Kitzingen
Wirtschaft und Kultur

Klavier Rosenberger schließt zum Jahresende

Paula und Werner Rosenberger haben 47 Jahre lang das kulturelle Leben in Kitzingen mit geprägt - zum Jahresende schließen sie ihr Klaviergeschäft in der Würzburger Straße.
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Musik ist ihre Leidenschaft: Mit ihrem Geschäft, Aufführungen und Musikunterricht haben Paula und Werner Rosenberger in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in Kitzingen geleistet. Foto: Daniela Röllinger
Musik ist ihre Leidenschaft: Mit ihrem Geschäft, Aufführungen und Musikunterricht haben Paula und Werner Rosenberger in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in Kitzingen geleistet. Foto: Daniela Röllinger
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Paula Rosenberger zeigt auf das Haus auf der anderen Straßenseite. Dort hat alles angefangen. In der Würzburger Straße 9 hat ihr Mann Werner am 2. Mai 1966 ein Geschäft eröffnet. Zwei Generationen verbinden seitdem in Kitzingen und der Region den Namen Rosenberger mit Musik. Eine Tradition, die nun in der Würzburger Straße 6 zu Ende geht: Klavier Rosenberger schließt zum Jahresende seine Pforten.

Man merkt es im Gespräch: Es fällt dem Ehepaar nicht ganz leicht, diesen Schritt zu gehen. Aber irgendwann, sagt Paula Rosenberger, ist es Zeit, aufzuhören. 71 Jahre alt ist sie inzwischen, Ehemann Werner ist 73. Weder die beiden Töchter - die eine ist eine bekannte Harfenistin, die andere Klavierlehrerin - noch der technikbegeisterte Sohn wollten das Geschäft übernehmen.


Rechtzeitig die Weichen gestellt

Doch Kitzingen ohne Musikgeschäft - das konnte sich das Ehepaar nicht vorstellen. Deshalb haben die Rosenbergers schon vor einigen Jahren die Weichen gestellt: 1999 übergaben sie ihr Musikhaus an das Ehepaar Tischler. 2008 übernahm der Klavierbauer Alexander Polewsky das "Musikhaus Rosenberger", das auch weiterhin für alle musikinteressierten da ist und unter anderem Instrumente, Noten und Service wie Stimmungen und Reparaturen bietet. Paula und Werner Rosenberger selbst verkauften ab 1999 in der Würzburger Straße 6 weiter - allerdings reduzierten sie das Angebot auf Klaviere und Flügel. In ein paar Monaten werden sie dieses Geschäft nun schließen.

"So ein Klavier, das sind 6000 Einzelteile", sagt Paula Rosenberger und streicht zart, ja liebevoll, über das schwarze Holz des Flügels. Sie weiß um dessen Wert, sie kennt die Instrumente in- und auswendig. Werner Rosenberger hat auf dem Stuhl vor dem Flügel Platz genommen, spielt Stücke aus verschiedenen Musikrichtungen. Seine Finger fliegen scheinbar mühelos über die Tasten. Die Musik, sie ist sein Leben. Rosenberger ist nicht nur Musikhändler, er ist staatlich geprüfter Musiklehrer. Eine Kombination, die nicht selbstverständlich ist und die dem Ruf des Geschäftes immer zugute kam, vor allem, weil es in den ersten Jahrzehnten die Musikschule noch nicht gab. Neben Klavier spielte er unter anderem Akkordeon, Gitarre, Kontrabass, Flöte, Oboe, Saxophon und Klarinette.

Ehemaliger Regensburger Domspatz

Bevor die Rosenbergers nach Kitzingen kamen, hatten sie am 15. Oktober 1965 in Gelnhausen ein Musikgeschäft übernommen. Doch schon nach einem halben Jahr war klar, dass dort Entfaltungsmöglichkeiten fehlten, erzählt Paula Rosenberger. Kitzingen kannte ihr Mann schon recht gut. Der gebürtige Würzburger - ein ehemaliger Regensburger Domspatz - hatte durch Musikunterricht in der Region und Band-Auftritte in US-Clubs Kontakt in die Stadt. Man entschloss sich zum Umzug.

Danach entwickelte sich das Geschäft rasant. Schnell wurde die Würzburger Straße 9 zu klein für die vielen Instrumente, die Noten und das Zubehör im Angebot. Der danebenliegende ehemalige Lebensmittelladen wurde hinzugenommen. 1972 folgte dann der Umzug in die Kaiserstraße, 1979 wurde dort umgebaut und erweitert. Ab 1983 gab es einen neuen Ausstellungsraum an der B 8. 1990 wurde der Klavier-Ausstellungsraum in der Würzburger Straße 6 eröffnet - eben das Geschäft, in dem die Rosenbergers bis heute tätig sind.

Dort stehen die beiden jetzt beim Gespräch, inmitten neuer und gebrauchter Klaviere und Flügel in unterschiedlichen Preisklassen, aus Deutschland, aber auch aus anderen Ländern. Wer glaubt, sie würden sich alle gleich anhören, der irrt. Werner Rosenberger kann am Klang hören, ob das Instrument günstiger oder hochwertiger ist, ob es aus Deutschland kommt oder aus Asien.

Werner Rosenberger: "Das G8 geht auf Kosten der Kultur."

Nach wie vor sind Klaviere und E-Pianos in Deutschland das Instrument Nummer 1. Wer das beherrschen will, der braucht nicht nur Unterricht, sondern er muss auch üben. Und da sieht Musiklehrer Werner Rosenberger seit einigen Jahren ein großes Problem: das G8. Seit das Gymnasium verkürzt wurde, haben die Jugendlichen viel weniger Zeit, sie kommen kaum zum Üben. Die Folge: Die Zahl der Musikschüler aus dem Gymnasium geht zurück. "Das G8 geht auf Kosten der Kultur", kritisiert der Musiklehrer. Man spürt, wie sehr ihn das ärgert, denn das kulturelle Leben liegt ihm sehr am Herzen, er will es auch künftig unterstützen. Rosenberger wird weiterhin unterrichten und in Aufführungen mitwirken, so wie er es schon macht, seit er nach Kitzingen kam. Er spielt als Pianist in einer Kirchenband, gehört einem Barockensemble an, macht vierhändige Konzertmusik und Chorbegleitung.

Gattin Paula hat sich dagegen seit einiger Zeit der Malerei verschrieben. Sie hat ihre Werke bereits mehrfach ausgestellt und will sich nach ihrer aktiven Berufsphase verstärkt ihrem neuen Hobby widmen.





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