nicht mehr allzu viel Bezug zur Natur; das Wissen über ökologische Zusammenhänge nehme ab. „Aber die Schüler sind interessiert. Zum Beispiel haben wir es geschafft, den Ruf eines Käuzchens aufzunehmen – das hat alle begeistert.“

Doch wie sinnvoll ist es eigentlich, mit künstlichen Nisthorsten in die Natur einzugreifen? Forstbereichsleiter Ulrich Mergner erklärt, dass es infolge früherer Kahlschlagwirtschaft und intensiver Durchforstungen in bestimmten Waldgebieten derzeit an Biotopbäumen und damit an Nistmöglichkeiten fehlt. „Die vom Menschen geschaffenen Kästen gleichen das aus.“ Ziel der Forstwirtschaft sei es, die Kästen unnötig zu machen und den Wald so umzubauen, dass er allen heimischen Arten – auch Käfern und Insekten – Nahrung und Wohnung bietet. Aber das brauche viel Zeit, teils Jahrzehnte.

Thomas Artur Köhler von der ehrenamtlich getragenen Initiative „Artenschutz in Franken“ ergänzt: „Wir wollen zeigen, dass man auch in Wirtschaftswäldern etwas für die Artenvielfalt tun kann.“ Natürlich könne man mit dem Eulenprojekt allein die Welt nicht retten. Aber es zeige wichtige Zusammenhänge in der Natur auf und verbessere den Lebensraum der Kleineulen im regionalen Umfeld effektiv. Insgesamt gehe es „um viel mehr als ein paar Eulen“. Es gehe darum, im wirtschaftlich genutzten Wald wertvolle Nischen für gefährdete Arten und ihre Begleiter zu finden.

Diese beiden Aspekte – Wirtschaftlichkeit und Naturschutz – zusammenzukriegen, sind auch für die Landtagsabgeordnete Barbara Bescher (CSU) wesentlich. In ihrem früheren Berufsleben als Diplom-Pädagogin habe es den Begriff „Selbstwirksamkeit“ gegeben, der besagt: Ich bin kein Opfer, ich kann etwas tun. „Was mir an diesem Projekt so gefällt, ist: Die Leute vor Ort werden aktiv, nehmen das Heft selbst in die Hand und tun etwas für ihren Lebensraum.“

Das imponiert auch dem Geiselwinder Bürgermeister Ernst Nickel. Sein Credo lautet, kurz und knackig: „Weiter so!“

Wettbewerb

UN-Dekade: Die Vereinten Nationen (UN) haben den Zeitraum bis 2020 als „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgerufen. Damit soll dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegengewirkt werden. Die UN haben einen Wettbewerb ausgelobt und zeichnen Projekte aus, die sich vorbildlich für die biologische Vielfalt einsetzen.

Teilnehmen: Neue Projekte – sowohl kleine ehrenamtliche als auch große institutionell getragene – können jederzeit angemeldet werden. Teilnehmen können Einzelpersonen oder Initiativen, Verbände, Stiftungen und Unternehmen. Die Bewerbung erfolgt online unter www.undekade-biologischevielfalt.de

Weitere Infos: www.undekade-biologischevielfalt.de; www.artenschutz-franken.de

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