SULZFELD

Sulzfelder Weinfest: Klein, fein, wertig

Das älteste Straßenweinfest in Franken erfindet sich neu
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Neues Team, neue Ideen: Diese Sulzfelder planen das 50. Straßenweinfest im Ort – es ist damit das älteste Straßenweinfest in Franken.

Es soll ein Neustart sein. Und das zum Jubiläum. Zum 50. Mal wird Anfang August in Sulzfeld Weinfest gefeiert. Der Ort ist damit Schauplatz des ältesten Straßenweinfestes in Franken.

Gerhard Luckert kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. Die Frauen im Ort haben Kuchen gebacken, die Männer Wein ausgeschenkt. Das Mainufer stand voll mit Zelten. Die Gäste kamen aus Würzburg, viele junge und durstige Studenten waren darunter. Sie kamen aber auch aus dem Nürnberger Raum und einige sogar aus München. „Die haben teilweise eine ganze Woche am Main gezeltet“, erinnert sich der Winzer. Am Morgen wollten die Sulzfelder Kaffee für die Camper kochen. „Aber die haben lieber einen Schoppen getrunken“, erzählt Luckert und muss lachen.

Zu den Gästen in Sulzfeld zählten damals auch etliche Schauspieler. Kein Wunder: Kurt Hepperlin, Schauspieler am Schauspielhaus in Nürnberg und späterer Intendant des Bayerischen Rundfunks, hatte sich in Sulzfeld verliebt und fleißig die Werbetrommel für den Ort gerührt. Hepperlin residierte im so genannten Kuckucksnest, in der Wohnung direkt über dem Eingangstor in den Weinort. Und er hatte klare Ansichten, wie ein Weinfest auszuschauen habe. „Macht euer Höf auf und schenkt euren eigenen Wein bei der schönen Kulisse auf der Straß' aus“, hatte er den Winzern geraten. Gesagt, getan. „Die Stimmung war super“, erinnert sich Gerhard Luckert an das erste Straßenweinfest im Jahr 1968. Die Musiker haben auf der Dorfmauer und auf den Anhängern der Landwirte gespielt. „Sicherheitsvorschriften hat es ja noch nicht gegeben.“

Nicht nur das sollte sich im Lauf der Jahre verändern. Das Sulzfelder Straßenweinfest entwickelt sich zu einem Besuchermagneten – mit allen Vor- und Nachteilen. Bis zu 25 000 Menschen sind am ersten Wochenende im August gekommen. Viele im Raum Kitzingen stationierte US-Soldaten waren darunter. Bedienungen konnten bis zu 2800 Mark an einem Wochenende verdienen, die veranstaltenden Vereine hatten dank des Weinfestes jahrelang keine Geldsorgen. Dafür mussten die Sicherheitsvorschriften erhöht werden, es gab auch mal Schlägereien und in den Straßen drängelten sich die Schoppentrinker. „Irgendwann war es nicht mehr schön“, denkt Gerhard Luckert zurück. Das soll sich wieder ändern.

Ein neues Team um den Geschäftsführer der Weinfestgesellschaft Ralf Lederer bemüht sich seit November letzten Jahres intensiv um die Neugestaltung des Sulzfelder Straßenweinfestes. Rund 25 Enthusiasten sind in sechs Arbeitsgruppen dabei, das Weinfest auf neue Beine zu stellen. Carmen Luckert ist beispielsweise federführend für die Arbeitsgruppe Ambiente. „Wir wollen die Traditionen, die Sinn machen, aufrecht erhalten“, versichert sie. „Wir wollen aber gleichzeitig zukunftsorientiert planen.“ Will heißen: Ein neues Ambiente soll geschaffen werden: weniger Deko, mehr Licht. Reduzierter und edler soll der Ort erscheinen. „Die Qualität der Weine soll dabei natürlich immer im Vordergrund stehen“, erklärt Carmen Luckert. „Genauso wie der Ort selbst.“

Vor dem Haupttor wird es deshalb keine Bühne mehr geben – und einen WC-Wagen erst recht nicht. „Unsere einzigartige mittelalterliche Kulisse soll als Wohlfühlort inszeniert werden“, formuliert es Bürgermeister Gerhard Schenkel. Kleine „Inseln“ mit Sitzmöbeln zum Verweilen soll es geben, in der „Wunderbar“ werden auch etwas ungewöhnlichere Getränke wie Weinbowlen oder Schorle in Flaschen ausgeschenkt, auf dem Marktplatz gibt es ausgewählte Weine.

„Auch das Essensangebot soll höherwertiger werden“, kündigt Carmen Luckert an. Die Mitglieder des Sulzfelder Koch-Clubs und die Vereine werden beispielsweise das kulinarische Aushängeschild des Ortes, die Bratwurst, in verschiedenen Varianten darreichen. Aus der Maingasse wird die „GourMEEgass“. Die Dorfmauer wird komplett beleuchtet sein. An sechs Stellen im Ort wird „Street Art“ der Mainstockheimer Künstlerin Melinda Hillion zu sehen sein. „Das passt wunderbar zu unserem Anliegen“, freut sich Carmen Luckert. „Alte Gebäude und ein Fest, das in die Jahre gekommen ist, neu zu inszenieren.“

Die Vorbereitungen auf das Jubiläumsfest und den Neubeginn laufen auf Hochtouren. Ralf Lederer hat das Ziel klar vor Augen: „Wir wollen nicht das größte Weinfest in Franken werden, sondern das erste Straßenweinfest bleiben.“ Und wie das künftig aussehen soll, ist ihm auch klar: Klein, fein, wertig.

Die Termine: Freitag, 3. August (Eintritt: 2 Euro). 19 Uhr: Weinprinzessin Anika I. eröffnet das Jubiläumsweinfest am „Kuckucksnest.“ 20 Uhr: Weinfest mit Erlacher Schlosskapelle.“ Samstag, 4. August (Eintritt 2 Euro): Ab 14 Uhr Weinfest, 19 Uhr: „Bayernmän“; Sonntag, 5. August (Eintritt frei), ab 10 Uhr: Weinfest, 10.30 Uhr: Weinhallalauf; 11 Uhr: Jugendorchester Sulzfeld; 18 Uhr: Quetsch, Zupf, Blosn. Montag, 6. August (Eintritt 2 Euro): Ab 18 Uhr Weinfest; 19 Uhr: Funk-Agreement.



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